Ukraine-Krieg

Putin in der Wagner-Krise: Wie wahrscheinlich ist ein Bürgerkrieg in Russland?

  • Linus Prien
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Russland hat mit sich selbst zu kämpfen. Genauer gesagt mit Söldnern, die eigentlich in der Ukraine kämpfen sollten. Kommt jetzt ein Bürgerkrieg auf Wladimir Putin zu?

Moskau - Seit einigen Tagen blickt die Welt gebannt auf Russland. Grund dafür: Der Chef der Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, hatte Russland den Kampf angesagt. Zuvor waren der Söldnertruppe zufolge russische Luftangriffe gegen Wagner-Stellungen durchgeführt worden. Diese kämpft im Ukraine-Krieg jedoch für die russische Seite.

Prigoschin verschwendete daraufhin keine Zeit und kündigte einen Marsch auf Moskau an. Der Oligarch stand ohnehin bereits seit Wochen im Konflikt mit der russischen Militärführung - allen voran mit dem Verteidigungsminister Sergei Schoigu. Der Marsch auf Moskau wurde wohl abgeblasen, nachdem Wladimir Putin bereits Unterstützung von mehreren Parteien, mitunter der Türkei, zugesagt bekommen hatte.

Der russische Präsident Wladimir Putin könnte sich in der Zukunft mit einem Bürgerkrieg konfrontiert sehen (Symbolbild).

Der Kreml gegen Wagner: Droht Russland jetzt ein Bürgerkrieg?

Befindet sich Russland jetzt also in einem Bürgerkrieg? Die Lage in Russland ist gegenwärtig äußerst unübersichtlich. Wie die Kyiv Post berichtet, hat der Wagner-Chef auf der einen Seite zum Angriff gegen russische Truppen geblasen. Auf der anderen Seite soll er sich weiter hinter Wladimir Putin stellen und gesagt haben, dass „die Autorität des Präsidenten, der Regierung, des Verteidigungsministeriums und anderen Behörden“ nicht infrage gestellt würden. Probleme scheint er ausschließlich mit dem Verteidigungsministerium und Schoigu zu haben.

Derweil reagierte Putin auf den Putschversuch der Wagner Gruppe und sprach von „Verrat gegenüber Russland“. Darüber hinaus hatte der russische Geheimdienst FSB an Wagner-Söldner appelliert, ihren Chef in Gewahrsam zu nehmen.

Der Kreml gegen Wagner: „Äußerst ernst zu nehmende Kräfte“ stehen hinter Prigoschin

Was Prigoschin jedoch noch nicht getan hat, ist seinen Worten Taten folgen lassen. Es hat keine Kampfhandlungen gegen die russische Armee gegeben und der Wagner-Chef berichtete selbst, dass sie im Land vorgedrungen waren, „ohne einen Tropfen Blut zu verschütten“. Dies spricht gegen einen aktiven Bürgerkrieg.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
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Man dürfe Jewgeni Prigoschin allerdings nicht unterschätzen, meint Igor Girkin, ein ehemaliger russischer Geheimdienstmitarbeiter: „Es gibt äußerst ernst zu nehmende Kräfte hinter Prigoschin. Meinen Informationen nach steht Sergei Kiriyenko direkt hinter ihm“, sagte Girkin gegenüber der Kyiv Post. Dabei handelt es sich um einen äußerst engen Vertrauten von Wladimir Putin. Nichtsdestotrotz könnten Prigoschins letzten Einlassungen das Fass zum Überlaufen gebracht haben. (lp)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kremlin Pool

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