Laut Forschungsinstitut Sipri

Ukraine-Konflikt treibt Umsätze: 100 größte Rüstungskonzerne machen 600 Milliarden Euro

  • Momir Takac
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Sipri berichtet, dass die Hälfte aller Einnahmen auf US-Unternehmen zurückzuführen ist. Unter den Top 100 befinden sich auch vier deutsche Firmen.

Solna – Jedes Jahr nimmt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri die Bilanzen von Rüstungsunternehmen genau unter die Lupe. Für 2023 stellte es am Montag (2. Dezember) fest: Die 100 größten Rüstungskonzerne der Welt schraubten ihren Umsatz auf knapp 600 Milliarden Euro in die Höhe.

Rüstungsausgaben weltweit gestiegen – wegen Ukraine-Krieg

Wegen des Ukraine-Kriegs und des Konflikts in Israel und Gaza konnten die Firmen nach einem Rückgang im Jahr 2022 wieder deutlich mehr schwere Waffen verkaufen, was den Umsatz um 4,2 Prozent erhöhte. 2024 dürfte sich der deutliche Anstieg der Rüstungsverkäufe nach Einschätzung des Sipri-Experten Lorenzo Scarazzato weiter fortsetzen.

Mit dem Leopard-2-Panzer macht der Rüstungskonzern Rheinmetall gute Geschäfte.

Viele Rüstungskonzerne hätten ihre Produktion hochgefahren, um damit auf die wachsende Nachfrage zu reagieren, hieß es im Bericht. Die Einnahmen spiegelten noch immer nicht das vollständige Ausmaß der Nachfrage wider und viele der Unternehmen hätten Rekrutierungskampagnen gestartet - das deute darauf hin, dass sie zuversichtlich auf ihre künftigen Verkaufszahlen blickten.

Rheinmetall verdient an Ukraine-Krieg prächtig

Etwa die Hälfte der weltweiten Rüstungseinnahmen gingen auf das Konto von Konzernen mit Hauptsitz in den USA: Sie machten die ersten fünf Plätze und insgesamt 41 der Unternehmen in den Top 100 aus und kamen nach einem Zuwachs um 2,5 Prozent auf einen Gesamtwert von umgerechnet etwa 300 Milliarden Euro. Die beiden größten Rüstungskonzerne der Erde - Lockheed Martin und RTX (ehemals Raytheon Technologies) - verzeichneten jedoch leichte Rückgänge.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die vier deutschen gelisteten Konzerne legten zusammen um 7,5 Prozent auf insgesamt 10,1 Milliarden Euro zu. Rheinmetall (Platz 26), größter Rüstungskonzern Deutschlands, steigerte dank erhöhter Produktion von 155-mm-Munition sowie Leopard-2-Panzer-Lieferungen den Umsatz um zehn Prozent auf 5,23 Milliarden Euro.

Rüstungskonzerne in Russland und der Ukraine fahren Kapazitäten rauf

Auch für Diehl (Rang 83) ging es dank eines gesteigerten Absatzes von bodengestützten Luftabwehrsystemen und Munition um 30 Prozent kräftig bergauf. ThyssenKrupp (66) verzeichnete dagegen den Angaben zufolge ein Minus von 5,7 Prozent, Hensoldt (73) ein kleines Plus von 2,2 Prozent.

Besonders hohe Sprünge beobachteten die Friedensforscher bei Rüstungskonzernen aus Russland und im Nahen Osten. Die staatliche russische Holding Rostec, die zahlreiche Rüstungskonzerne des Landes kontrolliert, kletterte mit einem Anstieg um 49 Prozent auf 20,64 Milliarden Euro um zwei Plätze auf Rang 7. Ihre Rüstungseinnahmen entsprachen etwa dem Zehnfachen des einzigen ukrainischen Unternehmens auf der Liste, JSC Ukrainian Defense Industry, das nach einem Zuwachs um 69 Prozent auf 2,09 Milliarden Euro kam. Rostec dürfte auch 2025 gut verdienen. Im russischen Jahresetat ist eine Erhöhung der Militärausgaben um 25 Prozent vorgesehen. (mt/mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sven Eckelkamp

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