„Nation am Scheideweg“

Top-Demokrat fordert Biden zum Rückzug auf: „Ernsthafte Zweifel an seinen Fähigkeiten“

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Mit Adam Schiff hat der nächste prominente Politiker der Demokraten Joe Biden zum Rückzug aufgefordert. Der Druck auf den US-Präsidenten wächst wieder.

Washington, D.C. - Adam Schiff, ein prominenter Kongressabgeordneter der Demokratischen Partei, hat am Mittwoch in einer Erklärung für die Los Angeles Times den amtierenden US-Präsidenten Joe Biden aufgefordert, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten. Schiff, der Biden aufforderte, „den Staffelstab weiterzugeben“, äußerte „ernsthafte Zweifel“ an dessen Fähigkeit, seinen republikanischen Gegner Donald Trump bei der US-Wahl 2024 zu besiegen.

Top-Demokrat Schiff fordert Biden zum Rückzug bei US-Wahl auf

Schiff betonte, dass „unsere Nation am Scheideweg“ steht. Er warnte, „eine zweite Präsidentschaft Trumps würde die Grundfeste unserer Demokratie unterhöhlen, und ich habe ernsthafte Zweifel an der Fähigkeit des Präsidenten, Donald Trump im November zu besiegen“. Schiff, der als einflussreiches Mitglied der Demokratischen Partei gilt, lobte Biden als „einen der wichtigsten Präsidenten in der Geschichte unserer Nation“ und forderte ihn auf, zur Seite zu treten, um „sein Erbe zu bewahren“.

Der Demokrat Adam Schiff hat US-Präsident Biden zum Rückzug im US-Wahlkampf aufgefordert.

Sorge über Bidens Fitness – nächster Abgeordneter stellt sich gegen den Präsidenten

Schiff, ein Kongressabgeordneter aus Kalifornien und enger Verbündeter des Weißen Hauses, strebt im November einen Sitz im Senat an. Er wurde bekannt als demokratischer Anklageführer im ersten Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten Trump. In seiner Erklärung für die Los Angeles Times äußerte Schiff die wachsende Sorge innerhalb der Demokratischen Partei, dass die Diskussionen über Bidens Alter und Gesundheit ihm bei der US-Wahl im November schaden könnten.

Biden, der nach seinem enttäuschenden Auftritt im ersten TV-Duell mit Trump mit einer zunehmenden Debatte über seine geistige und körperliche Eignung konfrontiert ist, wird mittlerweile von etwa 20 demokratischen Kongressabgeordneten und einem Senator zum Rückzug aufgefordert. Trotzdem besteht der Präsident darauf, der beste Kandidat für das Amt zu sein. Das Attentat auf seinen Gegner Trump am Wochenende ließ die Diskussionen nur kurzzeitig verstummen.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Demokraten wollen Bidens Nominierungsprozess trotz Kritik beschleunigen

Die Demokratische Partei plant, den Nominierungsprozess von Biden durch eine Online-Abstimmung zu beschleunigen, die in der ersten Augustwoche stattfinden könnte. Dieses Vorhaben stößt jedoch auf Widerstand bei den Kritikern einer erneuten Kandidatur Bidens. Eine Umfrage der Associated Press und des Meinungsforschungsinstituts NORC ergab, dass 65 Prozent der Demokraten wollen, dass Biden auf seine Kandidatur verzichtet. (fd mit Material von AFP)

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