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„Abschneiden und verhungern“: Taktik der Ukraine bei der Gegenoffensive geht offenbar auf

  • Michelle Brey
    VonMichelle Brey
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Die ukrainische Armee durchbricht die erste Verteidigungslinie Russlands. Nun könnte an der Südfront Bewegung in den Ukraine-Krieg kommen.

Kiew - Lange Zeit verlief die Gegenoffensive der Ukraine eher schleppend. Teilerfolge wurden erzielt, ein ausschlaggebender Rückgewinn von Gebieten, die durch russische Truppen erobert worden waren, gelang jedoch zunächst nicht. Das Durchbrechen der ersten Verteidigungslinie Russlands an der Südfront könnte nun aber einen erheblichen Wendepunkt im Ukraine-Krieg darstellen.

Den Erfolg vermeldete der ukrainische General Oleksandr Tarnawskij am Wochenende (2./3. September) gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian. „Wir befinden uns jetzt zwischen der ersten und zweiten Verteidigungslinie“, sagte er. Weiter berichtete der General: Die ukrainische Armee schließe jetzt „die Zerstörung der feindlichen Einheiten ab, die den russischen Truppen Deckung für den Rückzug hinter ihre zweite Verteidigungslinie bieten“.

Ukrainische Soldaten der 28. Brigade bereiten ein Mini-Mehrfachraketen-System an der Frontlinie vor.

Ukraine-News: „Dann würde Russland im Süden verlieren“ - Durchbruch an Front macht Hoffnung

„Die größten Minenfelder und die erste russische Verteidigungslinie konnten die Ukrainer endlich überwinden, die zweite Linie mindestens teilweise auch“, schätzte Militärexperte Nico Lange, ehemaliger Leiter des Leistungsstabs im Verteidigungsministeriums, die Lage in der Ukraine gegenüber Bild.de ein.

Gelinge es den ukrainischen Truppen von Präsident Wolodymyr Selenskyj, die zweite und dritte Verteidigungslinie zu überwinden, dann „könnte sehr schnell Bewegung in diesen Krieg kommen.“ Lange fügte an: „Dann würde Russland im Süden verlieren.“

„All diese harten Kämpfe lohnenswert machen“: Ukrainische Gegenoffensive erzielt Erfolge

Gegenüber Newsweek äußerte sich Experte Frederik Mertens, strategischer Analyst vom Hague Center for Strategic Studies, zuversichtlich mit Blick auf die Gegenoffensive. Er sprach von voraussichtlichen signifikanten Fortschritten nach dem Durchbrechen der ersten Linie, sodass „all diese harten Kämpfe lohnenswert“ scheinen. Auch Jason Jay Smart, politischer Stratege und Berater, schrieb via Twitter, es werde erwartet, dass die Gegenoffensive nun an Fahrt aufnehmen werde.

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Weitere Erfolge vermeldete die Ukraine prompt am Montag (4. September). Im Süden des Landes rücken die ukrainischen Truppen ihren Angaben nach weiterhin in Richtung der strategisch wichtigen Stadt Melitopol am Asowschen Meer vor. Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar machte allerdings keine Angaben über die Größe des zurückeroberten Gebiets in diesem Raum.

„Abschneiden und verhungern“: Taktik der Ukraine könnte erneut zum Erfolg führen

Für die Ukraine sei es allerdings gar nicht so wichtig, Städte wie Melitopol direkt einzunehmen, erklärte Lange gegenüber Bild.de. „Wenn die Ukraine die Bahnlinie und die Straßen unter Feuer nehmen kann oder sogar unterbrechen und gleichzeitig die Krim-Brücke weiter unter Druck setzt oder ganz zerstört, dann wird Russlands Versorgung mit Munition und Treibstoff zusammenbrechen.“ Oder kurz: Die Taktik, die sich „Slive and starve“ nennt, wäre ein weiteres Mal erfolgreich zum Einsatz gekommen.

Denn diese habe schon nördlich von Kiew und 2022 bei Cherson zum Erfolg geführt, so Lange. Bei der Taktik gehe es darum, russische Truppen von der Logistik abzuschneiden und sie in Bezug auf Munition und Treibstoff auszuhungern, wie der Experte gegenüber zdf.de ausführte.

Indes gab ein ukrainischer General einen Einblick in die Gegenoffensive. Russland habe nicht damit gerechnet, dass die Ukraine überhaupt die erste Verteidigungslinie durchbrechen könnte, sagte er. (mbr)

Rubriklistenbild: © Libkos/dpa

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