Kiews Verteidigungsindustrie

Geheime Fabriken und mehr „Neptun“-Raketen für die Front: Ukraine baut Waffenproduktion aus

Neptun-Raketen werden am Unabhängigkeitstag der Ukraine in Kiew präsentiert.
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Neptun-Raketen werden am Unabhängigkeitstag der Ukraine in Kiew präsentiert.
  • Bedrettin Bölükbasi
    VonBedrettin Bölükbasi
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In der Ukraine laufen Vorbereitungen für einen längeren Krieg mit Russland. Kiew will im Kampf gegen Putins Truppen die Waffenproduktion ausbauen.

Kiew – Die ukrainische Gegenoffensive hat nicht den von der ukrainischen Regierung und westlichen Partnern erwarteten Erfolg herbeigeführt. Inzwischen ist es für alle klar, dass der Ukraine-Krieg von Wladimir Putin auch 2024 andauern wird. Diese Gewissheit besteht offenbar auch bei der ukrainischen Verteidigungsindustrie. Sie will ihre Produktion ausbauen, um Kiews Militär mit den nötigen Waffen zu versorgen.

Ukraine fährt Waffenproduktion hoch: Kiew will noch mehr Neptun-Raketen herstellen

Laut dem Verteidigungsmagazin Defense Express teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit einem ukrainischen Sender mit, die Ukraine habe die Herstellung von Ausrüstung auf dem Niveau von Nato-Standards eingeleitet und arbeite daran, Kapazitäten für die Produktion auszuweiten. In diesem Rahmen gebe es etwa auch ein neues Raketenprogramm. Dem Magazin zufolge handelt es sich hier sehr wahrscheinlich um eine neue ukrainische Rakete, mit der die Ukraine ein S-400-Luftabwehrsystem auf der Krim zerstört haben will.

Außerdem will die Ukraine Selenskyj zufolge auch die Produktion von bereits vorhandenen Systemen wie Stugna und Korsar-Panzerabwehrraketen sowie Neptun-Schiffsabwehrraketen vorantreiben. Dabei ist besonders die Neptun von großer Bedeutung und hatte ihre Effizienz schon im April 2022 unter Beweis gestellt. Das ehemalige Flaggschiff des russischen Schwarzmeerflotte, die Moskwa, wurde von Neptun-Raketen versenkt.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine bereitet sich auf längeren Krieg vor: Waffenproduktion soll beschleunigt werden

Zuletzt haben sich Schweden und die Ukraine darauf geeinigt, die schwedischen CV-90-Schützenpanzer auf ukrainischem Territorium zu produzieren. „Wir werden sowohl die Fahrzeuge bekommen als auch die Technologie dahinter erlernen“, teilte Selenskyj mit. Er sei sich sicher, dass es in Zukunft sehr viele solcher Technologien in der Ukraine geben werde. Die Herstellungsstätte der Fahrzeuge werde man jedenfalls geheim halten, erklärte der ukrainische Präsident. Auch die Türkei will mit Blick auf die Herstellung von Drohnen in der Ukraine eine ganze Produktionsstätte aufbauen.

In Zukunft werden auch Haubitzen im Kaliber von 155 mm eine große Rolle bei der militärischen Produktion in der Ukraine einnehmen. Bislang nutze das ukrainische Militär Haubitzen vom Kaliber 122 mm und 152 mm aus der Sowjet-Zeit. Mit dem von Russland initiierten Krieg lieferten westliche Partner jedoch unzählige 155 mm-Haubitzen, das Standardkaliber der Nato. Auch die Ukraine wird sich nun Selenskyj zufolge auf die Produktion dieser Art von Haubitzen fokussieren. Ohnehin versucht die Ukraine ihr Militär immer stärker an Richtlinien des Verteidigungsbündnisses zu gestalten.

„Wir produzieren jetzt, und es ist nicht nur eine Haubitze, sondern eine systematische Produktion“, betonte der ukrainische Staatschef. Zwar sei es immer noch zu wenig, um die Nachfrage an der Front abzudecken, doch es sei immerhin mehr als zuvor. Die Waffensysteme hat die Ukraine dringend nötig. Denn besonders nach dem Winter könnte der Krieg ein weiteres Mal eskalieren und die neuen Waffen sowohl aus dem Westen als auch aus der Ukraine könnten den Unterschied ausmachen. (bb)

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