Gerüchte zur US-Wahl

Kann Taylor Swift einen Trump-Sieg verhindern? Biden nimmt Stellung zu Komplott-Gerüchten

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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US-Präsident Biden wird bei einem seltenen Fernsehauftritt mit der Popsängerin Swift konfrontiert. Seine Antwort ist ein Dad Joke.

New York – Fernsehinterviews sind bei Joe Biden rar. Jetzt hat er aber eines gegeben. In der Sendung „Late Night with Seth Meyers“ ging es um den Wahlkampf – und der Moderator zwang den US-Präsidenten dazu, sich zu einer Frau zu positionieren: Taylor Swift.

Die Popsängerin (281 Millionen Insta-Follower, Stand 27. Februar) hat bei ihren Fans einen enormen Einfluss. Bereits bei der vergangenen US-Wahl unterstützte sie Biden, und auch diesmal ruft sie zum Wählen auf.

In rechten Kreisen kursieren nun Verschwörungstheorien zu der 34-Jährigen, die da lauten: Die Demokraten hoffen auf eine riesige Fangemeinde – und Taylor Swift verbreitet Panik bei Trump und seinen Republikanern.

US-Wahl: Joe Biden nennt mögliches „Komplott“ mit Taylor Swift „geheim“

„Haben Sie, oder haben Sie nicht, ein Komplott mit Miss Swift geplant?“, fragte Meyers den 81-jährigen Biden. „Woher wollen Sie das wissen, das ist geheim“, antwortete dieser. Auf Nachbohren, ob Swift ihn auch dieses Jahr unterstütze, entgegnete Biden lachend: „Wie gesagt, das ist geheim.“

Eine eher ungelenke Antwort. Biden wird von seinen Gegnern als der medienscheueste US-Präsident der Moderne kritisiert. Wenn das unparteiische „White House Transition Project“ richtig mitgezählt hat, war das jetzt sein 87. Interview. Zum Vergleich: Donald Trump hatte zu diesem Zeitpunkt in seiner Amtszeit bereits 300 Interviews gegeben.

Können die „Swifties“, die Fans von Taylor Swift, US-Präsident Joe Biden wirklich erneut ins Amt heben?

Taylor Swift ätzt im Wahlkampf 2018 gegen „Trump mit Perücke“

Bereits 2018 erregte Swift, die 2023 vom Time-Magazine zur Person des Jahres gekürt wurde, besonderes Aufsehen unter Trump-Fans. Damals bezog sie zum ersten Mal politisch Stellung, stellte sich gegen die ultraradikale Republikaner-Kandidatin für den US-Senat, Marsha Blackburn, und bezeichnete sie als „Trump mit Perücke“.

Die Allgegenwärtigkeit von Taylor Swift beschäftigt inzwischen sogar die Wissenschaft, beobachtete die Frankfurter Rundschau. Der griffige Name dafür: Taylor Studies. Aber werden die vielleicht nicht eher zum Vergnügen betrieben? Unklar. Immerhin ergab eine in diesem Monat publizierte Umfrage der Monmouth University, dass 18 Prozent der US-Amerikaner tatsächlich an eine Taylor-Swift-Verschwörung zur US-Wahl 2024 glauben.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Kommentar zur US-Wahl: Biden kann nicht auf Taylor Swift setzen

Die linksliberale dänische Tageszeitung Information kommentierte unlängst Europas Sicherheit mit Trump als möglichen US-Präsidenten. Europa könne sich nicht auf rund 50.000 Stimmen von Wechselwählerinnen -wählern verlassen, meinte die Zeitung mit Blick auf die Sängerin. Erfahrungsgemäß können wenige tausend Stimmen in den sogenannten Swing States knappe US-Wahlen entscheiden.

Trump gab diesen Monat einen Vorgeschmack darauf, was Europa erwarten könnte: Er würde Nato-Partnern, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen, keinen Schutz vor Russland gewähren. Das schlug hohe Wellen. „Gemeint sind in erster Linie wir Deutschen“, warnte zum Beispiel der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen.

„Die Hoffnung, dass eine Empfehlung des Popstars Taylor Swift im letzten Augenblick dem proatlantischen Joe Biden ‚four more years‘ sichert, ist keine Strategie und kein Fundament, auf dem man Europas Sicherheitsstruktur aufbauen kann“, befand die Zeitung Information mit Blick darauf. Biden muss also selbst bei möglicher Hilfe durch die „Swifties“ (Taylors Fans) noch abliefern. (frs)

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