Wegen Oktober-Massaker
Interner Streit entzweit die Hamas: Terroristen-Boss Sinwar steht wegen Alleingang in der Kritik
VonChristoph Gschoßmannschließen
Der Hamas droht ein Machtkampf. Gaza-Chef Sinwar wird für seinen Alleingang beim Terroranschlag im Oktober kritisiert.
Gaza – Innerhalb der Terrororganisation Hamas gibt es Streit: Der Chef der Hamas in Gaza, Yahya Sinwar, muss sich heftiger Kritik erwehren. Grund dafür ist der Angriff vom 7. Oktober 2023 – und wie dieser zustande kam. Sinwar soll den Angriff ohne Rücksprache mit anderen Hamas-Führern gestartet haben, wie Sky News Arabia berichtet. Zuletzt gab es Berichte über eine Erkrankung Sinwars.
Entscheidung zum Hamas-Angriff erst am Tag zuvor getroffen
Quellen berichteten dem Medium demnach, dass nur Sinwars engster Kreis informiert war: sein Bruder Muhammad Sinwar, Muhammad Deif, der Militärchef der Hamas, und Marwan Issa, der stellvertretende Militärkommandeur der Hamas. Sie sollen die Entscheidung zum Angriff getroffen haben. Übrige Hamas-Führer und das Politbüro der Organisation wurden demnach nicht konsultiert.
In einem Bericht aus dem Januar war noch von anderen Entscheidungsträgern die Rede gewesen. Palästinensische Quellen hatten Sinwar, Sinwars Bruder, Deif und Sinwar-Mitarbeiter und Ex-Chef der al-Qassam-Brigaden Rouhi Mushtaha genannt. Issa wurde damals nicht erwähnt. Dem damaligen Bericht zufolge wurde die Entscheidung zum Angriff erst am Vortag getroffen.
Feldkommandeure der Hamas nicht in konkrete Pläne eingeweiht
Um die Geheimhaltung zu gewährleisten, wurden viele Feldkommandeure der Hamas nicht in die konkreten Einzelheiten des Angriffs eingeweiht, während die Anführer der Einheiten der Al-Qassam-Brigade etwa drei Tage zuvor Informationen über den Angriff erhielten.
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Dem Januar-Bericht zufolge gelangten Einzelheiten über den Angriff nur wenige Stunden vor dem Angriff zu einem größeren Kreis von Hamas-Führern, darunter Ismail Haniyeh, Leiter des Politbüros der Hamas, und Saleh Arouri, ein leitender Hamas-Führer. Eben jene Führer fühlen sich nun von Sinwar übergangen.
Israels Armee findet Sinwars mutmaßliches Versteck im Gazastreifen
Sinwar muss sich auch anderer Probleme erwehren: Die israelische Armee ist nach eigenen Angaben auf sein Versteck gestoßen. In dem Tunnelabschnitt unter der südlichen Stadt Chan Junis habe Sinwar mit seiner Familie und Hamas-Kämpfern gelebt, während über ihnen der Krieg tobte, teilte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Dienstagabend mit. Er veröffentlichte dazu ein kurzes Video von einem Rundgang durch das mutmaßliche Versteck. (cgsc mit dpa)
