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Nach Anschlag in Ankara: Türkei greift PKK-Stellungen im Nordirak an

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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    Franziska Schwarz
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Die verbotene kurdische Arbeiterpartei hat sich zu dem Anschlag in Ankara bekannt – die türkische Luftwaffe reagiert.

Update vom 2. Oktober, 6.30 Uhr: Die PKK hat sich zum Anschlag in Ankara bekannt – jetzt hat die türkische Luftwaffe Ziele der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei im Irak angegriffen. Im Konflikt zwischen der PKK und dem türkischen Staat sind bisher Tausende Menschen getötet worden. Er dauert seit Jahrzehnten.

Ankara geht in der Südosttürkei und im Nordirak regelmäßig mit Militäreinsätzen gegen die PKK vor. Diese wiederum verübt immer wieder Anschläge vor allem auf türkische Sicherheitskräfte. Es kommen aber auch Zivilisten dabei ums Leben. Die Türkei wirft der PKK vor, mit Terror die nationale Sicherheit und Einheit zu gefährden. Die PKK argumentiert, sie kämpfe unter anderem für die „Rechte der Kurden“ und gegen Unterdrückung.

Zahlreiche Politiker verurteilten indes den Anschlag in Ankara. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte auf der Plattform X, die Nato stehe im Kampf gegen den Terrorismus in Solidarität an der Seite der Türkei. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. „Unsere Solidarität gilt unseren türkischen Partnern“, schrieb der SPD-Politiker am Sonntagabend (1. Oktober) bei X auf Deutsch und Türkisch. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte den Anschlag in Ankara ein „letztes Zucken des Terrors“ genannt.

Der türkische Präsident Erdogan (Archivbild) will noch härter gegen die PKK vorgehen.

Nach Anschlag in Ankara - Türkei greift Ziele im Nordirak an

Update vom 1. Oktober, 22.22 Uhr: Wenige Stunden nach dem Bombenanschlag in Ankara hat das türkische Militär Luftangriffe im Nordirak geflogen. Dabei sei „eine große Zahl von Terroristen neutralisiert“ worden, teilte das Verteidigungsministerium am Sonntagabend mit. Die Angriffe hätten der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und anderen „terroristischen Elementen“ gegolten. Das Ministerium berief sich auf das Recht zur Selbstverteidigung. Die PKK hat ihr Hauptquartier in den nordirakischen Kandil-Bergen.

Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Armut, Haft, absolute Macht: Der Sohn eines Küstenschiffers wird in einer politischen Karriere vom eifrigen Koranschüler zum absoluten Machthaber in der Türkei. Recep Tayyip Erdogans Weg kann getrost unüblich genannt werden. Aufgewachsen in einem religiösen, doch armen Vorort von Istanbul macht er als talentierter Fußballer auf sich aufmerksam. Der religiöse Vater verbietet den Traum vom Fußball und schickt ihn auf eine Religionsschule, auf welcher er ein neues Talent entdeckt. Die freie Rede ist damals eines der wichtigsten Fächer und der junge Recep macht schon damals mit seinem Redetalent auf sich aufmerksam und konnte aufgrund des ISKI-Skandals als Außenseiter Bürgermeister Istanbuls werden.
Es folgte ein großer Wahlerfolg seiner Partei bei den Parlamentsgutswahlen 2002. Zwar durfte Erdogan aufgrund eines Gedichtes, für welches er zu einem Politikverbot und einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, nicht das Amt des Ministerpräsidenten nicht einnehmen. Dafür installierte er seinen Parteikollegen Abdullah Gül in dem Amt, welcher kurzerhand die Gesetze änderte, um das Vergehen, welches Erdogan ein Politikverbot einbrachte, umschrieb.
Nachdem Gül die Verfassungsänderung durchgebracht hatte, und eine Annullierung der Wahl in der Provinz Siirt stattfand, konnte er nachträglich als Abgeordneter ins Parlament einziehen. Somit war er erneut offiziell Politiker und in der Lage, Ämter innezuhaben. Er wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident und Gül übernahm den Posten des Außenministers. Hier auf diesem Foto wird Erdogan als Parlamentsabgeordneter vereidigt.
Erdogan wurde am 12. März 2003 Ministerpräsident, Abdullah Gül übernahm den Posten des Außenministers. Zunächst öffnete sich die Türkei dem Westen und schuf etwa die Todesstrafe ab. Außenpolitisch verfolgte Erdogan zudem anfangs eine Annäherung an die EU, sodass ein möglicher Beitritt im Raum stand. Auch verbesserte sich das Verhältnis der Türkei zu ihren östlichen Nachbarn deutlich.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten

Explosion in der Türkei – PKK bekennt sich zu Anschlag in Ankara

Update vom 1. Oktober, 18.50 Uhr: Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat sich zu dem Anschlag in der Nähe des türkischen Parlaments bekannt, bei dem am Sonntag zwei Polizisten leicht verletzt wurden. „Gegen das türkische Innenministerium wurde von einem Team, das unserer Brigade der Unsterblichen untersteht, eine Opferaktion verübt“, teilte die PKK der kurdischen Nachrichtenagentur ANF mit.

Türkische Polizisten und Sicherheitskräfte riegeln nach einer Explosion in Ankara ein Gebiet ab.

Update vom 1. Oktober, 14.36 Uhr: Nun ist bekannt geworden, dass es bei dem Anschlag in Ankara zwei Tote gab. Bei ihnen handelt es sich um die Angreifer. Einer von beiden habe sich vor dem Eingang des Innenministeriums in die Luft gesprengt, der andere sei durch einen Kopfschuss getötet worden, sagte Innenminister Ali Yerlikaya laut der Nachrichtenagentur dpa.

Recep Tayyip Erdogan hat den Anschlag unterdessen als „letztes Zucken des Terrors“ bezeichnet: Die „Schurken“ hätten ihre Ziele nicht erreicht und würden sie niemals erreichen, sagte der türkische Präsident im Parlament in Ankara der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

Minister zu Anschlag in Türkei: Polizei verhinderte zweite Explosion

Update vom 1. Oktober, 13.29 Uhr: Die türkische Polizei hat Regierungsangaben zufolge eine zweite Explosion nach dem Anschlag am Morgen verhindert. Einer der zwei Angreifer habe sich vor dem Ministerium in die Luft gesprengt, der andere sei daran gehindert worden, sagte Innenminister Ali Yerlikaya.

Der Hintergrund des Anschlags in Ankara ist noch unklar. Er ereignet sich an einem symbolisch wichtigen Tag: Am frühen Nachmittag wollte das türkische Parlament die neue Legislaturperiode nach der Sommerpause eröffnen. Der Anschlag fand Berichten zufolge in unmittelbarer Nähe zum Parlamentsgebäude statt. Auf der Agenda – wenn auch ohne konkretes Datum – steht unter anderem die Abstimmung über den Nato-Beitritt Schwedens, den Erdogan weiterhin blockiert.

Anschlag in der Türkei: Zwei Polizisten in Behandlung

Update vom 1. Oktober, 11.52 Uhr: Zwei bei dem Anschlag in Ankara verletzte Polizisten befinden sich in medizinischer Behandlung. Beide seien nicht in Lebensgefahr, berichtete der türkische Innenminister Ali Yerlikaya jetzt auf X (vormals Twitter).

Explosion in der Türkei: Ministerium spricht von Bombenanschlag – Video kursiert

Update vom 1. Oktober, 11.12 Uhr: In sozialen Medien kursiert ein unbestätigtes Video der Explosion in Ankara. Die Detonation verursachte meterhohe Rauchwolken, Passanten im Parlamentsviertel begannen zu rennen. Das Viertel wurde abgesperrt, zahlreiche Polizei- und Rettungsfahrzeuge waren im Einsatz. 

Explosion nahe Parlament in Ankara – wohl Nachrichtensperre verhängt

Update vom 1. Oktober, 10.22 Uhr: Nach dem Bombenanschlag in Ankara hat die türkische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingeleitet. Zudem sei eine Nachrichtensperre zu dem Thema verhängt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu jetzt.

Die deutsche Botschaft veröffentlichte auf Türkisch und Deutsch eine Reaktion via X: „Mit Entsetzen beobachten wir die Nachrichten von dem Terroranschlag heute Morgen im Herzen Ankaras“, hieß es darin. „Wir wünschen den Verletzten rasche Genesung. Bitte vermeiden Sie bis auf Weiteres das Stadtzentrum von Ankara.“

Explosion in der Türkei: Ministerium spricht von Bombenanschlag

Erstmeldung vom 1. Oktober: Ankara – Eine starke Explosion hat am Morgen die türkische Hauptstadt Ankara in der Nähe des Parlaments erschüttert. Innenminister Ali Yerlikaya schrieb auf der Plattform X von einem Bombenanschlag am Ministerium.

An dem Anschlag seien zwei „Terroristen“ beteiligt gewesen. Einer habe sich in die Luft gesprengt, der andere sei „neutralisiert“ worden. Bei einem Schusswechsel im Anschluss an die Explosion seien zwei Polizisten leicht verletzt worden.

Die Täter sich in einem leichten Militärfahrzeug dem Eingang der Sicherheitsdirektion des Ministeriums genähert und dort einen Sprengstoffanschlag verübt.

Explosion in Ankara nahe dem türkischen Parlament

Die Explosion ereignete sich im Parlamentsviertel der türkischen Hauptstadt, in dem sich auch zahlreiche Ministerien befinden. Im Parlament stand für Sonntag (1. Oktober) der Beginn der neuen Sitzungsperiode auf dem Programm; Staatschef Recep Tayyip Erdogan wollte eine Rede halten.

Wie eine AFP-Journalistin berichtete, waren zahlreiche Polizei- und Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Laut dem Sender NTV ereignete die Explosion auch nur wenige Hundert Meter entfernt von einem Eingang zum Parlament. Das tagt planmäßig am Sonntag erstmals seit der Sommerpause. (AFP/dpa/frs)

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