Ehemaliger Botschafter stinksauer

Trump-Vertrauter Grenell hält Deutschland für „schlimmer als Russland und den Iran”

  • Christoph Gschoßmann
    VonChristoph Gschoßmann
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Das deutsche Außenministerium spottet über Trump und sorgt für einen Eklat. Ein Vertrauter schießt zurück, und auch eine Politologin wundert sich.

Berlin – Ein Scherz, der zum Politikum wird: Ein X-Beitrag des deutschen Außenministeriums sorgt für Ärger in den USA. Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, prangert diesen an und sieht ihn gar als offensichtliche Wahlbeeinflussung, die „schlimmer als Russland und des Irans“ sei.

Was war passiert? Das Auswärtige Amt hatte auf Äußerungen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump im TV-Duell mit seiner Konkurrentin Kamala Harris reagiert. Trump wiederholte in der Debatte die Unterstellung seines Vizekandidaten J.D. Vance, illegal eingewanderte Migranten in Springfield im US-Bundesstaat Ohio äßen Katzen und Hunde.

Richard Grenell echauffierte sich über das deutsche Außenministerium.

Deutsches Außenministerium nimmt auf Trump-Falschaussagen Bezug

US-Medien zufolge sind den Behörden in Springfield derartige Fälle nicht bekannt. Das Ministerium von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) nahm darauf in einem Beitrag auf der Plattform X Bezug: „PS: Wir essen auch keine Katzen und Hunde.“

Im ersten Teil des Posts widersprach das deutsche Ministerium der Behauptung Trumps aus dem TV-Duell, Deutschland sei nach einem gescheiterten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen wieder dazu übergegangen, „normale Kraftwerke“ zu bauen. „Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Das deutsche Energiesystem ist voll funktionsfähig, mit mehr als 50 Prozent erneuerbarer Energien“, hieß es dazu in dem Post. „Und wir schließen Kohle- und Atomkraftwerke ab, statt welche zu bauen. Spätestens 2038 wird die Kohle vom Netz sein.“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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US-Politologin kritisiert deutsches Außenministerium: „Diplomatisches Fehlverhalten“

Grenell war der X-Beitrag offenbar ein Dorn im Auge. „Wir sehen dies eindeutig und werden entsprechend handeln“, schrieb er auf der Plattform X. Er wurde 2018 vom damaligen US-Präsidenten Trump als Botschafter nach Deutschland geschickt und hat sich damals im politischen Berlin kaum Freunde gemacht. Er wird als Kandidat für den Posten des US-Außenministers gehandelt, sollte Trump die Präsidentenwahl im November gewinnen.

Auch andere Beobachter kritisierten den Beitrag des deutschen Außenministeriums als nicht neutral genug. So schrieb die sonst zurückhaltende Georgetown-Politologin Emma Ashford: „Vielleicht bin ich altmodisch, aber es scheint mir diplomatisches Fehlverhalten zu sein, wenn sich das Außenministerium eines Landes in die (knappe) Wahl seines Sicherheitsgaranten einmischt.“

Außenministerium verteidigt X-Beitrag, Bundesregierung unterstützt

Das Baerbock-Ministerium verteidigte seine Worte: „Ziel ist es, im Ausland ein faktenbasiertes Deutschlandbild zu vermitteln. Dazu gehört auch, in den sozialen Medien diskutierte, inkorrekte Aussagen zu widerlegen.“

Auch die Bundesregierung hat Trumps Aussagen zurückgewiesen, wonach es in Deutschland Probleme mit dem Umstieg auf Erneuerbare Energien gebe. „Ich weiß nicht, was der Präsidentschaftskandidat damit meint“, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Trumps Aussagen „haben wir mit gehöriger Verwunderung wahrgenommen und halten sie auch nicht für wirklich nachvollziehbar“. Auch ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums äußerte, dass „viele Fakten“ gegen Trumps Aussage stehen. (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jasper Colt

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