Angehörige sprechen von Schauprozess

Todesstrafe für Briten in Ukraine: Familie am Boden zerstört – aber Separatistenführer zeigt keine Gnade

Die Füße eines der verurteilten Briten.
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Die britischen Kämpfer wurden von prorussischen Separatisten zum Tode verurteilt.
  • Markus Hofstetter
    VonMarkus Hofstetter
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Die Familie eines der drei in Donezk zum Tode Verurteilten wehrt sich gegen das Urteil. Doch Aussagen des Separatistenführers machen wenig Hoffnung.

Donezk - Am vergangenen Donnerstag (9. Juni) hat erstmals eine der Kriegsparteien im Ukraine-Konflikt Todesurteile verhängt. Das Oberste Gericht der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) hat drei ausländische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte als Söldner zum Tode verurteilt. Bei den Verurteilten handelt es sich um zwei Briten und einen Marokkaner.

Nun gibt es eine Reaktion der Familie von einem der beiden zum Tode verurteilten Briten. Diese zeigt sich schockiert über das Urteil. Das britische Außenministerium teilte am Samstag im Auftrag der Angehörigen mit, die ganze Familie des 48-Jährigen sei „am Boden zerstört und betrübt über den Ausgang des illegalen Schauprozesses durch die sogenannte Volksrepublik Donezk“.

Todesurteile im Donezk ausgesprochen: Verurteilte Brite lebt seit Jahren in der Ukraine

Laut der Familie lebt der Verurteilte seit vier Jahren in der Ukraine. Als Angehöriger einer ukrainischen Infanteriedivision der Marine habe er bei der Verteidigung der Hafenstadt Mariupol mitgeholfen, bevor diese von russischen Streitkräften eingenommen wurde.
Als solchem sollten ihm alle Rechte eines Kriegsgefangenen gemäß den Genfer Konventionen zuteil werden, forderten die Angehörigen. Sie hoffen auf eine sichere Freilassung oder einen Austausch.

Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat am 24. Februar 2022 begonnen. Im November konnten die ukrainischen Streitkräfte die Stadt Cherson befreien. Doch für die Menschen vor Ort ist die Lage noch immer katastrophal. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. Hier kämpfen sie um die Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum der Stadt.
Am 24. Februar beginnt Russland mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine. Die Stadt Tschuhujiw wird bereits am ersten Tag des Krieges bombardiert. Helena, eine 53 Jahre alte Lehrerin, steht dort vor einem Krankenhaus.
Das „Z“ findet sich, wie hier am Kontrollpunkt Perekop nahe der Halbinsel Krim, auf nahezu allen Militärfahrzeugen der russischen Armee. Es wird im weiteren Verlauf zum Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine.
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es wie hier in Moskau in zahlreichen Städten Russlands zu Demonstrationen. Die Staatsmacht im Kreml geht mit aller Härte gegen die Teilnehmenden vor. Tausende Personen werden verhaftet.
Der Ukraine-Krieg in Bildern – Zerstörung, Widerstand und Hoffnung

Die Ukraine und westliche Staaten haben das Verfahren gegen die Männer als Schwindel und Verletzung der Regeln der Kriegsführung kritisiert. Das deutsche Außenministerium wertete die Todesurteile als Missachtung des Völkerrechts.

Todesurteile im Donezk ausgesprochen: Separatistenführer will Urteile vollstrecken

Der pro-russische Separatistenführer Denis Puschilin hat Forderungen nach eine Aufhebung der Todesurteile gegen drei ausländischen Kämpfer zurückgewiesen. „Sie sind in die Ukraine gekommen, um für Geld Zivilisten zu töten. Deshalb sehe ich keine Grundlage für eine Abmilderung des Strafmaßes“, sagte er laut der Nachrichtagentur AFP am Sonntag in Mariupol.

Denis Puschilin, Chef der selbsternannten Volksrepublik Donezk, spricht sich gegen die Aufhebung der Todesurteile aus.

Auch die beiden anderen Verurteilten sollen keine Söldner sein. Der zweite Brite soll, so die AFP, bereits im Jahr 2018 in die Ukraine gezogen sein und seit Jahren im ukrainischen Militär dienen. Freunde und der Vater des verurteilten Marokkaners sprachen demnach davon, dass dieser in der Ukraine studiere und sich bereits im vergangenen Jahr dort der Armee angeschlossen habe.

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