Und das für Monate

Auf Straßen und der Schiene: Bundeswehr kündigt riesige Militär-Konvois durch Deutschland an

  • Patrick Mayer
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Zwischen Bayern, Sachsen und Ostsee: Während des Großmanövers „Steadfast Defender“ wird Deutschland zur „Drehscheibe“ für die Streitkräfte der Nato.

Grafenwöhr – Schützenpanzer Marder, Leopard-2-Kampfpanzer, Panzerhaubitzen 2000, M1 Abrams und M2 Bradleys der Amerikaner: Viele der schweren Waffen-Typen, die die Ukraine aus dem Westen bekam (siehe Fotostrecke unten), werden in den kommenden Wochen in großen Kolonnen durch Deutschland rollen.

Nato-Großmanöver „Steadfast Defender“: Riesige Militär-Konvois in Deutschland

Die Bundeswehr hat im Rahmen des Nato-Großmanövers „Steadfast Defender“ zur Abschreckung Russlands im Umfeld des Ukraine-Kriegs riesige Militär-Konvois durch die gesamte Bundesrepublik angekündigt, die ersten davon liefen Medienberichten zufolge bereits Ende Januar an.

„Deutschland ist durch seine geostrategische Lage Transitland, Aufmarschgebiet und Drehscheibe für nahezu alle multinationalen Truppenverlegungen“, heißt es in einer am 30. Januar veröffentlichten Mitteilung auf der Website der Bundeswehr: „Insbesondere wenn zehntausende deutsche und alliierte Soldatinnen und Soldaten sowie tausende Gefechtsfahrzeuge zeitgleich verlegen, ist der Abstimmungsbedarf enorm.“

Ein Transportpanzer Fuchs fährt über eine deutsche Autobahn. (Archivfoto)

Simulierter russischer Angriff auf Nato-Ostflanke: Deutschland wird „Drehscheibe“

An „Steadfast Defender“ werden ab Anfang Februar 90.000 Soldatinnen und Soldaten der transatlantischen Verteidigungsallianz teilnehmen – und zwar über mehrere Monate verteilt. „Das Szenario: Nach einem russischen Angriff an der Nato-Ostflanke wird der Bündnisfall nach Artikel 5 des Transatlantikvertrags ausgerufen. Sofort beginnen die Alarmierung und Verlegung der alliierten Kräfte nach und durch Europa“, heißt es von der Bundeswehr zur (mit Abstand) größten Übung des Bündnisses seit Ende des Kalten Krieges im Jahr 1991.

Trainiert wird unter anderem die Verteidigung der nordöstlichen Grenze Norwegens zu Russland als mögliche Schwachstelle der Nato. Im Fokus der gewaltigen Truppenverlegungen durch Deutschland steht aber das Baltikum. Die deutsch geführten Anteile des Manövers sind dabei unter der Teil-Übung „Quadriga 2024“ zusammengefasst.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Nato-Manöver: Bundeswehr verlegt 10. Panzerdivision nach Litauen

„Neben der schnellen Verlegung stehen multinationale Gefechtsübungen unter anderem in Polen und Litauen im Fokus. So wird für die Abschlussübung Grand Quadriga ab Mitte Mai 2024 die 10. Panzerdivision von verschiedenen Standorten in Deutschland per Schiff, Schiene und im Straßenmarsch nach Litauen verlegt, um dort gemeinsam mit den Bündnispartnern Verteidigung und Gegenangriff auf dem Bündnisgebiet zu üben“, schreibt die deutsche Bundeswehr, die für das Manöver 13.000 Soldatinnen und Soldaten stellt.

In Litauen leitet die Bundeswehr bereits seit 2017 vom Standort Rukla aus in enger Abstimmung mit der (überschaubar großen) litauischen Armee einen multinationalen Nato-Kampfverband mit bis zu 1600 Soldatinnen und Soldaten. Bis 2027 will Deutschland im Rahmen seiner Bündnisverpflichtungen eine Bundeswehr-Kampfbrigade mit 4800 Soldaten fest in dem kleinen baltischen Land mit seinen rund 2,8 Millionen Einwohnern stationieren.

„Steadfast Defender“ und „Quadriga 2024“: Militär-Kolonnen in Deutschland

Die 10. Panzerdivision ist zu großen Teilen in Bayern (Veitshöchheim, Cham und Weiden in der Oberpfalz), Sachsen (Frankenberg sowie Marienberg) und Thüringen (Bad Salzungen) beheimatet. Bereits Ende Januar rollten auffällig große Militär-Kolonnen durch Deutschland, als Teil der Vorbereitungen auf „Steadfast Defender“ und „Quadriga 2024“.

Am 25. Januar fuhren zum Beispiel 550 Bundeswehr-Soldaten des Artilleriebataillons 295 mit mehr als 100 Militärfahrzeugen vom bayerischen Grafenwöhr (Kreis Neustadt) aus diagonal durch Süddeutschland nach Stetten am kalten Markt (Kreis Sigmaringen) auf der Schwäbischen Alb, wo sich in Baden-Württemberg die Alb-Kaserne befindet. Am 2. und 3. Februar werden nun mehr als 100 Militär-Fahrzeuge der Deutsch-Französischen Brigade von Sachsen aus über Brandenburg nach Sachsen-Anhalt fahren. Abfahrtsort ist der Truppenübungsplatz Oberlausitz. (pm)

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