„Ultimatum“ im Ukraine-Krieg

Putin rüstet Atomwaffen-Arsenal auf und könnte bald Nato-Staaten drohen

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Russland gerät im Ukraine-Krieg weiter unter Druck. Eine Propagandistin der russischen Medien warnt vor einem Gegenangriff des Kreml auf die Nato.

Moskau – Die Gegenoffensive der Ukraine schreitet voran und Russland gerät zunehmend unter Druck. Nach Berichten der Chefredakteurin des russischen Staatssenders Russia Today, Margarita Simonyan, soll Präsident Wladimir Putin den Nato-Mitgliedern für ihre Unterstützung im Ukraine-Krieg schon bald mit einem Atomangriff drohen. Die russische Journalistin spricht von einem „Ultimatum“.

Russische Propagandistin prophezeit „Ultimatum“

Der Ukraine-Krieg hat die russischen Beziehungen zu sämtlichen Ländern des Westens gebrochen. Mit Unterstützungspaketen und Waffenlieferungen haben Nato-Staaten Kiew im Angriffskrieg mit Moskau unterstützt. Genau dafür möchte Putin laut Simonyan nun einen möglichen Gegenangriff Russlands auf den Westen legitimieren. Angeblich seien die gelieferten Waffen der Nato bereits bei ukrainischen Angriffen auf russischem Territorium zum Einsatz gekommen. Dies würde „eine Beteiligung am Krieg darstellen“, zitiert das Nachrichtenportal Newsweek Simonyan, und somit einen russischen Vergeltungsschlag erlauben.

Der russische Präsident Wladimir Putin während der Militärparade zum Tag des Sieges auf dem Roten Platz in Moskau. (Archivfoto)

Schon bald werde die Nato mit einem „Ultimatum“ des russischen Präsidenten konfrontiert werden, so Simonyan: „Eines Morgens werden wir aufwachen und feststellen, dass Wladimir Putin in der Nacht zuvor ein Ultimatum gestellt hat“. Darin werde Putin Flugplätze und Häfen westlicher Staaten, die der Unterstützung der Ukraine dienten, zu „legitimen Kriegszielen“ erklären. Die Chefredakteurin von Russia Today erklärte, man sehe „keine andere Möglichkeit“, den Streit um die westliche Unterstützung zu beenden.

Russland drohte dem Westen bereits mehrfach

Erst vor kurzem hatte der britische Außenminister James Cleverly öffentlich erklärt, dass die Ukraine das Recht habe, ihre Kräfte auch über die eignen Grenzen hinaus einzusetzen, um Russlands Fähigkeiten zu untergraben. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew erklärte daraufhin, dass auch britische Beamte nun ein „legitimes militärisches Ziel“ für Russland seien.

Derartige Drohungen sind seit Beginn des Ukraine-Kriegs nichts Neues und sowohl die RT-Chefredakteurin als auch Medwedew sind in dieser Hinsicht keine Unbekannten. Simonyan und andere Vertreter des russischen Staatsfernsehens haben durch ihrer Drohungen gegen die Ukraine und den Westen in der Vergangenheit schon häufig für Schlagzeilen gesorgt. Im vergangenen April sprach die RT-Chefredakteurin von der „vollständigen Zerstörung“ der Ukraine und einem „Atomschlag“. Medwedew warnte zeitgleich vor einem dritten Weltkrieg. Bewahrheitet hatte sich bislang keine ihrer Drohungen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Experten schätzen aktuelle Situation als einen der „gefährlichsten Zeiträume der Menschheitsgeschichte“ ein

Die Äußerungen von Simonyan kommen zu einem Zeitpunkt im Ukraine-Krieg, an dem Russland bereits mehrfach hinter den eigenen Grenzen angegriffen wurde. Im vergangenen Monat meldeten die russischen Behörden, den Angriff auf Moskau durch unbemannte Luftfahrzeuge. Obwohl ukrainische Behörden den Vorfall bestreiten, gibt Russland seinem Nachbarland weiterhin die Schuld an der Attacke. Der Kreml ist seit Beginn der ukrainischen Gegenoffensive merklich unter Druck.

In einer Zeit, in der die weltweite Zahl der einsatzbereiten Nuklearsprengköpfe ständig zunimmt, sind solche Spannungssituationen ein hochsensibles Thema. Auch Russland rüstet sein nukleares Arsenal weiter auf. „Dieser verstärkte nukleare Wettbewerb hat das Risiko, dass Atomwaffen zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg im Zorn eingesetzt werden, dramatisch erhöht“, sagte Matt Korda, Sicherheitsexpertin am Stockholmer Friedensforschungsinstituts (Sipri). Der neue Jahresbericht des Instituts bezeichnete die derzeitige Lage als einen der „gefährlichsten Zeiträume der Menschheitsgeschichte.“(aa)

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