„Am Limit“

Verluste für Russlands Wirtschaft: Putins Waffenfabriken fehlen immer mehr Arbeitskräfte 

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Der Fachkräftemangel in Russland hat Auswirkungen auf die Wirtschaft. Grund ist unter anderem der Ukraine-Krieg. Einige Branchen sind besonders betroffen.

Moskau – Wladimir Putin gehen offenbar die Arbeitskräfte aus. Das bekommt Russlands Wirtschaft immer mehr zu spüren. „Der russische Arbeitsmarkt und die gesamte Wirtschaft arbeiten am Limit, sie sind an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen und können einfach nicht mehr produzieren“, sagte Ruben Enikolopov, ein Wissenschaftler der Universität Pompeu Fabra, gegenüber der Financial Times. Kritisch wird es besonders für die Rüstungsindustrie.

Verluste für Russlands Wirtschaft: Putins Armee und Waffenfabriken am Limit

So beklagte Rostec, ein riesiges staatliches Dachunternehmen, das die wichtigsten Rüstungsproduzenten des Landes umfasst und fast 600.000 Menschen beschäftigt, einen erheblichen Fachkräftemangel. Rostec suche derzeit nach neuen Mitarbeitern. „Wir haben zu wenig Leute, wir müssen etwa 25.000 bis 30.000 einstellen“, sagte Rostec-Chef Sergej Tschemesow in einem Interview mit dem staatlichen Nachrichtensender Russia 24. „Das Hauptproblem ist die Waffenproduktion“, bestätigte auch ein der Leiter eines großen russischen Bergbauunternehmens gegenüber financial times.

Präsident von Russland, Wladimir Putin, muss offenbar mit Fachkräftemangel kämpfen.

Folgen für Russlands Wirtschaft: IT-Branche sucht händeringend nach Spezialisten

Neben der Rüstungsindustrie kämpft auch die IT-Branche mit Fachkräftemangel. Besonders viele ITler sollen aufgrund des Krieges geflohen sein – darunter viele der besten Programmierer Russlands. Russland fehlen 500.000 bis 700.000 IT-Fachkräfte, sagte das russische Ministerium für digitale Entwicklung im August. Ein Manager aus der Telekommunikationsbranche sagte der Financial Times, leitende Fachkräfte seien „ein rares Gut“. Auf die Frage nach dem angespannten Arbeitsmarkt im Allgemeinen sagte er, es sei eine „blöde Situation“.

Die Suche nach neuen IT-Spezialisten wird offenbar durch die Konkurrenz anderer Branchen erschwert. Da Rüstungsindustrien attraktivere Arbeitgeber sind, könnten diese auch andere Arbeitnehmer abwerben. „Der Staatskapitalismus hat Geld, Kapital und Aufträge. Sie haben Geld, sie werden rekrutieren, sie werden konkurrieren“, sagte der russische Unternehmer Oleg Deripaska.

Russlands Wirtschaft kämpft mit Folgen vom Ukraine-Krieg

Im Gegensatz zu Rekrutierungsbemühungen in anderen Branchen hat Russland in der IT-Branche aufgrund des Fachkräftemangels bereits Maßnahmen ergriffen, um Arbeitskräfte zu halten. So hat Präsident Putin im September laut Medienberichten ein Dekret unterzeichnet, mit dem die Altersgrenze für die Rekrutierung von IT-Fachkräften von 27 auf 30 Jahre angehoben wird.

Schon im Sommer 2023 wies der russische Präsident darauf hin, dass sich der Ukraine-Krieg negativ auf die russische Wirtschaft auswirkt. „Der Arbeitskräftemangel wirkt sich allmählich auf kleine und mittlere Unternehmen aus, und zwar nicht auf die beste Art und Weise“, sagte Putin damals bei einem Treffen mit den Chefs des verarbeitenden Gewerbes im Kreml.

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Ukraine-Krieg legt wohl russische Wirtschaft lahm

Auch die britische Regierung sieht Fachkräftemangel als zunehmendes Problem für die russische Wirtschaft. Nach britischer Einschätzung wird das zunehmend zum Problem. Die Mobilmachung und die Wehrpflicht hätten den Arbeitskräftemangel außerhalb des Verteidigungssektors verschärft, teilte das britische Verteidigungsministerium im September beim Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) mit. So habe der Arbeitermangel in der Industrie im Juli einen Rekord erreicht, schrieb das Ministerium unter Berufung auf Zahlen des Jegor-Gaidar-Instituts für Wirtschaftspolitik.

 

Rubriklistenbild: © Gavriil Grigorov/dpa