US-Wahl 2024

Lügen und Anekdoten: Trump hetzt zum Demokraten-Parteitag gegen Harris und Migranten

  • VonLisa Mahnke
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Trump weist Kamala Harris die Schuld für illegale Migranten zu. Seine abfälligen Falschaussagen untermauert er mit Berichten von Opferangehörigen.

Sierra Vista – Kurz vor der Parteitagsrede von Kamala Harris hat Donald Trump ihr erneut die Schuld für illegale Grenzübertritte zugewiesen. Bei einer Rede in der Nähe der Mauer zwischen den USA und Mexiko, die unter Trumps Präsidentschaft erreicht wurde, schoss der Republikaner am Donnerstag (Ortszeit) mit von emotionalen Anekdoten untermalten Falschaussagen gegen seine Gegenkandidatin bei der US-Wahl.

„Wenn Kamala heute Abend ihre Parteitagsrede hält, wird sie die Opfer nicht erwähnen“, so Trump. Damit verwies er auf Menschen, die von illegal eingewanderten Migranten getötet worden seien. „Sie wird nicht einmal ihre Namen nennen.“ Zum wiederholten Mal vertrat Trump bei seiner Rede rassistische Stereotype und stellte Einwanderer pauschal als gefährliche Kriminelle dar.

Donald Trump sieht die Migrationspolitik unter Biden und Harris als gescheitert an.

Hetze gegen illegal eingewanderte Gewalttäter: Trump nutzt Anekdoten und Lügen für die US-Wahl 2024

„Jeden Tag gibt es eine neue Geschichte über unschuldige Amerikaner, die von illegalen Einwanderern gefoltert, vergewaltigt, ermordet und massakriert werden, die Kamala Harris in unserem Land freigelassen hat“, behauptete Trump im Bundesstaat Arizona. Es gibt jedoch keinerlei Erhebungen, dass migrantische Gruppen mehr Verbrechen begehen als Einheimische. Studien zeigen eher das Gegenteil. Zwar gibt es in einigen Regionen mit vielen Migranten erhöhte Kriminalität, doch liegt die Ursache darin laut Experten in komplexeren gesellschaftspolitischen Umständen.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Seine Falschaussagen untermalten bewegende Berichte über getötete Verwandte von Opferangehörigen, die während der Veranstaltung zu Wort kamen. Trump beschuldigte Harris, die USA „für Kriminelle aus aller Welt offen halten“ zu wollen, „damit sie herkommen und vergewaltigen und plündern können“. Es ist nicht das erste Mal, dass Trump Harris für die aus seiner Sicht gescheiterte Migrationspolitik unter US-Präsident Joe Biden verantwortlich macht. Biden hatte seiner Vizepräsidentin einst die Aufgabe der „Bekämpfung von Fluchtursachen“ übertragen. „Sie liebte den Titel, aber sie wollte die Arbeit nicht machen, weil sie faul ist“, sagte Trump bei seiner Veranstaltung zur US-Wahl 2024 am Donnerstag. 

Republikaner hetzt gegen Demokratin: Trump schießt während Harris-Rede auf Demokraten-Parteitag weiter

Während und nach der Rede von Harris auf dem Demokraten-Parteitag schoss Trump auf dem konservativen Onlinemedium Truth Social fleißig weiter gegen seine Gegenkandidatin. „Sie hat dreieinhalb Jahre lang nichts anderes getan als zu reden, und genau das tut sie heute Abend, sie beschwert sich über alles, aber tut nichts!“, schrieb der Republikaner unter anderem. Auch in den Beiträgen, die im Minutentakt hochgeladen wurden, ging es Trump vor allem um Migrationspolitik, aber auch um Sozial- und Außenpolitik.

Unter anderem dichtete er Biden und Harris an, 15 Millionen „unüberprüfte Illegale“ in die USA gelassen zu haben. Dabei schätzte der Vorsitzende des Ausschusses für Innere Sicherheit, Mark Green (Republikaner), die gesamte Zahl von Migranten, also insgesamt der legalen Grenzübertritte, laut dem Washington Examiner auf 10 Millionen.

Für die US-Wahl 2024 ist die Migrationspolitik eines der Hauptthemen. Die Reform von Biden zur Verschärfung der Asylregeln zeigte Wirkung, doch sind die Behörden vielerorts weiterhin überlastet. Der Weg bis zur US-Südgrenze ist für viele Menschen auf der Flucht gefährlich. Viele kommen aus südamerikanischen Staaten und flüchten vor politischen Krisen, Gewalt und Armut. Wassermangel und Hitzeschläge führen auf dem Weg zu hunderten jährlichen Toten. Gleichzeitig nutzen kriminelle Gruppierungen die oft prekäre Lage der Migranten aus. (lismah/dpa/AFP)

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