Gerüchteküche läuft an

Ukraine-Krieg: Militär-Blogger heizen Gerüchte zu F-16-Kampfjets an

  • Patrick Mayer
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Die F-16-Kampfjets sind unter den gestreuten Berichten und Gerüchten zum Ukraine-Krieg in sozialen Medien wie X omnipräsent.

Kiew – Die Social-Media-Postings zum Ukraine-Krieg sind voll damit: Vermeintliche Berichte und mutmaßliche Gerüchte zum Einsatz der F-16-Kampfjets auf Seiten der Ukrainer gegen die russische Invasionsarmee.

F-16-Kampfjets der Ukraine: Berichte und Gerüchte in sozialen Medien

Wie die britischen Medien The Times und The Telegraph berichteten, hat Kiew kürzlich die ersten sechs der gewarteten Kampfflugzeuge aus den 1980er-Jahren aus den Niederlanden erhalten. Insgesamt wollen Den Haag, aber auch Belgien, Dänemark und Norwegen gemeinsam fast 100 F-16-Kampfjets aus einstigen Nato-Beständen an die ukrainischen Luftstreitkräfte übergeben.

Die Flugzeuge sollen dabei helfen, den eigenen Luftraum effektiver gegen die russischen Luftangriffe zu verteidigen und somit die Aggression Moskaus zumindest an dieser Stelle eindämmen. Weil entsprechend viel Brisanz in dem Thema steckt, fühlen sich indes Militär-Blogger beider Seiten bemüßigt, in den sozialen Netzwerken angebliche Nachrichten dazu zu verbreiten.

Die Ukraine bekam Ende Juli und Anfang August mehrere F-16-Kampfjets aus den Niederlanden.

F-16 im Ukraine-Krieg: Ukrainische und russische Blogger verbreiten Gerüchte

Berichte, die wohl größtenteils mit Vorsicht zu bewerten sind. Ein Beispiel: Der oft zitierte ukrainische Blogger Igor Sushko (mehr als 325.000 Follower) behauptete, dass ukrainische F-16 im Verdacht stünden, am 6. August an einer temporären ukrainischen Offensive in der russischen Region Kursk beteiligt gewesen zu sein. Berichten zufolge seien dabei angeblich mehrere russische Kampfhubschrauber vom Typ Ka-52 „Alligator“ abgeschossen worden, schrieb Sushko in einem Posting von diesem Mittwoch (7. August).

Auch russische Blogger posteten eifrig zu den F-16. So wird derzeit zum Beispiel ein Video geteilt, das zweifelsohne den Absturz eines Kampfflugzeuges in niedriger Höhe samt anschließender (gewaltiger) Explosion abbildet. Von wo und wann die Aufnahmen stammen, wird jedoch nicht präzisiert. Ebenso ist bei Weitem nicht einwandfrei zu erkennen, ob es sich um eine F-16 Fighting Falcon handelt, die zu Boden geht, wie aus Russland behauptet.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

F-16-Lieferungen an die Ukraine: Berichte über angebliche Kampfeinsätze

Die Information lässt sich letztlich nicht unabhängig überprüfen, wie so oft nicht im Ukraine-Krieg. Noch ein Beispiel für die F-16-Gerüchte: Am 3. August wurde der Militär-Flugplatz Morosowsk in der russischen Oblast Rostow angegriffen. Der ehemalige stellvertretende ukrainische Innenminister und heutige Militär-Blogger Anton Heraschtschenko hatte bei X mutmaßliche Satellitenaufnahmen von dem Flugfeld geteilt, die dokumentieren sollen, dass bei dem Luftangriff mindestens ein russischer Jagdbomber Suchoi Su-34 zerstört wurde.

Wie Blogger nun, wenige Tage später, behaupten, sollen auch an dieser Attacke rund 265 Kilometer hinter der Frontlinie angeblich die neuen, alten F-16 Kiews beteiligt gewesen sein. Ein Video einer riesigen Detonation wird ferner dazu geteilt und soll als Beleg für diese These dienen. Dabei hatten die Ukrainer in den vergangenen Monaten die wuchtigen Marschflugkörper Storm Shadow und Scalp-EG mit einer entsprechenden Reichweite und Schlagkraft stattdessen bereits mehrmals von ihren (wenigen) Frontbombern Suchoi Su-24 oder ihren (wenigen) Kampfjets MiG-29 aus abgefeuert. Eine Beteiligung der nun gelieferten F-16 gilt in diesem Fall somit als unwahrscheinlich.

F-16-Kampfjets sollen ukrainische Städte vor Luftangriffen Russlands schützen

Und wie sieht die Realität aus? Etliche internationale Medien und Experten hatten in den vergangenen Tagen hinreichend berichtet und erklärt, dass die vorerst überschaubare Anzahl an F-16 die Aufgabe erfüllen solle, russische Kampfflugzeuge wie die Su-34 daran zu hindern, Gleitbomben auf ukrainische Städte und kritische zivile Infrastruktur abzuwerfen – wie im Ukraine-Krieg reihenweise geschehen. Und zwar, indem Moskaus Piloten abgeschreckt werden und erst gar nicht dazu kommen, ihre schweren sowie hochgradig gefährlichen Bomben in ausreichend Entfernung zu entkoppeln.

Verteidigungsexperte Nico Lange vom Center for European Policy Analysis (CEPA) erklärte kürzlich in der Sendung „ZDFheute live“ passend dazu: „Es gibt zwei Rollen, für die die F-16 jetzt in Frage kommt: Die eine ist die Unterstützung der Luftverteidigung – also Marschflugkörper, Drohnen und andere Dinge im ukrainischen Luftraum abzuschießen. Die zweite Rolle ist, russische Kampfflugzeuge zu bedrohen, die die Gleitbomben abwerfen. Die Gleitbomben, von denen im Moment am Tag 100 abgeworfen werden, sind auch die größte Bedrohung für die Truppen an der Front.“ Ferner wiesen verschiedene Militär-Experten darauf hin, dass die F-16 vorerst die Nähe zu den Frontgebieten im Osten und im Süden des geschundenen Landes meiden sollen, um nicht in die Reichweite der russischen Flugabwehr, etwa der S-350 Witjas, zu geraten. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Kyodo News

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