Wegen ausbleibender Waffenhilfe

Russlands Killer-Drohne nachgebaut: Ukraine schlägt Putin mit eigenen Waffen

Muss Verluste an der Ukraine-Front durch einen Nachbau der Lancet-Drohne hinnehmen: Russlands Präsident Wladimir Putin.
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Muss Verluste an der Ukraine-Front durch einen Nachbau der Lancet-Drohne hinnehmen: Russlands Präsident Wladimir Putin.
  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Die Lancet-Drohnen gelten als Putins wirksamste Waffe im Ukraine-Krieg. Jetzt hat die Ukraine sie offenbar nachgebaut – und damit auf ausbleibende West-Hilfe reagiert.

Kiew – Sie wiegen nur drei bis fünf Kilo, können stundenlang in der Luft ausharren und dann ihre tödliche Ladung im Ukraine-Krieg abwerfen: die Lancet-Kamikaze-Drohnen. Die Waffe soll Russlands Armee im Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits viele Vorteile an der Front verschafft haben. Doch nun müssen die Truppen von Wladimir Putin selber verstärkt in Deckung gehen. Denn die Ukraine verfügt jetzt auch über diese vermeintliche Wunderwaffe.

Drohnen im Ukraine-Krieg: Armee setzt Nachbau von Putins Wunderwaffe an der Front ein

So hat die ukrainische Armee die Technik der Killer-Drohne offenbar entschlüsselt – und die Waffe für den Einsatz an der Front kurzerhand kopiert und nachgebaut. Wie die Bild berichtet, veröffentlichte der ukrainische Geheimdienst SBU mehrere Bilder und Videos von ukrainischen Drohnenangriffen auf russische Flugabwehrsysteme. Die dort zu sehenden Drohnen sollen dabei auffällig in Form und Bauart den russischen Lancet-Systemen ähneln. Dem Bericht zufolge soll das Flugobjekt auf den Spitznamen „Ukro-Lancet“ getauft worden sein. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Das Vorbild ist die russische Lancet-Kamikaze-Drohne. Das unbemannte Flugobjekt dient zur Bekämpfung von Bodenzielen. Entwickelt worden ist die Drohne im Jahr 2020 vom russischen Hersteller Zala Aero. Bei der Drohne handelt es sich um eine sogenannte Loitering Weapon („Lauernde Waffe“). Das Besondere daran ist, dass sie ohne bestimmtes Ziel gestartet werden und anschließend längere Zeit über einem Gebiet kreisen. Erst wenn ein Ziel in Sicht kommt, wird der Angriff eingeleitet, je nach Waffentyp entweder durch einen Steuermann am Boden oder durch die interne Sensorik der Waffe. Dabei handelt es sich teilweise auch um West-Technik. So fand das ukrainische Militär kürzlich in einem abgeschossenen Flugobjekt auch westliche Bauteile, wie der Stern berichtete.

Trotz Verlusten: Russlands Armee verdankt der Lancet-Drohne an der Ukraine-Front viele Erfolge

Zwar können einige West-Panzer wie der US-amerikanische Abrams den Angriffen der Lancet-Drohnen standhalten. Dennoch verzeichnete Russlands Armee mit der Technik an der Ukraine-Front auch schon sehr viele Erfolge. Immer wieder gelang die Zerstörung von Fahrzeug- und Panzerkolonnen aus der Luft. Da die Drohnen zu klein sind für die Luftabwehr, lassen sie sich im Vorfeld schlecht für die Verteidiger ausschalten, sodass es jeweils auf der anderen Seite zu herben Verlusten kommt.

Nach einem vom Guardian veröffentlichten Bericht des Internationalen Instituts für Strategische Studien kommt der russischen Luftwaffe aktuell eine Schlüsselrolle für die Entwicklung an der Ukraine-Front zu. Angesichts der schwachen ukrainischen Flugabwehr seien die Angriffe aus der Luft zuletzt ausgeweitet worden. Dies sei mitentscheidend dafür, dass die russischen Truppen an einigen Frontabschnitten in der Ukraine wichtige Erfolge erzielen konnten, etwa in der Region bei Charkiw oder bei der Einnahme der Stadt Awdijiwka.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Angst vor russischen Durchbruch: Ukraine befestigt den Frontverlauf

Inwieweit es in den kommenden Wochen zu einem großen Durchbruch kommt, bleibt abzuwarten. Die Verteidiger stemmen sich gerade verzweifelt gegen die russische Übermacht und bauen entlang des Frontverlaufs riesige Verteidigungsanlagen auf. Das Hauptproblem sind ausbleibende Waffenhilfen aus dem Westen. Neben Kampfjets und Langstreckenraketensystemen mangelt es aktuell vor allem an Munition. Dennoch ist es gut möglich, dass sich die ukrainische Armee mit dem Nachbau der Lancet-Drohne zumindest an einigen Abschnitten etwas Luft verschaffen kann. (jkf)

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