Verstärkung für die Luftwaffe

„Keine magische Waffe“: Pilot redet F-16-Kampfjets für Ukraine klein – und erhält Gegenwind

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Die Ukraine kann mit der baldigen Lieferung von F-16 Kampfflugzeugen rechnen. Ob der Kampfjet die notwendigen Vorteile im Ukraine-Krieg bringen wird, ist jedoch umstritten.

Kiew – Dänemark und die Niederlande wollen noch vor dem Sommer F-16-Kampfjets an die Ukraine liefern. Damit erhält das Land die dringend notwendige Luftunterstützung in seinem Kampf gegen Russland. Doch in russischen Medien werden Zweifel daran verbreitet, dass die F-16 den gewünschten Erfolg bringen würden. Der ehemalige französische Linienpilot und selbsternannter Luftfahrtexperte, Cyril de Lattre, hatte gegenüber der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti von „erheblichen Mängeln“ bei den Kampfflugzeugen gesprochen.

Die Ukraine will die Vorwürfe mit einem eigenen Experten aus der Welt schaffen. Serhjiy Holubstov, ein hochrangiger Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe, kommt gegenüber der Kyiv Post zu einer optimistischeren Einschätzung. Ihm zufolge sei die F-16 ein Kampfflugzeug, welches „das gesamte Spektrum an Luftaufgaben erfüllen kann“.

„Russland kontrolliert den Luftraum“ – Kann die Ukraine F-16 überhaupt nutzen?

Ein großes Problem für die Ukraine sei, dass sie keine Möglichkeit habe, die Kampfjets überhaupt zu starten. Bevor die Flugzeuge ihre Zielhöhe erreichen können, würden sie von der russischen Luftabwehr erfasst und abgeschossen werden, so de Lattre. „Russland kontrolliert den Luftraum“, fügt er hinzu. Die einzige Möglichkeit, die F-16 starten zu lassen, sei die Stationierung in benachbarten Nato-Ländern. Doch da diese so zu einer direkten Kriegspartei werden würden, falle diese Option ebenfalls weg.

Russland zweifelt an der Fähigkeit westlicher F-16-Kampfflugzeuge. Die Ukraine hofft auf eine baldige Lieferung.

Dem widerspricht der ukrainische Kommandeur entschieden. Die Ukraine sei trotz einiger Verluste immer noch in der Lage, Flugzeuge in die Luft zu schicken. Russland habe seine zahlenmäßige Überlegenheit nicht ausnutzen können, denn sobald russische Kampfjets in den Luftraum der Ukraine eingedrungen seien, hätten Wladimir Putins Truppen Verluste erleiden müssen.

Doch Zweifel an der Effektivität der F-16-Lieferungen im Ukraine-Krieg kommen nicht nur aus Russland. Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte gegenüber der Bild, dass die Kampfjets kein Allheilmittel seien und keinen drastischen Unterschied im Kampf gegen Russland machen würden. Trotzdem würden sie die ukrainische Luftwaffe stärken.

F-16 nicht die „magische Waffe“ für die Ukraine?

Im Vergleich zu russischen Kampfflugzeugen wie der MiG-29 oder der SU-Reihe sei die F-16 zudem eher „fragil“, stellte de Lattre fest. Außerdem führten Wartungen und die Lieferung von Ersatzteilen zu weiteren Nachteilen für die Ukraine. „Jedenfalls ist die F-16 nicht die magische Waffe“, sagte der französische Ex-Pilot Ria Novosti.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Aber ist der Vorteil russischer Kampfflugzeuge gegenüber der F-16 wirklich so groß? Ganz im Gegenteil, behauptet ein namentlich nicht genannter, aktiver Kampfpilot der polnischen Luftwaffe gegenüber Newsweek. Er habe die MiG-29 als auch die F-16 geflogen und hat einen klaren Favoriten: „Ich könnte einfach den ganzen Tag über Vorteile von F-16 gegenüber MiG-29 reden“, so der Kampfpilot.

Die MiG-29 sei ein „Geist“ einer früheren Ära. Gerade technisch soll ein Kampfjet vom Typ F-16 klare Vorteile gegenüber dem russischen Modell bieten. Es sei möglich, mehrere Ziele gleichzeitig anzuvisieren und die Menge an Daten, die eine F-16 sammle, führe zu einem großen Vorteil im Krieg. „Es war eine große Freude, mit der MiG-29 zu fliegen“, sagte der Pilot im Interview mit Newsweek. „Aber ich würde diesen Jet nicht gerne im echten Kampf fliegen.“

F-16 für die Ukraine – Selenskyj gibt sich hoffnungsvoll

Die Niederlande und Dänemark wollen insgesamt 61 der in den USA gefertigten Kampfflugzeuge an die Ukraine liefern. Ein „historisches“ Ereignis, wie der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, im August 2023 auf X (ehemals Twitter) schrieb. „Diese Jets werden dazu genutzt, Russlands Terroristen von ukrainischen Städten und Dörfern fernzuhalten.“

Bis die ersten F-16 in der Ukraine eintreffen, könnte es aber noch etwas dauern. Denn um die Jets adäquat nutzen zu können, sei die Ausbildung von Piloten und des Bodenpersonals notwendig – zum Ärger der Ukraine. Denn die F-16 habe die Ukraine bereits 2023 dringend benötigt, sagte eine Quelle des ukrainischen Militärs gegenüber Politico. Dies sei außerdem ein weiteres Beispiel für die permanente Verzögerung westlicher Waffenlieferungen. „Oft bekommen wir die Waffensysteme nicht zu dem Zeitpunkt, zu dem wir sie brauchen, sondern erst dann, wenn sie nicht mehr relevant sind“, kritisierte die Quelle. (nhi)

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