Proteste in der Türkei
Türkei-Proteste haben Folgen: Erdogans Rache trifft jetzt die Studierenden
VonErkan Pehlivanschließen
Auch zehntausende Studenten haben sich den Protesten in der Türkei angeschlossen. In den Morgenstunden gab es in ihren Wohnungen Razzien und Festnahmen.
Istanbul – Die Proteste in der Türkei gegen die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu halten seit einer Woche unvermindert an. Am Dienstag haben sich auch Studierende den Protesten gegen die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan angeschlossen. Nach Angaben der türkischen Zeitung Birgün sind zehntausende Studierende zur Stadtverwaltung von Şişli, einem Bezirk in Istanbul, marschiert. Dort ließ die Regierung den gewählten Bürgermeister absetzen und anschließend verhaften.
Die Rache aus Ankara ließ nicht lange auf sich warten. In Istanbul und Bursa hat die Polizei Studierende in ihren Wohnungen festgenommen. Wie die Zeitung Birgün weiter berichtet, wurden alleine 61 Personen in den Morgenstunden in Istanbul festgenommen, mindestens sieben seien Studenten. Die linke Jugendorganisation „Sol Genc“ meldet auf X, dass viele Studierende auch in Bursa festgenommen wurden, darunter drei ihrer Mitglieder.
Studierende lassen sich nicht einschüchtern
Die Studierenden wollen sich nicht einschüchtern lassen. Am Mittwoch haben Studierende an verschiedenen Universitäten protestiert. An der technische Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) hat sich auch ein Teil des Lehrpersonals den Studierendenprotesten auf ihren Campus-GElände anheschlossen. „Generalboykott, Generalstreik, Generalwiderstand“ war der Slogan der Demonstrationsteilnehmer
Bildungsminister Yusuf Tekin hatte am Dienstag die Demonstranten gewarnt. „Wir werden die notwendigen rechtlichen und administrativen Schritte gegen diejenigen einleiten, die an den Protesten teilgenommen haben“, sagte Tekin den an den Demonstrationen teilnehmenden Wissenschaftlern. Tekin wirft diesen Wissenschaftler vor, den Studierenden das Recht auf Bildung zu rauben. „Diejenigen, die versuchen, das Recht unserer Kinder auf Bildung zu rauben, werden mit Sanktionen rechnen müssen.“
Lehrpersonal von Unis schließen sich Türkei-Protesten an
Zu den in den Morgenstunden Verhafteten zählt auch Levent Dölek, Wissenschaftler an der Universität Istanbul, meldet die Bildungsgewerkschaft Egitim Sen. „Nach der Entscheidung unserer Gewerkschaft, aus Solidarität mit unseren Studierenden einen eintägigen Arbeitsniederlegungstermin zu begehen, wurde unser Betriebsratsvertreter der Universität Istanbul, Levent Dölek, bei einer Operation im Morgengrauen festgenommen. Gewerkschaftstätigkeit ist kein Verbrechen. Lassen Sie unseren Freund sofort frei!
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten




Imamoglu empört über Polizei-Gewalt an Studierenden
Über seine Anwälte hat sich auch der inhaftierte Imamoglu zu dem Thema auf X gemeldet. Einige der Studierenden sollen auch von Polizisten misshandelt worden sein. „Mit Bedauern habe ich mitbekommen, dass unsere wertvollen Kinder, die in Gewahrsam genommen wurden, von einer Gruppe von Menschen misshandelt, die ich nicht als Polizei bezeichnen werde. Ich kann sie nicht Polizisten nennen, weil meine ehrenwerten Polizisten den kleinen Kindern der Nation gegenüber keine solche Grausamkeit begehen würden“.
Çok üzülerek duyuyorum ki; gözaltına alınan pırlanta gibi genç evlatlarımıza adına polis diyemeyeceğim bir grup kendini bilmez kötü muamele yapıyormuş. Bunlara polis diyemem çünkü benim şerefli polisim milletin gencecik evlatlarına bu zulmü yapmaz.
— Ekrem İmamoğlu (@ekrem_imamoglu) March 26, 2025
Der CHP-Vorsitzende Özgür Özel hat nicht nur eine Fortsetzung der Proteste angekündigt, sondern auch eine Ausweitung. Diese hatte zuletzt eine Liste von Marken und Unternehmen regierungsnaher Oligarchen veröffentlicht, die boykottiert werden sollen. Am Mittwoch machte Özel klar, dass sogar der Tod ihn nicht von den Protesten abhalten könne. (erpe)
Rubriklistenbild: © dpa/Huseyin Aldemir

