„Ultimatum“ im Ukraine-Krieg
Putin rüstet Atomwaffen-Arsenal auf und könnte bald Nato-Staaten drohen
VonAndreas Apetzschließen
Russland gerät im Ukraine-Krieg weiter unter Druck. Eine Propagandistin der russischen Medien warnt vor einem Gegenangriff des Kreml auf die Nato.
Moskau – Die Gegenoffensive der Ukraine schreitet voran und Russland gerät zunehmend unter Druck. Nach Berichten der Chefredakteurin des russischen Staatssenders Russia Today, Margarita Simonyan, soll Präsident Wladimir Putin den Nato-Mitgliedern für ihre Unterstützung im Ukraine-Krieg schon bald mit einem Atomangriff drohen. Die russische Journalistin spricht von einem „Ultimatum“.
Russische Propagandistin prophezeit „Ultimatum“
Der Ukraine-Krieg hat die russischen Beziehungen zu sämtlichen Ländern des Westens gebrochen. Mit Unterstützungspaketen und Waffenlieferungen haben Nato-Staaten Kiew im Angriffskrieg mit Moskau unterstützt. Genau dafür möchte Putin laut Simonyan nun einen möglichen Gegenangriff Russlands auf den Westen legitimieren. Angeblich seien die gelieferten Waffen der Nato bereits bei ukrainischen Angriffen auf russischem Territorium zum Einsatz gekommen. Dies würde „eine Beteiligung am Krieg darstellen“, zitiert das Nachrichtenportal Newsweek Simonyan, und somit einen russischen Vergeltungsschlag erlauben.
Schon bald werde die Nato mit einem „Ultimatum“ des russischen Präsidenten konfrontiert werden, so Simonyan: „Eines Morgens werden wir aufwachen und feststellen, dass Wladimir Putin in der Nacht zuvor ein Ultimatum gestellt hat“. Darin werde Putin Flugplätze und Häfen westlicher Staaten, die der Unterstützung der Ukraine dienten, zu „legitimen Kriegszielen“ erklären. Die Chefredakteurin von Russia Today erklärte, man sehe „keine andere Möglichkeit“, den Streit um die westliche Unterstützung zu beenden.
Russland drohte dem Westen bereits mehrfach
Erst vor kurzem hatte der britische Außenminister James Cleverly öffentlich erklärt, dass die Ukraine das Recht habe, ihre Kräfte auch über die eignen Grenzen hinaus einzusetzen, um Russlands Fähigkeiten zu untergraben. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew erklärte daraufhin, dass auch britische Beamte nun ein „legitimes militärisches Ziel“ für Russland seien.
Derartige Drohungen sind seit Beginn des Ukraine-Kriegs nichts Neues und sowohl die RT-Chefredakteurin als auch Medwedew sind in dieser Hinsicht keine Unbekannten. Simonyan und andere Vertreter des russischen Staatsfernsehens haben durch ihrer Drohungen gegen die Ukraine und den Westen in der Vergangenheit schon häufig für Schlagzeilen gesorgt. Im vergangenen April sprach die RT-Chefredakteurin von der „vollständigen Zerstörung“ der Ukraine und einem „Atomschlag“. Medwedew warnte zeitgleich vor einem dritten Weltkrieg. Bewahrheitet hatte sich bislang keine ihrer Drohungen.
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Experten schätzen aktuelle Situation als einen der „gefährlichsten Zeiträume der Menschheitsgeschichte“ ein
Die Äußerungen von Simonyan kommen zu einem Zeitpunkt im Ukraine-Krieg, an dem Russland bereits mehrfach hinter den eigenen Grenzen angegriffen wurde. Im vergangenen Monat meldeten die russischen Behörden, den Angriff auf Moskau durch unbemannte Luftfahrzeuge. Obwohl ukrainische Behörden den Vorfall bestreiten, gibt Russland seinem Nachbarland weiterhin die Schuld an der Attacke. Der Kreml ist seit Beginn der ukrainischen Gegenoffensive merklich unter Druck.
In einer Zeit, in der die weltweite Zahl der einsatzbereiten Nuklearsprengköpfe ständig zunimmt, sind solche Spannungssituationen ein hochsensibles Thema. Auch Russland rüstet sein nukleares Arsenal weiter auf. „Dieser verstärkte nukleare Wettbewerb hat das Risiko, dass Atomwaffen zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg im Zorn eingesetzt werden, dramatisch erhöht“, sagte Matt Korda, Sicherheitsexpertin am Stockholmer Friedensforschungsinstituts (Sipri). Der neue Jahresbericht des Instituts bezeichnete die derzeitige Lage als einen der „gefährlichsten Zeiträume der Menschheitsgeschichte.“(aa)
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