Biden-Kandidatur

Biden im US-Wahlkampf unter Druck: Obama soll wohl ernste Bedenken haben

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Umfragen zeigen, der Rückhalt für Biden als Kandidat der Demokraten schwindet. Immer lauter werden die Rückzugs-Forderungen. Auch Obama soll besorgt sein.

Washington D.C. – Die Lager des US-Präsidenten Joe Biden und des Ex-Präsidenten Barack Obama sollen einander als „Familie“ beschrieben haben. Die Beziehung der beiden Demokraten soll freundschaftlich sein, war jedoch laut Forbes-Bericht immer wieder auch von Spannungen geprägt. Nun wurde bekannt: Nach dem TV-Duell gegen den ehemaligen Präsidenten und Kandidaten der Republikaner, Donald Trump, soll Obama Biden in einem Telefonat seine Unterstützung angeboten haben, berichtet die Washington Post unter Berufung auf Vertraute des 44. Präsidenten der USA.

„Präsident Biden ist dankbar für die unerschütterliche Unterstützung von Präsident Obama seit Beginn dieser Kampagne“, sagte Lauren Hitt, eine Sprecherin der Biden-Kampagne, in einer Erklärung. Laut Berichten von US-Medien soll jedoch auch Obama seine Zweifel an Bidens Verfassung geäußert haben.

US-Wahl 2024 steht im November an: Obama soll Sorge um Bidens Chancen auf Wiederwahl geäußert haben

„Obamas wachsende Skepsis hinsichtlich der Fähigkeit seines Freundes, die Wiederwahl zu gewinnen, ist eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse in Washington“, heißt es in einem CNN-Bericht. Bereits in den Tagen nach der TV-Debatte soll Obama gegenüber Vertrauten geäußert haben, dass es für Biden infolge des TV-Auftrittes nun schwieriger sein würde, Trump bei der US-Wahl im November zu schlagen.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama soll Sorge über die Kandidatur des Präsidenten Joe Biden geäußert haben (Archivbild)

Ex-Präsident nimmt Biden nach TV-Duell gegen Trump in Schutz: „Schlechte Debattenabende passieren“

Am Abend nach der TV-Debatte gegen Trump nahm Obama Biden in einem Statement auf der Plattform X in Schutz. „Schlechte Debattenabende passieren. Vertrauen Sie mir, ich weiß das“, schrieb Obama. „Aber diese Wahl ist immer noch eine Wahl zwischen jemandem, der sein ganzes Leben lang für die einfachen Leute gekämpft hat, und jemandem, der sich nur um sich selbst kümmert“, fügte er hinzu. Öffentlich äußerte sich Obama seither nicht über die Debatte um Bidens Kandidatur, die im Lager der Demokraten Unruhe ausgelöst hat.

Hollywood-Schauspieler fordert Bidens Rücktritt vor US-Wahl – Obama soll von Clooney gewusst haben

Einen Hinweis auf Obamas möglicherweise bröckelnden Rückhalt für Biden lieferte ein Politico-Bericht. Demnach soll der Schauspieler George Clooney Obama kontaktiert haben, bevor er in einem Gast-Beitrag für die New York Times Bidens Rückzug aus dem Wahlkampf forderte. Clooney ist Unterstützer und Großspender der Demokraten.

Auch US-Präsident Biden hatte der Schauspieler bislang unterstützt. Obama habe von Clooneys Vorhaben, sich öffentlich für den Rückzug Bidens auszusprechen, gewusst, ihn dennoch nicht davon abgehalten, heißt es. Der Schauspieler äußerte in dem Beitrag seine Sorge um Bidens körperlichen und geistigen Zustand.

Treffen zwischen Obama und Pelosi: Demokraten fordern Stellungnahme zu Biden-Kandidatur bei US-Wahl

Auch Obama soll bei einem Treffen mit der ehemaligen Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, seine Sorge um Joe Biden und seine Wiederwahl im Novemeber ausgedrückt haben, berichtete CNN.

„Sowohl der ehemalige Präsident als auch die ehemalige Sprecherin äußerten Bedenken darüber, wie viel schwieriger es ihrer Meinung nach für den Präsidenten geworden sei, Donald Trump zu schlagen. Keiner ist sich ganz sicher, was er tun soll“, heißt es in dem Bericht. Viele führende Demokraten sollen den Wunsch geäußert haben, dass Obama öffentlich Stellung bezieht.

Biden unter Druck: Umfrage zur US-Wahl 2024 zeigt schwindenden Rückhalt für den US-Präsidenten

Biden steht seit der TV-Debatte gegen Trump unter wachsendem Druck. Immer wieder fordern auch Vertreter aus dem Biden-Lager dessen Rückzug aus dem US-Wahlkampf. Biden hält bislang an seiner Kandidatur fest und betonte in einem Brief an die Demokraten im Kongress, er sei „fest entschlossen“ Donald Trump bei der US-Wahl zu schlagen.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Laut einer Umfrage der Washington Post und des Senders ABC fordern 56 Prozent der befragten Demokraten, dass Biden seine Kandidatur zurückziehen solle. Laut Umfrage sind zweidrittel der US-Bevölkerung für Bidens Rückzug. Obama bezog bislang keine öffentliche Stellung dazu, ob Biden seiner Meinung nach weiterhin als Kandidat der Demokraten antreten sollte. Ob Biden einem Rat des ehemaligen US-Präsidenten folgen würde, ist ebenso unklar. (pav)

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