Kursk-Offensive der Ukraine

„Terror-Staat muss spüren, wie Krieg ist“: Selenskyj verteidigt Offensive in Russland

Wolodymyr Selenskyj spricht sitzend in eine Kamera
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Hofft auf einen „wahren Frieden“: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verteidigt die Offensive in der Kursk-Region.
  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Wolodymyr Selenskyj legt dar, weshalb das Handeln der Ukraine in der Region Kursk logisch ist. Für ihn ist der Pfad zum Frieden mit Raketen gepflastert.

Kiew – Mit der Offensive in der Kursk-Region hat Kiew auch seine Unterstützer im Ukraine-Krieg offensichtlich überrascht. Der Vormarsch auf russischem Territorium sorgte auch für einen Einschnitt in das Leben vieler dort lebender Zivilisten. Hunderttausende mussten evakuiert werden. Es ist ein Schicksal, das sie mit zahllosen Ukrainerinnen und Ukrainern teilen, die ihr Zuhause verlassen mussten, seit Kreml-Chef Wladimir Putin die Invasion vor mehr als zweieinhalb Jahren befahl.

Dennoch löste der ukrainische Vormarsch in der Kursk-Region durchaus auch Kritik aus. Wolodymyr Selenskyj nutzte wohl auch deshalb eine Ansprache an das Volk, um diese Taktik zu rechtfertigen. In dem in sozialen Medien verbreiteten Clip kommt der Präsident der Ukraine zunächst auf den russischen Luftangriff auf Charkiw am Sonntagmittag (1. September) zu sprechen. Dabei seien etwa 50 Menschen verletzt worden, einige sollen unter Trümmern eingeschlossen sein. Getroffen worden seien zivile Gebäude wie ein Shoppingcenter, ein Sportpalast und Wohngebäude.

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Selenskyj über Offensive in Kursk-Region: „Krieg dahin bringen, wo er seinen Ursprung hat“

Daher findet Selenskyj: „Jeder dieser Angriffe auf Charkiw oder andere unserer Städte oder Orte beweist, dass unsere Taktik richtig ist, insbesondere in der Region Kursk – wir müssen den Krieg dahin zurückdrängen, wo er seinen Ursprung hat, nach Russland. Und nicht nur in die Grenzregionen.“ Der 46-Jährige fügt an: „Der Terror-Staat muss spüren, wie Krieg ist.“

Die Ukraine arbeite daran, dass so viele „Militäreinrichtungen, Logistikzentren und kritische Infrastruktur der russischen Kriegswirtschaft“ wie möglich in der Reichweite der eigenen Waffen zerstört werden. Dafür seien Drohnen und Raketen unerlässlich. Doch diese seien nur ein Schritt auf dem Weg zu einem „wahren Frieden“.

„Um Russland zum Frieden zu zwingen – um es von betrügerischer Rhetorik über Verhandlungen zu tatsächlichen Schritten zur Beendigung des Krieges und zur Befreiung unseres Landes von Besatzung und Besatzern zu bewegen –, sind wirksame Instrumente erforderlich“, betont Selenskyj.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Und weiter: „Ich weiß, dass in diesen Tagen und Wochen unsere Freunde auf der ganzen Welt, Journalisten, die die Wahrheit über diesen Krieg verbreiten, und viele Staats- und Regierungschefs, Führungspersönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft und Politiker betonen, wie wichtig es ist, den Frieden näher zu bringen und Leben zu retten, indem man Langstreckenangriffe erlaubt und die entsprechenden Raketen und Granaten bereitstellt.“

Ukraine im Krieg mit Russland: Selenskyj will „gerechte Reaktion“ auf russische Raketen und Angriffe

Dies hänge vor allem ab von US-Präsident Joe Biden, Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz, der nach den jüngsten Landtagswahlen in der Heimat zunehmend unter Druck gerät. Für Selenskyj ist klar: „Keine russische Rakete, kein russischer Angriff sollte ohne gerechte Reaktion erfolgen – mit Waffen, Sanktionen, der richtigen Politik, wirtschaftlicher Unterstützung für die Ukraine und Gerechtigkeit für Russland.“

Auch eine Meldung des russischen Verteidigungsministeriums unterstreicht, dass die Ukraine aktuell intensiv auf Ziele in Putins Reich abzuzielen scheint. Wie einem Telegram-Post zu entnehmen ist, sollen in der Nacht von Samstag auf Sonntag 158 unbemannte Flugobjekte auf russischem Territorium abgefangen worden sein, einige davon auch rund um Moskau.

Drohnenangriff? Diese Bilder sollen zeigen, wie eine Ölraffinerie nahe Moskau von einem Flugobjekt getroffen wurde.

Allerdings sind auf anderen Kanälen auch Aufnahmen von einem Einschlag zu sehen – dabei soll es sich um die Moskauer Ölraffinerie Kapotnja handeln. Zum Löschen des Brandes wurden demnach auch Hubschrauber hinzugezogen. Dementiert wurde dies vom Telegram-Kanal „Baza“, demzufolge die Drohne rechtzeitig abgeschossen worden sei und das Feuer infolge des normalen Betriebs entstanden sei.

In der folgenden Nacht war lediglich von zwei erwischten Flugobjekten die Rede, ein weiteres sei gegen 10.55 Uhr über der Stadt Belgorod zerstört worden. (mg)

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