Kreml schweigt, Propagandisten toben

Ukraine zerstört russische Kriegsschiffe: Experten prophezeien „schwerwiegende Folgen“ für Ukraine-Krieg

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Der Ukraine gelang ein Schlag gegen Russlands Flotte auf der Krim. Russische Propagandisten reagierten heftig – laut Experten nicht ohne Grund.

Sewastopol – Explosionen und Feuer an einer russischen Werft: Der Ukraine ist offenbar am Mittwoch (13. September) eine erfolgreiche Attacke gegen Russland auf der seit 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim gelungen. Der Drohnenangriff in der Hafenstadt Sewastopol traf die russische Schwarzmeerflotte offenbar bitter. Ein russisches Landungsschiff und ein nuklearwaffenfähiges U-Boot sind wohl demoliert, dazu die Hafeninfrastruktur beschädigt.

Rauch über Sewastopol: Die Ukraine traf offenbar eine russische Werft mit Drohnen.

Schlag der Ukraine gegen Russlands Flotte: Experten sehen schwere Folgen

Laut dem US-amerikanischen „Institute for the Study of War“ (ISW), das täglich Analysen zum Ukraine-Krieg veröffentlicht, wird der Schlag gegen die Schwarzmeerflotte wohl „schwerwiegende Auswirkungen“ auf das russische Militär haben, die noch länger andauern könnten. „Die offensichtliche Zerstörung der beiden Schiffe wird das Trockendock wahrscheinlich funktionsunfähig machen, bis die russischen Streitkräfte die Trümmer beseitigen können“, schreiben die britischen Militärexperten. Dies werde viel Zeit in Anspruch nehmen.

Zudem sei unklar, in welchem Ausmaß die Reparaturanlagen außerhalb des Trockendocks beschädigt seien. „Jeder Schaden an einer der Hauptreparaturanlagen der russischen Schwarzmeerflotte auf der besetzten Krim“ habe für Russland schwerwiegende Folgen, schreiben die Fachleute – vor allem, wenn die Ukraine noch weitere russische Marineanlagen ruiniere.

Auch Andriy Ryzhenko, Strategieexperte bei der Verteidigungs- und Logistikberatungsfirma Sonata, erklärte, der Angriff sei „ein wirklich beeindruckender Schlag – der größte seit Beginn des Ukraine-Krieges“. Dies berichtet das US-Blatt Newsweek und zitiert ihn mit den Worten: „Das ist wirklich demoralisierend für das russische Militär und reduziert das Kampfpotenzial.“

Kreml schweigt zu Angriff auf Sewastopol, Propagandisten reagieren wütend

Der Kreml vermeide bisher weitgehend die Kommunikation über den ukrainischen Schlag, schreibt das ISW – auch wenn ein Kommentar des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu in einem Interview jetzt tief blicken ließ. Einige russische Ultranationalisten hätte jedoch sehr aufgebracht auf die Attacke in Sewastopol reagiert.

Am heftigsten sei wohl die Reaktion des prominenten russischen Putin-Propagandisten und TV-Moderators Wladimir Solowjow ausgefallen, heißt es. Er forderte Vergeltungsschläge gegen den Westen, da er die Ukraine mit den Waffen unterstützte, die jetzt angeblich für die Attacke genutzt worden seien.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

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Dies ist laut Einschätzung des ISW jedoch reine „Rhetorik“ gegenüber dem russischen Publikum und spiegle nicht die tatsächliche Haltung des Kreml wider. Dasselbe dürfte für die Forderung eines Kreml-Hardliners gelten, man solle Großbritannien mit Raketen angreifen, um sich für angebliche Sabotageversuche an russischen Atomkraftwerken zu rächen. (smu)

Rubriklistenbild: © Sergei Malgavko/Imago

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