Lenkwaffen im Ukraine-Krieg

Putins Wunderwaffe im Einsatz: Neue Gleitbombe soll Ukraine-Bunker aufbrechen können

Ein russisches Kampfflugzeug vom Typ Su-34 steht in einer Halle. (Archivbild)
+
Die intelligenten FAB-1500-Bomben sollen von den Kampfflugzeugen Su-34 (hier gezeigt), Su-30 und Su-35 transportiert werden können. (Archivbild)
  • Nadja Katz
    VonNadja Katz
    schließen

Sie hat einen Schadensradius von 500 Metern und zerstört Stahlbeton: Russlands neue „intelligente“ Gleitbombe kann zum Problem für die Ukraine werden.

Moskau – Die russischen Streitkräfte haben laut einem Bericht des Institute for the Study of War (ISW) am Montag (30. Oktober) im Kampf gegen die Ukraine neue, gelenkte Gleitbomben eingesetzt. Nun wird befürchtet, dass diese „intelligenten“ Raketen in den kommenden Wintermonaten den Druck auf die ukrainische Luftabwehr verstärken könnten.

Die verbesserten Gleitbomben, die Moskau nun einsetzt, sind demnach mit einer Laser- und Satellitenlenkung ausgestattet, um ihre Treffgenauigkeit zu erhöhen. Unter anderem komme eine Rakete des Typs FAB-1500 zum Einsatz, so berichtet das ISW, eine in den USA ansässige Denkfabrik, die die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Krieg analysiert.

Russlands Super-Bombe wohl einsatzbereit: 1550 Kilogramm schwer, Schadensradius 500 Meter

Nach Angaben eines russischen Militärbloggers sollen die Streitkräfte Russlands mehrere solcher neuen „intelligenten“ Gleitbomben gegen die Ukraine einsetzen, und zwar die Typen FAB-250 und FAB-500, nebst der FAB-1500. Durch die laser- und satellitengeleitete Steuerung betrage deren Auftreffradius lediglich fünf Meter, so berichtet das ISW.

Die Präzision der neuen Wunderwaffe Wladimir Putins sei im Vergleich zu konventionellen Luftbomben enorm: Diese hätten einen Auftreffradius von 50 Metern. Ihre Reichweite betrage dabei 200 Kilometer. Dem Blogger zufolge sollen die russischen FAB-250-Bomben 250 Kilogramm wiegen und eine Sprengkraft von 99 Kilogramm besitzen, bei einem Schadensradius von 120 Metern. Mit diesen Werten sei es möglich, Menschen, Ausrüstung und leichte Befestigungen zu zerstören. 

Bedrohung für die Ukraine? Russlands Gleitbombe kann wohl Bunker in 20 Metern Tiefe zerstören

Entsprechend kämen die FAB-500-Bomben auf ein Gewicht von 500 Kilogramm, eine Sprengkraft von 150 Kilogramm, einen Zerstörungsradius von 250 Metern – und können damit Hauptquartiere, Lagerhäuser sowie Beton- und Stahlbetonobjekte zerstören, so der Bericht des ISW weiter. Die FAB-1500-Bomben Russlands schließlich sollen 1550 Kilogramm wiegen, ein Explosivgewicht von 675 Kilogramm und einen Schadensradius von 500 Metern besitzen.

Mit dieser Schlagkraft sei es möglich, sogar unterirdische Bunker in bis zu 20 Metern Tiefe zu zerstören und bis zu drei Meter Stahlbeton zu durchdringen. Laut Angaben des russischen Militärbloggers sollen die russischen Streitkräfte ihre Kampfflugzeuge der Typen Su-34, Su-30 und Su-35 mit den neuen Gleitbomben ausrüsten können.

Russland kann 1500-Kilo-Bomben massenhaft auf Ukraine lenken – „Müssen dringend reagieren“

Bereits im Frühjahr hatte die Ukraine wegen russischer Gleitbomben Alarm geschlagen. Der ukrainische Luftwaffensprecher Jurij Ignat hatte die FAB-Bomben als „neue Bedrohung“ bezeichnet und erklärt: „Wir müssen dringend darauf reagieren“. Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Newsweek erklärte der Chef der ukrainischen Luftwaffe, Mykola Oleshchuk, bereits im April, dass Russland zunehmend die kleineren FAB-500 „an der gesamten Frontlinie“ einsetze.

Auch gebe es „Anzeichen für die Vorbereitung eines Masseneinsatzes von 1500 Kilogramm schweren FABs“. Und tatsächlich sei auch die FAB-1500 trotz ihres Gewichts für einen Masseneinsatz geeignet, berichtete das Portal unter Berufung auf einen weiteren einflussreichen russischen Militärblogger.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Intelligente“ Bomben: Russland und Ukraine verwenden neue Gleitbomben

Doch auch die Ukraine habe in Hilfspaketen aus den USA Lenkbomben erhalten, so der Bericht der Newsweek weiter, darunter die JDAM (Joint Direct Attack Munitions) und die JDAM-ER. Die JDAM-Bausätze würden vormals ungelenkten Bomben in ebenfalls präzisionsgelenkte „intelligente“ Munition verwandeln, die von einer Vielzahl von Flugzeugen aus abgefeuert werden könne – ähnlich wie die Bomben der FAB-Serie.

Im März bestätigte General James Hecker, der oberste Befehlshaber der US-Luftwaffe in Europa und Afrika, dass die ukrainischen Streitkräfte eine begrenzte Anzahl von JDAM-ER „intelligenten Bomben“ einsetzten. Diese Bomben waren im Rahmen eines Militärhilfepakets im Dezember 2022 vorgestellt worden. (na)