Polens Regierung zu Besuch

Russland wird „bei der Ukraine nicht aufhören“: Biden warnt Polen vor Putin

  • VonSimon Schröder
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Präsident Duda und Regierungschef Tusk sind bei Joe Biden zu Gast. Der US-Präsident betont, dass Handlungsbedarf bestehe.

Washington D.C. – US-Präsident Joe Biden hat bei einem Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda und Regierungschef Donald Tusk davor gewarnt, dass Russland „bei der Ukraine nicht aufhören“ wird. „Wie Polen sich erinnern kann, wird Russland bei der Ukraine nicht aufhören“, sagte Biden in Washington, D.C. Der russische Präsident Wladimir Putin werde „weitermachen und Europa, die Vereinigten Staaten und die gesamte freie Welt in Gefahr bringen“.

Duda und Tusk treten geeint in Washington auf, um Putin gemeinsam die Stirn zu bieten

Präsident Biden (Mitte) im Oval Office bei einem Treffen mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk (r.) und dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda.

Um die Ukraine zu unterstützen, legen die zwei Rivalen ihre innenpolitischen Differenzen beiseite. Bevor die beiden in die USA aufbrachen, äußerte sich Duda zu dem geplanten Treffen: „Die gesamte politische Szene Polens, ich wage es zu sagen, kommt zusammen, um zu zeigen, dass wir in Fragen der Sicherheit unseres Landes geeint sind.“ Tusk fügte dem hinzu: „Politisch bin ich mit Präsident Andrzej Duda in fast allen Fragen uneins, aber bei der Sicherheit unserer Heimat müssen und werden wir gemeinsam handeln.“

Putin hatte seit Beginn der russischen Invasion, Warschau immer wieder gedroht. Im berüchtigten Interview mit Tucker Carlson behauptete der russische Präsident zuletzt, Polen trage eine Mitschuld an Hitlers Angriff, der den Zweiten Weltkrieg auslöste.

Biden deutlich: „Wir müssen handeln“ – Marschflugkörper und Mittelstreckenraketen für Polen

In Washington sah Biden die Situation ähnlich: „Wir müssen handeln, bevor es buchstäblich zu spät ist“, betonte der US-Präsident, als er Duda und Tusk empfing. Unmittelbar vor dem Treffen im Weißen Haus hatten die USA den Verkauf von Raketen im Wert von 3,5 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) an Polen bekannt gegeben. Das Außenministerium informierte den US-Kongress darüber, den Verkauf von Luft-Boden-Marschflugkörpern für 1,77 Milliarden und Luft-Luft-Mittelstreckenraketen für 1,69 Milliarden genehmigt zu haben.

Polen ist weiterhin großer Unterstützer Kiews im Ukraine-Krieg. Als europäische Speerspitze belieferte Polen die Ukraine bereits mit 320 sowjetischen Panzern und 14 MiG-29 Kampfjets. Nun will Polen das entleerte Waffenarsenal aufstocken und kauft vor allem amerikanische und südkoreanische Waffensysteme, um für den Ernstfall gegen Putin gewappnet zu sein, wie die Financial Times berichtet.

„Klare und mutige Antwort“ auf Putins Invasion: Duda für ein drei Prozent-Ziel der Nato

Polens Staatschef Duda hatte die Nato-Mitgliedsstaaten kurz vor seiner Abreise nach Washington aufgefordert, als Reaktion auf den russischen Krieg in der Ukraine ihre Verteidigungsausgaben auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen. Die Nato müsse eine „klare und mutige Antwort auf die russische Aggression“ geben.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Derzeit gilt für die Mitgliedsstaaten die Erfüllung einer Zwei-Prozent-Marke, welche die Nato-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Litauen im vergangenen Jahr als Untergrenze festgelegt hatten. Die USA und Polen liegen mit Verteidigungsausgaben von 3,5 beziehungsweise vier Prozent ihres BIP klar darüber. Das Treffen zwischen Biden, Duda und Tusk fand am 25. Jahrestags des polnischen Beitritts zur Nato statt. Am 12. März 1999 wurden zudem Tschechien und Ungarn in das westliche Militärbündnis aufgenommen. (afp/SiSchr)

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