NGO geht in Vorleistung

Russlands Drohnen-Krieg: Ukraine setzt auf findige Scheinwerfer-Hilfe

  • Patrick Mayer
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Eine Freiwilligengruppe hilft den ukrainischen Streitkräften durch die Entwicklung wirkungsvoller Scheinwerfer zur Abwehr russischer Kamikaze-Drohnen.

Kiew - Immer wieder greift Russland die Ukraine in der Vorweihnachtszeit mit Drohnen an. Einzig in der Nacht zum Nikolaustag (6. Dezember) seien 41 von 48 Drohnen abgewehrt worden, teilte die ukrainische Luftwaffe mit.

Ukraine-Krieg: Frewilligengruppe „Hurkit“ hilft der Armee Kiews

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in den Wochen vor dem Wintereinbruch stoisch vor russischen Luftangriffen in der kalten Jahreszeit auf die kritische Infrastruktur des Landes gewarnt. Er irrte sich nicht. Moskau setzt insbesondere Kamikaze-Drohnen iranischer Bauart ein, die mittlerweile auch in der Russischen Föderation selbst produziert werden - die sogenannten Shaded-Drohnen.

Bei der Abwehr dieser Angriffe hilft den ukrainischen Streitkräften eine urbane Nichtregierungsorganisation (NGO) namens „Hurkit“. Die Freiwilligengruppe entwirft im Ukraine-Krieg in Eigenregie Scheinwerfer und übergibt diese der Armee.

Der ukrainische Freiwillige Valentin Nyzkowolosow zeigt die eigens entwickelten Scheinwerfer, die russische Angriffsdrohnen ausleuchten sollen.

Jene Armee schießt tieffliegende Drohnen zum Beispiel mit Maschinengewehren von den Ladeflächen von Pick-ups ab. Hochmoderne und große Flugabwehrsysteme wie das deutsche Iris-T, von dem die Ukraine mittlerweile drei hat, sind viel zu teuer für den Einsatz gegen die russischen Kampfdrohnen, die laut Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nur wenige Tausend Euro pro Stück kosten.

Russischer Angriffskrieg: Moskau lässt kritische Infrastruktur der Ukraine attackieren

Zum Vergleich: Laut des Stockholmer Friedensinstituts SIPRI kostet ein einzelner Lenkflugkörper Iris-T des Rüstungsunternehmens Diehl Defence vom Bodensee angeblich rund 560.000 Euro. Und: Die gesamte Iris-T-Anlage mit Radar und mobiler Abschussrampe auf einem LKW-Anhänger soll rund 137 Millionen Euro kosten, hatte André Frank vom Kieler Institut für Weltwirtschaft IFW im Interview mit der Deutschen Welle (DW) geschätzt. Laut Liste der militärischen Unterstützungsleistungen der Ampel-Bundesregierung hatte Deutschland der Ukraine zudem 49 Flugabwehrkanonen-Panzer Gepard geliefert. Diese gelten Berichten ukrainischer Soldaten zufolge als sehr effektiv im Kampf gegen die Drohnen.

Sie können aber freilich nicht überall in dem riesigen Land mit einer Fläche von 603.700 Quadratkilometern stehen - Deutschland hat (zum Vergleich) eine Fläche von 357.588 Quadratkilometern. Da sind MG-Salven von Pick-ups praktischer und günstiger, dennoch soll die billigere Munition in der Abenddämmerung und nachts nicht planlos in den Himmel verschossen werden, wenn an diesem irgendwo ein Surren kleiner Propeller zu vernehmen ist. Die NGO „Hurkit“, die aus Kiew stammt, unternimmt deshalb große Anstrengungen, um finanziert durch Spendengelder möglichst wirkungsvolle und weitreichende Scheinwerfer für die Armee zu entwickeln.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Laut eigener Website übergab die Freiwilligengruppe mehrere solcher Schweinwerfer an das 11. Flugabwehr-Raketenregiment, „das militärische und zivile Objekte einschließlich Objekte der kritischen Energieinfrastruktur schützt“. Und zwar im Norden und Osten. Im Norden der Ukraine liegt auch die Hauptstadt Kiew mit ihren rund 2,8 Millionen Einwohnern. In der Nacht vom 24. auf den 25. November hatten die Invasionstruppen von Kreml-Autokrat Wladimir Putin ihren bisher größten Drohnenangriff auf die Metropole am Fluss Dnipro geflogen - die ukrainische Luftwaffe konnte eigenen Angaben zufolge 74 von 75 Shaded-Drohnen abschießen.

Ukraine-Krieg: Russland setzt nachts jetzt wohl auf schwarz bemalte Drohnen

Wie Die Zeit schreibt, habe Russland dabei erstmals schwarz bemalte Drohnen benutzt, die in der Nacht noch schwerer zu erkennen sind. Die Wochenzeitung sprach mit Valentin Nyzkowolosow, einem der Entwickler von „Hurkit“. „Wenn die Russen mit neuen Taktiken kommen, müssen wir sofort reagieren“, sagte er und testete während des Gesprächs einen Scheinwerfer, der auf ein in 900 Meter Entfernung stehendes schwarzes Auto ausgerichtet war. Der Strahler hatte demnach den Griff einer Bohrmaschine, das Gehäuse wurde aus biegbarem Stahl geformt. „Hurkit“ fragt dafür Ingenieure an, die der Organisation freiwillig und unentgeltlich helfen.

Die NGO Hurkit unterstützt die ukrainischen Streitkräfte mit selbst entworfenen Scheinwerfern zur Erkennung russischer Drohnen im Nachthimmel.

Gegen russische Shaded-Drohnen: Ukrainische Soldaten beklagen Mangel an Scheinwerfern

Laut des Berichts beklagen Soldaten indes oft, dass das Verteidigungsministerium keine Scheinwerfer liefern würde. Immer öfter würden reguläre Truppen deshalb die NGO um Unterstützung bitten. Die Zeit zitiert „Hurtik“-Gründer Wladislaw Samoilenko: „Wir haben verstanden, dass sich die Regierung um Dinge wie Waffen und Munition kümmert und dass sie sich darauf verlässt, dass Freiwillige wie wir Scheinwerfer oder Autos besorgen.“

Die Nachfrage dürfte groß bleiben, während die Ukrainer an der Front Leopard-2-Panzer verlieren und der Generalinspekteur der deutschen Bundeswehr, Carsten Breuer, vehementer denn je vor Putins Regime in Moskau warnt. Laut RND soll ein Vertrag zwischen dem Kreml und Iran die Produktion von etwa 6000 Kamikaze-Drohnen bis 2025 vorsehen - und damit immense Herausforderungen für die ukrainische Flugabwehr. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kaniuka Ruslan

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