Wladimir Putins Ziele

US-Experten warnen: Russland bereitet sich auf großangelegten Konflikt mit Nato vor

  • Bedrettin Bölükbasi
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Der Ukraine-Krieg könnte sich zu einem Konflikt zwischen Russland und der Nato entwickeln, warnen US-Experten. Moskau verstärke Grenztruppen.

Moskau – Wird sich Kreml-Chef Wladimir Putin mit der Ukraine zufriedengeben oder wird er seine Augen auch auf das Territorium weiterer Länder richten? Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist diese Frage nie verschwunden und ist immer wieder ein zentraler Bestandteil der Debatten um die Ukraine. Denn das Land ist gewissermaßen die letzte Verteidigungslinie, bevor Putin einen Angriff auf Nato-Länder wie Polen oder die baltischen Staaten beginnen könnte.

Kreml-Chef Wladimir Putin und sein Verteidigungsminister Sergei Schoigu. (Archivbild)

Experten der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) halten dies jedenfalls für möglich. In einem Bericht vom Freitag (19. April) hieß es, Moskau baue die russische Armee weiter aus, um sich für einen „zukünftigen großangelegten konventionellen Konflikt mit der Nato“ vorzubereiten.

Krieg mit der Nato? Russland formiert neuen Militärbezirk

Konkret geht es dabei um die Ausweitung des russischen Militärs um den Leningrad-Militärbezirk. Das gesamte russische Territorium ist in sogenannte Militärbezirke gegliedert. Für jeden Militärbezirk sind jeweils verschiedene Truppen der russischen Armee zuständig. Kreml-Chef Putin hatte die Neuformierung des Leningrad-Militärbezirks schon im Dezember des letzten Jahres angekündigt – als Antwort auf den Beitritt Finnlands zur Nato.

Und genau an der neuen Nato-Grenze zu Finnland ist der Leningrad-Militärbezirk auch angesetzt. Jetzt sind neue Details zum Militärbezirk aufgetaucht. Quellen aus dem russischen Verteidigungsministerium teilten der russischen Zeitung Izvestia mit, dass in der Stadt Karelia nahe der finnischen Grenze eine neue Raketenbrigade formiert worden sei. Ausgestattet sei sie mit ballistischen Iskandar-M-Raketen. Putin erwäge auch die Schaffung einer neuen Panzerdivision. Eine finale Entscheidung stehe noch aus.

Dem Zeitungsbericht zufolge wurden in die Region auch zusätzliche Kräfte der russischen Luftwaffe entsendet. Dazu gehören offenbar sowohl Kampfflugzeuge als auch Bomber sowie Einheiten der russischen Luftverteidigungskräfte.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Wenn der schlimmste Fall eintritt“: Russlands neuer Militärbezirk soll gegen Nato vorgehen

Zudem macht Russland kein Geheimnis draus, dass die Truppen des neuen Militärbezirks bei Bedarf gegen die Nato eingesetzt werden sollen. „Wenn der schlimmste Fall eintritt, dann wird sich die Raketenbrigade mit Nato-Truppen, die eine Bedrohung darstellen, befassen“, sagte etwa Admiral Wladimir Walujew, der ehemalige Chef der russischen Baltikum-Flotte, gegenüber Izvestia.

Besonders Länder an der Ostflanke der Nato sind davon überzeugt, dass Putin es auch auf Europa abgesehen hat. „Mehr Waffen und Munition liefern“, forderte etwa zuletzt der estnische Präsident Alar Karis mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine.

Russland-Konflikt mit Nato? „Wladimir Putin wird nicht aufhören“

Er warnte: „Wenn man jetzt nicht genug Ressourcen bereitstellt, wird es später noch teurer. Denn Wladimir Putin wird nicht aufhören. Das zeigt die Geschichte. Er wird weiter expandieren wollen, und dann wird es um andere Länder als die Ukraine gehen. Moldau, vielleicht sogar Deutschland.“ Daher müsse man „eine Abschreckung aufbauen, die alle Menschen in Europa schützt“.

Die Forderung von Karis dürfte schon bald erfüllt werden. Nach monatelanger Blockade hatte das US-Repräsentantenhaus am Samstag ein neues milliardenschweres Hilfspaket für die Ukraine gebilligt. Die Parlamentskammer verabschiedete einen entsprechenden Gesetzentwurf, der rund 61 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro) für Kiew enthält. Die nötige Zustimmung des Senats steht noch aus, gilt aber als sicher. (bb)

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