„Bedrohung durch Sekundärsanktionen der USA“

Sanktionen zehren an Russlands Wirtschaft – und kosten Putin wohl enge Verbündete

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Russlands Wirtschaft schwächelt. Anstatt zu helfen, wollen mehrere Handelspartner sich aus Geschäften zurückziehen. Grund ist die Sorge vor verschärften Sanktionen.

Moskau – China, Indien und Türkei haben eines gemeinsam: Sie sind als wichtige Handelspartner wichtig für Russlands Wirtschaft. Obwohl sie Russland jahrelang nahestanden, deuten sich nun kleine Risse in den Wirtschaftsbeziehungen an. Für Präsident Wladimir Putin ist das ein herber Rückschlag.

Russlands Wirtschaft zunehmend isoliert – Sanktionen treiben Putins Partner in die Flucht

Es blieb nicht bei einer Bank: Gleich drei Volksbanken in China stellen den Zahlungsverkehr mit Russland ein. Auch die größte Volksbank Chinas ließ Putin hängen. In den vergangenen Wochen schlossen sich weitere chinesische Kreditinstitute an und schränkten die Geschäfte ein. Wenn alle Banken aus China die Annahme von Yuan-Zahlungen aus Russland stoppen, würde das Russlands Wirtschaft vor ein großes Problem stellen. Denn für Russland spielt die chinesische Währung Yuan eine wichtige Rolle, gleichzeitig wird diese große Abhängigkeit von China Putin zum Verhängnis.

Putin bekommt den Druck der Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft zu spüren.

In einem jüngst veröffentlichten Bericht räumte die Zentralbank Russlands nun ein, es gebe nur begrenzte Optionen außer dem chinesischen Yuan für ihre Reserven. Laut Angaben der russischen Zentralbank hat sich die Rolle des Yuans als internationale Währung und dessen Liquidität in den letzten Jahren „bemerkbar“ erhöht.

Internationale Banken kehren Putin wegen Sanktionen den Rücken zu

Experten vermuten, dass die Banken aus Sorge um US-Sanktionen einen Rückzieher aus dem russischen Geschäft machen. Präsident Joe Biden hatte im Dezember 2023 angekündigt, ausländische Banken, die Russland wichtige Transaktionen ermöglichen, zu sanktionieren. Banken, die indirekt in Geschäfte mit der russischen Rüstungsindustrie involviert sind, könnten zudem ein Ausschluss aus dem US-Finanzsystem drohen.

Vor dem Hintergrund wollen auch Banken aus der Türkei und aus der Vereinigten Arabischen Emirate Putin auflaufen lassen. Reuters zufolge teilte eine Quelle mit, dass Bidens Ankündigungen vom Dezember den Banken und Unternehmen deutlich gemacht habe, dass die „Bedrohung durch Sekundärsanktionen der USA real ist“.

Russlands Wirtschaft unter Druck: Wichtiger Handelspartner im Ölgeschäft zögert

Ein weiterer wichtiger Partner wendet sich zum Ärger der russischen Wirtschaft vom Ölgeschäft ab. Überraschend dürfte die Entwicklung nicht sein. Hardeep Singh Puri, Indiens Minister für Erdöl und Erdgas, hatte bereits verdeutlicht, dass die indischen Gesellschaften sich stets das billigste verfügbare Rohöl sichern würden. Sollten Verstöße gegen Sanktionen offensichtlich werden, würde sich der indische Handel von Russland ganz abwenden.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge besteht in indischen Raffinerien derzeit Sorge über die neuen westlichen Sanktionen. Es könnte künftig schwieriger werden, Schiffe für den Transport von russischem Rohöl zu finden, außerdem könnten die Frachtkosten steigen.

Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
Wladmir Putin mit Flottenchef Kurojedow
So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
Wladimir Putin: Der Aufstieg von Russlands Machthaber in Bildern

Putin steht wegen Sanktionen vor Herausforderungen

Jüngste Daten zeigen, dass Indien immer mehr Öl aus den USA kauft. Laut Daten des Rohölverfolgungsunternehmens Kpler sind die amerikanischen Öllieferungen nach Indien im März stark angestiegen. Gleichzeitig sind die russischen Öleinfuhren seit dem Höchststand im letzten Jahr um etwa 800.000 Barrel pro Tag zurückgegangen, wie Bloomberg-Daten zeigen. Auch wenn die USA von den Ölexporten profitiert, betonen Beamte, sie hätten Indien nicht explizit aufgefordert, die russischen Öleinfuhren zu reduzieren.

Die amerikanische Denkfabrik Wilson Center stellt in einer Analyse vom Februar 2024 fest, dass der Druck der Sanktionen auf Russlands Wirtschaft größer wird. Das Verhalten der Verbündeten würde dafür sprechen, dass Russland zwar nach außen hin großes Selbstvertrauen ausstrahlen will. Es gebe jedoch immer wieder Bedenken über den wirtschaftlichen Zustand. Russlands Wirtschaft geht einer ungewissen Zukunft entgegen. (mit Material von Reuters)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Bobylev

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