Bau im Eiltempo
Neue Ukraine-Sorge? Belarus baut wohl Lager für 8.000 Wagner-Leute – 200 Kilometer von der Grenze
VonNadja Orthschließen
Nach dem Putschversuch soll nicht nur Wagner-Boss Prigoschin selbst, sondern auch seine Söldner in Belarus unterkommen. Es werden Lager errichtet.
Update vom 27. Juni, 12.10 Uhr: Nach Einschätzung von Analysten der US-Denkfabrik „Institute for the Study of War“ (ISW) stellt der Standort eines Stützpunktes der Wagner-Gruppe in der Region Mogilev keine unmittelbare Bedrohung für die Ukraine dar. Die Region liegt etwa 200 Kilometer von der internationalen Grenze von Belarus zur Ukraine entfernt. Die Einrichtung neuer Stützpunkte der Wagner-Gruppe in den Oblasten Gomel oder Brest an der Grenze zur Ukraine wäre weitaus alarmierender, so das ISW.
Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko könnte nach Einschätzung des ISW versuchen, Prigoschin und die Kämpfer der Wagner-Gruppe als Gegengewicht zu den langjährigen russischen Bemühungen um eine ständige Militärpräsenz in Belarus zu nutzen. Allerdings sei unklar, inwieweit Lukaschenko und Prigoschin kooperieren. Der persönliche Aufenthaltsort von Prigoschin bleibt weiter unklar. Unbestätigte Berichte deuten darauf hin, dass er sich im „Green City Hotel“ im Westen von Minsk aufhalten könnte.
Belarus baut wohl Lager für 8.000 Wagner-Leute
Erstmeldung: Minsk/Moskau – Nur einen Tag nach dem gescheiterten Putschversuch von Wagner-Chef Prigoschin und seiner Privatarmee in Russland überschlagen sich die Ereignisse vor Ort. Nachdem am Sonntag bereits verkündet wurde, dass Prigoschin nach einem Abkommen mit Putin einer russischen Anklage entkommt und dafür nach Belarus auswandert, sollen dort nun offenbar auch seine Wagner-Soldaten in neu errichteten Militärlagern unterkommen.
Nach Putschversuch in Russland: Belarus errichtet neue Militärlager für Wagner-Soldaten
Zunächst hatte das unabhängige russische Nachrichtenportal Verstka über die aktuellen Entwicklungen in Belarus berichtet. Arbeiter würden demnach versuchen, schnellstmöglich mehrere Lager für die Unterbringung der Wagner-Armee zu bauen. Das erste Camp befinde sich in Osipovichi in der östlichen Region Mogilev. Die zuständige Forstwirtschaft habe den Bau gegenüber der Zeitung bestätigt.
Es sei etwa 24.0000 Quadratmeter groß, biete Platz für 8.000 Kämpfer und befinde sich etwa 200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. „Es gibt eine Aufgabe (ein Lager zu bauen, Anm. d. Red.) bis morgen Mittag“, zitiert Verstka eine weitere anonyme Quelle am Montag, die der Führung in Mogilev nahestehe.
Zudem hätten mehrere Angehörige zumindest den geplanten Umzug der Wagner-Soldaten nach Belarus bestätigt. Eine Frau habe zum Beispiel gesagt, dass ihr Ehemann, der sich am Samstag (24. Juni) in Rostow aufhielt, sie über eine „höchstwahrscheinliche“ Abreise nach Weißrussland informiert, sich anschließend aber nicht mehr bei ihr gemeldet habe. Weitere Verwandten von Soldaten hätten Ähnliches beschrieben. Auch sie hätten derartige Nachrichten von den Wagner-Soldaten erhalten, wüssten es aber letztendlich nicht sicher.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Wagner-Soldaten ziehen nach Belarus um: Von Prigoschin fehlt weiterhin jede Spur
Unterdessen steht die Frage im Raum, ob sich der Anführer der Wagner-Truppe, Jewgeni Prigoschin, tatsächlich in Belarus befindet. Der Kreml gab die Entscheidung über seinen neuen Aufenthaltsort bekannt, nachdem der belarussische Machthaber Lukaschenko ein Abkommen zwischen Putin und Prigoschin in die Wege geleitet hatte. In dem Abkommen soll festgelegt worden sein, dass der Wagner-Boss Russland verlässt und in Belarus unterkommt. Doch bislang konnte niemand bestätigen, dass Prigoschin tatsächlich dort angekommen ist.
Am Montag fragte das russische Medienunternehmen Fontanka deshalb den Pressedienst von Lukaschenko, ob Prigoschin mittlerweile in Belarus angekommen sei. „Es gibt keine derartigen Informationen“, sei die Antwort darauf gewesen. Auch die beiden Flugzeuge des Wagner-Chefs sollen sich laut Angaben der belarussischen Überwachungsstelle noch immer in Moskau und St. Petersburg befinden. Sollte sich Prigoschin bereits in Belarus‘ Hauptstadt Minsk befinden, ist er die Reise zumindest nicht mit seinen privaten Maschinen angetreten. (nz)
Rubriklistenbild: © Sergey Pivovarov/IMAGO

