Rückgriff auf Altbestände

„Mystic-B“ vor Comeback im Ukraine-Krieg? Russland will offenbar Sowjet-Flugzeug reaktivieren

  • Stefan Krieger
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Russlands Luftwaffe könnte auf ein altbewährtes Mittel zurückgreifen. Das Ziel: Die Aufklärung im Krieg gegen die Ukraine verbessern.

Moskau – Die russischen Streitkräfte erwägen angeblich die Wiedereinführung eines Flugzeugs aus der Sowjet-Ära. Zuletzt waren Überwachungsmaßnahmen fehlgeschlagen, wie britische Geheimdienstquellen am Sonntag (19. November) berichteten. Die Informationen kamen vom britischen Verteidigungsministerium, das regelmäßig über den Stand im Ukraine-Krieg berichtet.

Uralt-Flugzeug soll Russland helfen

In einem Beitrag auf X (früher als Twitter bekannt), berichtete das Ministerium, dass „Russland wahrscheinlich die Wiedereinführung eines Höhenaufklärungsflugzeugs in Erwägung zieht“, das die Sowjetunion als Reaktion auf ähnlich konzipierte amerikanische Flugzeuge entwickelt hatte.

Das fragliche Flugzeug ist in Russland als Mjasischtschew M-55 bekannt. Die Nato bezeichnet es als „M-55 Mystic-B“.

Ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Mjasischtschew M-55. (Archivbild)

„Russland erwägt wahrscheinlich, das sowjetische Höhenaufklärungsflugzeug M-55 Mystic-B wieder in Betrieb zu nehmen“, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. „Mit einer Betriebshöhe von über 70.000 Fuß (ca. 21 km) wurde das Flugzeug in letzter Zeit als Forschungsplattform für die Geowissenschaften eingesetzt. Es wurde jedoch beobachtet, wie es eine militärische Aufklärungskapsel trug, die für den Einsatz in russischen Kampfflugzeugen entwickelt wurde.“

Ukraine-Krieg: Einsatz aus dem gesicherten Luftraum

Das Ministerium fügte hinzu, dass die russischen Streitkräfte die Wiedereinführung des Flugkörpers möglicherweise deshalb anstreben, weil es nach wie vor Probleme mit angemessenen Überwachungsmöglichkeiten gibt. Verbesserungen in Bereichen wie diesem könnten Russland zu Angriffen auf Ziele in der Ukraine dienen.

„Ein entscheidender Fehler in der russischen Strategie war das Versäumnis, eine angemessene Taktik zur Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung und Aufklärung aufzubauen“, erläuterte das britische Verteidigungsministerium. „Dies aber ist entscheidend für die rechtzeitige und genaue Verfolgung von Zielen durch Luft-, See- und Bodentruppen.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Das britische Ministerium sieht eine „realistische Möglichkeit“, dass die M-55 gegen die Ukraine eingesetzt wird, um Russlands Aufklärungsfähigkeiten im Krieg zu verbessern. Die große Flughöhe des Flugzeugs ermögliche es, „in beträchtlicher Entfernung zu operieren“. Das Ministerium fügte hinzu, dass „es fast sicher ist, dass das Flugzeug vom relativ beschützten russischen Luftraum aus Einsätze gegen die Ukraine durchführen wird“.

Am Samstag stellte das Ministerium in seinem Bericht fest, dass weder die russischen noch die ukrainischen Streitkräfte in den umkämpftesten Gebieten entscheidende Erfolge verbuchen konnten. Es sei unwahrscheinlich, dass sich im bevorstehenden Winter an dieser Dynamik viel ändern wird.

Keine der beiden Seiten habe wesentliche Fortschritte erzielt, schrieb das Ministerium auf X. „Russland erleidet weiterhin besonders schwere Verluste in der Gegend von Awdijiwka. Mit dem Einsetzen des kalten Winterwetters in der Ostukraine gibt es kaum unmittelbare Aussichten auf größere Veränderungen an der Frontlinie“, schrieben die Briten in ihrer Analyse. (skr)

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