Nach Verlusten im Ukraine-Krieg

F-16 Kampfjets bereiten Putins Luftwaffe jetzt schon Kopfschmerzen

  • Michael Kister
    VonMichael Kister
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Russland verliert ein wertvolles Aufklärungsflugzeug – womöglich, weil sich Putins Luftwaffe auf die F-16 Kampfjets vorbereitet und ins Risiko geht.

Moskau - Ein knappes Dutzend Beriev A-50 Frühwarnflugzeuge, NATO-Code Mainstay, besitzt Russland. Nun ist eines dieser mehrere hundert Millionen Dollar wertvollen Flugzeuge verloren gegangen. Frederik Mertens, ein Analyst des The Hague Centre for Strategic Studies, vermutete gegenüber Newsweek, der Verlust könnte mit den russischen Vorbereitungen auf die Ankunft von F-16 Kampfjets in der Ukraine zusammenhängen.

Russische Militärblogger behaupteten, die Maschine sei, ebenso wie eine fliegende Kommandozentrale vom Typ Il-22, Nato-Code Coot-B, am vergangenen Montag Opfer von „friendly fire“ geworden. Der Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, beanspruchte die Abschüsse hingegen für seine Luftwaffe. Er postete auf seinem Telegramkanal die Aufnahme eines Flugradars, die zeigt, wie ein Flugzeug über dem Asowschen Meer verschwindet, möglicherweise die Mainstay, und eines in Richtung russisches Festland abdreht, eventuell die Coot-B.

Eine neue russische Aufklärungstaktik zum Schutz vor ukrainischen F-16?

Eigentlich dienen die Mainstays der Koordination der eigenen Kampfflugzeuge. Sie geben Daten zur Position feindlicher Drohnen, Marschflugkörper und selbst anderweitig nicht zu ortender tieffliegender Jets weiter, die sie mit ihrem bis zu 650 Kilometer weit reichenden Radar gesammelt haben. Das Pendant der Nato sind die in Geilenkirchen stationierten AWACS-Flugeuge vom Typ Boeing E-3.

Ein F-16 Kampfjet der US-Airforce.

In den vergangenen Monaten scheint sich im Ukraine-Krieg bei der Einsatzweise der Mainstays allerdings etwas geändert zu haben. Bereits im November prognostizierte das britische Verteidigungsministerium, dass Russland beginnen würde, seine Frühwarnflugzeuge näher an die Front heranzurücken. Es habe diese Flugzeuge nämlich erstmals im Zusammenspiel mit seinem Langstrecken-Flugabwehrsystem S-400 Triumf, Nato-Code S-21 Growler, eingesetzt. Das Ziel sei dabei, ukrainische Kampfflieger über der gesamten Ukraine ausfindig zu machen und die Zieldaten an die S-400 weiterzugeben. Deren eigene bodengestützte Radarsysteme hätten eine geringere Reichweite.

Mögliche Verlegung ukrainischer Flugabwehrsysteme an die Front

Insbesondere würden die Streitkräfte von Wladimir Putin so handeln, so das britische Verteidigungsministerium im November, weil sie von der Vorstellung westlicher Kampfflugzeuge in ukrainischen Händen beunruhigt seien. Der Analyst Frederik Mertens vertrat jüngst dieselbe Ansicht gegenüber Newsweek. Es gebe klare Hinweise darauf, dass Moskau sowohl S-400 als auch neuere und weitreichendere S-500 Prometey Luftabwehrraketensysteme von Mainstays unterstützen ließ. Er halte das für eine bewusste russische Vorbereitung auf die bevorstehende Ankunft der F-16. Zum einen wolle man die ukrainische Luftwaffe so weit wie möglich zurückdrängen und zum anderen so stark wie möglich zermürben, bevor sie die neuen Kampfflugzeuge erhalte.

Es ist vorstellbar, dass die Ukraine reagierte, indem sie ihrerseits Luftabwehrsysteme, die bisher vor allem die großen Bevölkerungszentren vor russischen Drohnen- und Raketenangriffen schützten, an die Front zog. Justin Bronk vom Royal United Services Institute in London sagte dem Spiegel, falls die Ukraine die Mainstay abgeschossen habe, so sei dies am wahrscheinlichsten mit Patriot-Raketen geschehen, die nach vorne verlegt worden waren. Die hätten dann aber trotzdem am Rande ihrer effektiven Reichweite operiert.

Bodengestützte Flugabwehrraketen des Typs „Patriot“.

Wenn die F-16 kommen, könnten sie die Schwarzmeerflotte schwer treffen

Wann die F-16 in der Ukraine zum Einsatz kommen können, bleibt unklar. Die dänische Regierung hatte ursprünglich angekündigt, die ersten sechs von insgesamt 19 versprochenen F-16 um den Jahreswechsel in die Ukraine schicken zu wollen. Die Zeitung Berlingske berichtete im Januar allerdings, dass sich diese Lieferung um bis zu ein halbes Jahr verzögern werde.

Die Niederlande hatten mit 42 F-16 das umfangreichste Versprechen gegenüber der Ukraine getätigt. Der frühere niederländische Ministerpräsident Mark Rutte gab in diesem Zusammenhang Ende Dezember 2023 bekannt, dass seine Regierung eine erste Lieferung von 18 Maschinen in die Ukraine vorbereite, ohne einen genauen Zeitplan zu nennen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukrainische F-16 könnten in der Zukunft eine besondere Bedrohung für Putins Schwarzmeerflotte darstellen, so der Analyst Mertens gegenüber Newsweek. Wenn die Frühwarnkapazitäten der Russen, wie durch den Verlust der Mainstay in dieser Woche, weiter reduziert würden, so wären ihre Schiffe umso verwundbarer für überraschende Tieffliegerangriffe der neuen westlichen Kampfflugzeuge.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sra Karla Parra/U.S Air