Dementi in der Ukraine
Befehlshaber Saluschnyj entlassen? Kiew dementiert Gerüchte im Ukraine-Krieg
VonAlexandra Heidsiekschließen
In der Ukraine brodelt die Gerüchteküche. Präsident Selenskyj soll Oberbefehlshaber Saluschnyj entlassen haben. Das Dementi folgt prompt.
Kiew – Aufregung in der Ukraine: Am Abend des 29. Januar meldete die Nachrichtenagentur Interfax, dass Präsident Wolodymyr Selensky den populären Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj entlassen habe. Der Oberkommandeur der Streitkräfte hatte sich mit seinen Leistungen im Ukraine-Krieg 2022 einen Namen gemacht. Zuletzt häufte sich jedoch Unzufriedenheit über die misslungene Sommeroffensive.
Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte dazu auf Telegram kurz und bündig mit: „Sehr geehrte Journalisten, wir antworten allen zugleich: Es stimmt nicht.“ Auch der Pressesprecher des Präsidenten, Serhij Nykyforow, dementierte die Gerüchte. Mehrere Quellen des unabhängigen russischen Nachrichtenportals Medusa bestätigten, dass es sich um Falschinformationen handele und keine baldigen Entlassungen anstünden. Weder Selensky noch Saluschnyj äußerten sich bisher dazu.
Walerij Saluschnyj präsentiert sich der Öffentlichkeit nicht unbedingt als distanzierter Feldherr
Saluschnyj wurde wenige Monate vor Beginn des Ukraine-Kriegs auf seinen Posten berufen. Mit seinen Erfolgen an der Front ist der Oberkommandeur in der Bevölkerung sowie der Armee beliebt und ist für viele Ukrainer:innen ein Symbol des Widerstands gegen Russland. Laut Daten des Soziologieinstituts in Kiew übersteigen seine Zustimmungswerte aktuell sogar die des Präsidenten.
Von politischen Ambitionen distanziert er sich zwar, trotzdem gilt das Verhältnis zwischen Saluschnyj und dem ukrainischen Präsidenten schon seit Längerem als angespannt – wohl auch deshalb, weil der Oberkommandeur zu Selenskyjs politischem Konkurrenten aufsteigen könnte.
Ist der Streit zwischen Selensky und Saluschnyj echt oder inszeniert?
Im November 2023 forderte die Abgeordnete der Präsidentenpartei Diener des Volkes, Marjana Besuhla, Saluschnyjs Rücktritt, weil dieser zu planlos in das neue Jahr ginge. Ein echter Streitpunkt ist zudem die Mobilisierung: Einem Gesuch Saluschnyjs, die Armee aufzustocken, will Selenskyj nicht stattgeben.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands




Präsidialstab und Militärführung sind sich auch darüber uneinig, wie erfolgreich die Kämpfe verlaufen. Der Krieg befände sich in einem Patt, konstatierte Saluschnyj schon vor einigen Monaten in einem Essay für das britische Magazin Economist. Auch die aktuellen Dossiers des britischen Geheimdiensts teilen diese Einschätzung. Selensky hingegen distanziert sich von solchen Aussagen. Im Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte er deutlich: „Es gibt keine Pattsituation.“
Der Journalist Denis Trubetskoy glaubt, dass „eine Personalentscheidung mittelfristig möglich sein könnte“ und dass es „unterschiedliche Argumente dafür und dagegen“ gebe. Insgesamt bleibe zu hoffen, dass sich alle Seiten noch auf konstruktive Zusammenarbeit einigen. „Ich schließe aber nicht aus, dass man einen Personalwechsel aus nicht ganz abwegigen Gründen für unausweichlich hält“, schrieb Trubetskoy auf der Online-Plattform X. (ah)
