Mutmaßlicher Anschlag

Todesfahrt über Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Was bislang bekannt ist

  • Lisa Klein
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Rund 400 Meter rast ein Auto am Freitagabend über den Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Mindestens fünf Menschen kommen ums Leben. Was über den mutmaßlichen Anschlag bislang bekannt ist.

Ein Auto rast am Freitagabend über den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Mindestens fünf Menschen kommen dabei ums Leben, darunter mindestens ein Kleinkind. Neusten Zahlen zufolge gibt es mehr als 200 Verletzte. Das haben WDR und NDR aus Sicherheitskreisen erfahren. Am Tag nach der Todesfahrt ist weiterhin einiges unklar, wie etwa das Motiv des Täters. Was bislang über den mutmaßlichen Anschlag in Magdeburg bekannt ist.

Mutmaßlicher Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Bilder von der Tatnacht

Rettungskräfte kümmern sich um Opfer des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt von Magdeburg.
Ein Blick auf den Tatort mit Rettungsdecken auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg, nachdem ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren war.
Nach dem Anschlag von Magdeburg arbeitet die Spurensicherung an dem Auto, mit dem der Tatverdächtige in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren sein soll.
Standbild von einem Video zeigt Sondereinsatzkräfte der Polizei im Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg, nachdem ein Anschlag verübt worden war.
Mutmaßlicher Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Bilder von der Tatnacht

Mutmaßlicher Anschlag: Auto rast rund 400 Meter über Weihnachtsmarkt in Magdeburg

Ein Auto fuhr am frühen Abend auf dem Weihnachtsmarkt in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt in eine Menschengruppe. Der Wagen raste rund 400 Meter über das Gelände, wie die„Bild“ unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet.

Sachsen-Anhalts Regierungssprecher Matthias Schuppe sagte am Abend, es handele sich „vermutlich um einen Anschlag“. Der Fahrer wurde nach Angaben Haseloffs festgenommen.

Rettungskräfte kümmern sich um Opfer des Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt von Magdeburg.

Todesfahrt über Magdeburger Weihnachtsmarkt: Polizei nimmt mutmaßlichen Täter fest

Ein Handyvideo soll die Festnahme des Verdächtigen zeigen. In dem Clip ist zu sehen, wie ein Polizist seine Waffe auf den Verdächtigen richtet und ihm zuruft, sich hinzulegen: „Die Hände auf den Rücken!“ und „Bleib liegen!“. Der Mann legt sich neben einem schwarzen – sichtbar beschädigten – Auto auf den Boden und befolgt die Anweisungen. 

Schließlich kommt Verstärkung, mehrere Polizisten springen aus dem Einsatzwagen und umkreisen den am Boden liegenden Verdächtigen. Der Polizist weist seine Kollegen an, „nicht so nah ran“ zu gehen. 

Ein Blick auf den Tatort mit Rettungsdecken auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg, nachdem ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren war.

Mutmaßlicher Anschlag in Magdeburg: Was über den Tatverdächtigen bekannt ist

Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 50-Jährigen aus Saudi-Arabien, der erstmals 2006 nach Deutschland gekommen ist. Nach Angaben von Landesinnenministerin Tamara Zieschang habe der Mann einen unbefristeten Aufenthaltstitel. Der Verdächtige sei Arzt, lebe und arbeite in Bernburg, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Bei dem Auto des Verdächtigen soll es sich laut Haseloff um einen Leihwagen handeln.

Der Mann ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur als islamkritischer Aktivist bekannt und bezeichnet sich selbst als Ex-Muslim. In sozialen Medien und Interviews erhob er zuletzt teils wirr formulierte Vorwürfe gegen deutsche Behörden. Er hielt ihnen unter anderem vor, nicht genügend gegen Islamismus zu unternehmen.

Die Polizei hat derzeit keine Hinweise auf Mittäter. Hinweise, nach denen ein zweites, möglicherweise tatrelevantes Auto in der Innenstadt gesichtet wurde, hätten sich nicht bestätigt. Auch Haseloff geht von einem Einzeltäter und keiner weiteren Gefahr aus.

Der Mann wird nach offiziellen Angaben verhört. Laut Polizei werden Durchsuchungen durchgeführt. Eine Sprecherin sagte am Morgen, es laufe eine Durchsuchung in Bernburg.

Gedenkfeier in Magdeburg geplant – verschiedene Einrichtungen bleiben vorübergehend geschlossen

Am Abend ist eine Gedenkfeier für die Opfer im Magdeburger Dom geplant. Man wolle Betroffenen, Angehörigen und allen anderen Bürgern eine Möglichkeit zum Trauern geben, sagte Oberbürgermeisterin Simone Borris am Abend unter Tränen vor Journalisten. „Wir werden eine lange Zeit zum Trauern brauchen“, sagte sie sichtlich fassungslos. „Wir werden das alles umfassend aufarbeiten.“ Stadtsprecher Michael Reif sagte, es sei „ein Anschlag“ gewesen.

Die Stadt Magdeburg lässt in den kommenden Tagen alle Kultureinrichtungen geschlossen, Theater, Puppentheater und auch andere Spielstätten, wie der Stadtsprecher Michael Reif sagte. 

Rubriklistenbild: © Dörthe Hein/dpa

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