Ukraine-Krieg

„2023 war nur der Anfang“: Ukraine nimmt verstärkt die Krim ins Visier – Geheimdienstchef nennt Details

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Die Zeit für Friedensverhandlungen sei noch nicht gekommen, so Kyrylo Budanow. Der Geheimdienstchef will den Beginn des Ukraine-Kriegs genau vorausgesagt haben.

Kiew – Generalleutnant Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes (GUR), sagte der französischen Zeitung Le Monde in einem am Donnerstag (11. Januar) veröffentlichten Artikel, dass die Angriffe seines Landes auf die Krim im vergangenen Jahr nur der Auftakt zu weiteren Operationen gewesen seien. In den letzten Monaten hatte Kiew mehrere aufsehenerregende Angriffe auf russische Ziele auf der Krim verübt. Russlands Schwarzmeerflotte-Flotte war davon besonders betroffen.

Militärgeheimdienstchef der Ukraine: Bisherige Angriffe auf die Krim waren „erst der Anfang“

Budanow zufolge kann der russische Machthaber Waldimir Putin in diesem Jahr mit noch mehr Angriffen auf der Krim rechnen. „Im Jahr 2023 fanden die ersten ukrainischen Einfälle auf der vorübergehend besetzten Krim statt“, zitiert das US-Magazin Newsweek aus dem Artikel von Le Monde. „Und das ist erst der Anfang.“

Kyrylo Budanow, Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes (GUR) im Interview mit USA Today im Juni 2022.

Die Angriffe der Ukraine seien so wirkungsvoll, dass die Russen mittlerweile einen neuen Marinestützpunkt an der Schwarzmeerküste von Abchasien (Georgien) errichten würden, so Budanow. „Die Russen mussten alles in Eile nach Südosten verlegen“, sagte er.

Appell an den Westen für mehr Sanktionen – sonst „könnte es ziemlich lange dauern“

Der Geheimdienstchef appellierte an den Westen, die Ukraine weiterhin militärisch zu unterstützen, auch wenn die Menschen zunehmen müde von diesem Krieg seien. „Wer im Ausland glaubt, kriegsmüde zu sein, wird die Russen umwerben müssen, wenn sie kommen, um ihre eigenen Gebiete zu besetzen“, sagte er. Budanow fügte hinzu, dass sich Moskaus Wirtschaft trotz der Sanktionen als überraschend widerstandsfähig erwiesen habe. Die aktuellen Sanktionen des Westens reichten nicht aus, um den Kreml zu einer Verhaltensänderung zu zwingen.

„Die Wirtschaft mag schwach sein, aber das Land hungert nicht, im Gegenteil. Bei diesem Tempo könnte es sogar ziemlich lange dauern“, sagte er laut der ukrainischen Zeitung Kyiv Post. Die westlichen Sanktionen sollten auf die wichtigsten Wirtschaftssektoren Russlands und das gesamte Finanzsystem abzielen, merkte er an.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Ein gewisses russisches Paradoxon hat mich überrascht. Alle dachten, Moskau hätte eine starke Armee und eine schwache Wirtschaft. Es stellt sich heraus, dass das Gegenteil der Fall ist“, sagte Budanow.

Zeitpunkt für Friedensverhandlungen sei noch nicht gekommen

Er räumte ein, dass die Fronten des Krieges in der Ukraine weitgehend eingefroren seien und die Gegenoffensive nicht wie gehofft verlaufen ist. „Auf beiden Seiten hat der sehr intensive Einsatz von Angriffsdrohnen sowohl russische als auch ukrainische Offensiven unmöglich gemacht“, so Budanow. Ein weiterer Grund sei die „seit dem Zweiten Weltkrieg beispiellose Dichte an Minenfeldern“ gewesen.

Für Friedensverhandlungen sei der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen, so Budanow. „Verhandlungen beginnen, wenn eine oder beide Parteien ein Interesse daran haben“, sagte er. Im Ukraine-Krieg sei das bisher „nicht der Fall.“

Budanow, der seit 2020 den Militärgeheimdienst der Ukraine leitet, hat genau vorausgesagt, dass Russland die Ukraine am 24. Februar 2022 angreifen würde. Budanow erinnerte sich gegenüber Le Monde daran, wie er in den Stunden vor Beginn der Invasion auf die Uhr schaute und gespannt darauf wartete, ob seine Vorhersage wahr werden würde.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wiederholt erklärt, die Rückeroberung der Krim sei eines der angestrebten Kriegsziele seines Landes. Russland hatte die strategisch wichtige Halbinsel im Frühjahr 2014 überfallen und völkerrechtswidrig annektiert. Im Ukraine-Krieg geriet die Krim in der zweiten Jahreshälfte 2023 verstärkt in den Fokus der Kriegsbemühungen Kiews. Die dort stationierte russische Schwarzmeerflotte ist für Russland außerordentlich wichtig. Kleine, aber gezielte Schläge können daher große Wirkung erzielen.

In den vergangenen Monaten hat Putins Flotte empfindliche Verluste hinnehmen müssen, etwa die Zerstörung des Landungsschiffes Nowotscherkassk Ende Dezember. Der britische Verteidigungsminister Grant Shapps sprach daraufhin von einem Wendepunkt des Krieges, da mittlerweile 20 Prozent der russischen Schwarzmeerflotte zerstört seien. „Russlands Dominanz im Schwarzen Meer ist nun infrage gestellt und die neue von Großbritannien sowie Norwegen geführte ‚Maritime Capability Coalition‘ trägt dazu bei, dass die Ukraine auf See siegen wird“, schrieb er auf der Plattform X, ehemals Twitter.

„Die Krim spielt für das aktuelle imperiale Bewusstsein Russlands eine wichtige Rolle“, erklärte im Sommer 2023 der Osteuropa-Experte und Historiker Prof. Dr. Klaus Gestwa von der Universität Tübingen gegenüber IPPEN.MEDIA. „Fällt die Halbinsel an die Ukraine, dürfte es vermutlich um Putins Macht im Kreml geschehen sein“, so Gestwa. Die Krim ist für Moskau daher von entscheidender Bedeutung.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jessica Koscielniak

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