Gegensätzliche Kriegstaktik

Russland erleidet bisher schwerste Verluste im Ukraine-Krieg

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Russland verliert wohl mehr Soldaten als jemals zuvor im Ukraine-Krieg. Die Ukraine setzt dagegen auf mehr Effizienz in der Aufgabenverteilung.

Moskau – Nach Informationen des Britischen Verteidigungsministeriums muss Russland den bisher größten Verlust an Soldaten seit dem Überfall auf die Ukraine hinnehmen. Das ukrainische Militär versucht dagegen, jedem Wehrpflichtigen eine individuell angepasste Tätigkeit im Ukraine-Krieg zuzuordnen.

Verluste von Russland steigen – Putin schickt Truppen „sinnlos in den Tod“

In einem Post auf X (ehemals Twitter) schrieb der britische Verteidigungsminister Grant Shapps, der russischen Präsident Wladimir Putin schicke „sinnloserweise mehr Russen in den Tod als jemals zuvor seit Kriegsbeginn.“ Shapps bezieht sich auf Informationen des britischen Verteidigungsministeriums, wonach Russland im November 2023 täglich durchschnittlich 931 Soldaten verloren habe.

Der bislang tödlichste Monat für Putins Truppen sei März 2023 gewesen. In jenem Monat starben durchschnittlich 776 russische Soldaten pro Tag. Damit wären die vergangenen sechs Wochen für Russland die verlustreichsten Wochen seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs auf die Ukraine. Die schweren Verluste ließen sich auf die russische Offensive gegen die Stadt Awdijiwka im Donbas zurückzuführen. Die präsentierten Informationen können nicht unabhängig überprüft werden.

Selenskyj setzt auf individuelle Aufgabenverteilung im Ukraine-Krieg

Laut einem Bericht des Guardian will das ukrainische Militär seine Einberufungspraxis ändern, um seine Kampfkraft gegen Russland aufrecht zu halten. Die Änderungen sollen noch diese Woche bekannt gegeben werden und sehen die Zusammenarbeit mit privaten Rekrutierungsunternehmen vor. Damit solle den Wehrpflichtigen zugesichert werden können, dass sie Aufgaben übernehmen, die ihren Fähigkeiten entsprechen.

Zwei Regime – zwei Ansätze. Während Russland auf die Größe seiner Armee vertraut, setzt die Ukraine auf individuelle Aufgabenverteilung.

„Einige Leute haben Angst, Angst zu sterben, Angst zu schießen, aber das bedeutet nicht, dass sie nicht auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können“, sagt Oleksij Danilov, Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, dem Guardian. Mit der individuellen Zuweisung von Einsatzgebieten wolle man auch verhindern, dass sich Wehrpflichtige dem Kriegsdienst entziehen, weil sie nicht an der Front kämpfen wollen.

Ein weiterer Winter für Russland und die Ukraine im Ukraine-Krieg

Seit mehr als zwei Jahren verteidigt sich die Ukraine gegen Russland, nachdem die Truppen von Wladimir Putin die Ukraine überfallen hatten. Jetzt bereitet sich das Land auf einen erneuten Winter vor, der in vielen Teilen der Bevölkerung und an der Front zu Erschöpfung führen wird. Außerdem hat es den angestrebten Durchbruch bei der geplanten Gegenoffensive gegen Russland nicht gegeben.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Das ukrainische Militär habe im Verlauf des Krieges immer mehr mit Rekrutierungsproblemen zu kämpfen, berichtet Danilov. Gerade unter diesen Voraussetzungen muss die Ukraine die Motivation der Soldaten hochhalten. Dazu könnte die nun angekündigte Überholung des Rekrutierungssystems beitragen. (nhi)

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