„Forschungspolitischer Suizid“
Trump gegen Harvard: Streit könnte USA in Milliarden-Pleite stürzen
VonSebastian Richterschließen
Donald Trump geht gegen die Universitäten der USA vor. Harvard ist sein Hauptziel. Das Verbot für ausländische Studierende könnte jedoch finanzielle Folgen haben.
Washington – Donald Trumps Lieblingsfeind des Monats ist aktuell die Elite-Universität Harvard. Nach Ansicht der MAGA-Bewegung und des US-Präsidenten gehen Hochschulen ungenügend gegen propalästinensische Proteste vor. Letzter Punkt der Eskalation: Die US-Regierung verbietet Harvard die Aufnahme neuer Studierender aus dem Ausland. Ein Gericht hat diesem Programm zuletzt einen Riegel vorgeschoben – jedenfalls vorerst, der Rechtsstreit könnte sich noch eine ganze Weile hinziehen.
„Forschungspolitischen Suizid“ nennt Harvard-Absolvent und Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach den Umgang Donald Trumps mit den Hochschulen. Und neben der Forschung sei auch die Wirtschaft betroffen: „Wenn ausgerechnet die wichtigsten und leistungsstärksten Universitäten absichtlich geschwächt werden, legt man die Axt an bei einem der bedeutendsten Pfeiler für die amerikanische Wirtschaft“, sagte der SPD-Politiker gegenüber der Rheinischen Post.
Trumps Streit mit Harvard könnte für die USA richtig teuer werden
Das US-Magazin The Hill beziffert die Kosten für die US-Wirtschaft auf knapp 44 Milliarden US-Dollar – was etwa der Hälfte der jährlichen Ausgaben der US-Politik für Bildung entspricht (88,3 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 2023). Absolventen der renommierten Universität zählen demnach zu Top-Innovatoren des Landes, alleine von ausländischen Studentinnen und Studenten gegründete Start-ups in den USA hätten einen Wert von rund 24 Milliarden US-Dollar.
Dazu kommen Studiengebühren, die insbesondere für ausländische Studierende hoch sind, und kleinere Ausgaben für Bücher, Unterkunft, Verpflegung, Einzelhandel, Krankenversicherung, Telekommunikation und Transport. The Hill bezieht sich bei ihren Zahlen auf die Association of International Educators (NAFSA), einer Non-Profit-Organisation für internationale Bildung.
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US-Wirtschaft leidet unter Trumps Kampf gegen Hochschulen
„Wir verwehren uns auf unsere Kosten internationale Talente. Der Verlust internationaler Studierender wird sich negativ auf das Weltverständnis einheimischer Studierender auswirken und verheerende Folgen für die Wirtschaftskraft, Sicherheit und globale Wettbewerbsfähigkeit des Landes haben“, formuliert die Folgen Fanta Aw, Geschäftsführerin und CEO von NAFSA als Reaktion auf die Sperre für Studierende aus dem Ausland. „Diese Folgen laufen dem erklärten Ziel der Regierung zuwider, Amerika sicherer, stärker und wohlhabender zu machen.“ (spr)
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