Umerziehungslager

Neue Vorwürfe aus Kiew: Putin soll Kinder aus der Ukraine „kidnappen“

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Der Ukraine-Krieg trifft Kinder mit am härtesten. Russland zwingt einige von ihnen wohl in „Russifizierungs“-Camps. Der Europarat schlägt Alarm.

Kiew - Die Ukraine hat Russland in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, Kinder zu entführen. Am 27. April unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret. In diesem sind Zwangsmethoden festgeschrieben, die Ukrainerinnen und Ukrainer in den besetzten Gebieten dazu ermutigen sollen, russische Pässe anzunehmen, wie das Institute for the Study of War ISW berichtet.

Moskau setzt außerdem die Bemühungen fort, ukrainische Zivilisten in die russische Föderation abzuschieben. Hiervon seien in erster Linie Kinder betroffen, wie es vom ISW heißt. Das Institut geht davon aus, dass dieses Vorgehen eine potenzielle ethnische Säuberungskampagne darstellen könnte.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Entführung von Kindern: Russland soll großangelegte Deportation planen

In der Region Donezk sollen alle Schülerinnen und Schüler am Ende des Schuljahres unter einem Vorwand nach Russland deportiert werden. Das schrieb das nationale Widerstandszentrum der Ukraine am Freitag (28. April).

Dies geschieht, um Ukrainer nach Russland zu bringen und sie weiter zu assimilieren und die ukrainische Identität der Kinder zu zerstören. All dies ist ein Zeichen des Völkermords in Übereinstimmung mit den Normen des Völkerrechts.

Nationales Widerstandszentrum der Ukraine

19.384 Kinder wurden im April 2023 als „deportiert“ nach Russland eingestuft, wie es vom Europarat zuletzt hieß. In einem Papier das im Nachgang das im Anschluss zur Frühjahres-Plenartagung veröffentlicht wurde, heißt es auch, dass deportierte Kinder in „Lagern einem Prozess der „Russifizierung“ ausgesetzt werden.

Europarat schlägt Alarm: Russland begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Der Europarat kam zu dem Schluss, dass die Deportationen nach Russland „als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angesehen werden können. In der Deportation der ukrainischen Kinder sieht der Europarat auch Elemente des Völkermordes erfüllt.

Ukraine-Krieg: Russland deportiert Kinder und steckt sie in Umerziehungslager. (Archivbild)

Im Bericht des Europarates heißt es, dass die Beweise für die Völkermordabsichten durch Russland zunehmen. Gegen die russische Kinderrechtskommissarin Maria Lvova-Belova wurde bereits vor längerer Zeit ein Haftbefehl des internationalen Gerichtshofes erlassen. Sie spielt nach Auffassung des Europäischen Rates eine Schlüsselrolle bei der Entführung ukrainischer Kinder.

Von den bis zum 15. März 2023 entführten 19.384 ukrainischen Kindern sind nach Angaben des Nationales Informationsbüros der Ukraine bisher lediglich 361 wieder zurückgekehrt. Das geht aus dem Bericht des Europarates hervor.

Camps in Russland: Kinder sollen dort umerzogen werden

Im Jahr 2023 will Russland rund 41.000 Kinder in sogenannte Erholungscamps schicken. Dort sollen sie auf eine „glänzende Zukunft in Russland“ vorbereitet werden, wie Maria Lvova-Belova in dem Bericht des Europarates zitiert wird. „In kürzester Zeit wahre Patrioten des Vaterlandes zu fördern“: So formulieren es die Behörden der von Russland besetzten Gebiete in der Ukraine.

Die Beweise lassen keinen Zweifel an der Existenz einer bewussten staatlichen Politik der zwangsweisen Verlegung und Deportation von Zivilisten, einschließlich Kindern, die auf direkten Befehl von Präsident Wladimir Putin durchgeführt wurde.

Auszug aus dem Fazit des Europarates

Die Kinder sollen in den Camps auch an Waffen ausgebildet werden. Insgesamt soll Russland derzeit 43 solche Umerziehungslager betrieben, wie ein Bericht des Humanitarian Research Lab der Yale School of Public Health zeigt. Es sollen sich auch weitere Lager in Belarus befinden. (Lucas Maier)

Die Verbrechen von Butscha waren für Wolodymyr Selenskyj das bisher schlimmste Kriegserlebnis.

Rubriklistenbild: © Carol Guzy/dpa