Rückschläge im Krieg

Ukrainische Elite-Brigade: Soldaten desertieren offenbar

  • VonLea Winkler
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Die 155. Mechanisierte Brigade der ukrainischen Streitkräfte sollte zu einer der stärksten neuen Formationen aufsteigen. Doch die Truppe erleidet schwere Verluste.

Kiew – Die 155. Mechanisierte Brigade der ukrainischen Armee gilt laut Einschätzung von Forbes als eine der schlagkräftigsten neuen Einheiten im Ukraine-Krieg. Nach fast dreimonatiger Ausbildung in Frankreich sollte nun der erste Einsatz folgen. Doch anstatt eines reibungslosen Debüts wurde Oberst Dmytro Ryumshin, der Kommandeur der Einheit, überraschend von seinen Aufgaben entbunden.

Ryumshin übergab das Kommando über die 155. Mechanisierte Brigade am 12. Dezember, wie die Kyiv Post berichtete. Die 2000-Personen-starke Einheit war Mitte 2024 aufgestellt worden und wurde von August bis November in französischen Trainingsbasen ausgebildet und ausgerüstet. Dazu gehörten von Frankreich gespendete leichte Panzer des Typs AMX-10, 128 Schützenpanzer und 18 CAESAR-Panzerhaubitzen.

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Während der Ausbildung erhielt die Brigade von den französischen Medien den Namen „Anna von Kiew“ – eine Anspielung an die gleichnamige Prinzessin, die im 11. Jahrhundert durch die heirat mit Heinrich I. von Frankreich Königin von Frankreich wurde.

Ukraine-Krieg: „Fast tausende“ Soldaten der 155. Brigade sollen desertiert sein

Ein weiterer Schlag für die Ukraine: „Fast tausende“ Angehörige der Brigade seien nach der Rückkehr in die Ukraine desertiert, behauptete der ukrainische Militärjournalist Jurij Butusow in seinem Sonntagsbericht, laut Kyiv Post. Das sei der Grund für die Entlassung Ryumshins gewesen, den er als „einen unserer besten Kommandeure“ bezeichnet haben soll.

Es soll sich bei vielen Angehörigen der Brigade um Zwangsrekruten handeln. Viele sollen „buchstäblich von der Straße“ rekrutiert worden sein. „Sie zogen diesen Männern eine Uniform an, sagten ihnen, sie seien eine Brigade, und übertrugen einem kompetenten Kommandeur die Leitung, aber sie gaben ihm keine Zeit, eine einheitliche Einheit zu schaffen“, berichtete Butusow laut Kyiv Post. Deswegen seien viele der Soldaten nicht motiviert gewesen und desertierten.

Die 155. Brigade der ukrainische Armee wurde in Frankreich ausgebildet (Archivbild).

Ukraine-Krieg: 155. Mechanisierte Brigade „nicht kampfbereit“

Die ukrainische Parlamentsabgeordnete Marjana Besuhla hatte die Zustände innerhalb der Brigade bereits kritisiert. Auf Telegram schrieb sie am 11. Dezember, dass die Einheit nicht genügend Fahrzeuge und Geräte für die elektronische Kriegsführung habe. Beamte sollen die fehlende Ausrüstung „auf eigene Kosten oder durch Freiwillige kaufen“. In der Brigade herrsche „Chaos“, fasste Besuhla die aktuelle Situation zusammen.

Auch Forbes hatte Anfang Dezember von fehlenden Ausrüstungen in der Einheit berichtet und gewarnt, dass es ein „militärischer Fehltritt“ wäre, die Brigade ohne diese Systeme in den Kampf zu schicken. Die 155. Mechanisierte Brigade sei „nicht kampfbereit“. Laut Angaben der 155. Brigade in den sozialen Medien wurde Rjumshin durch Oberst Taras Maksymov ersetzt. Die Brigade soll sich mittlerweile im Raum der umkämpften Stadt Pokrowsk in der Region Donezk befinden, wie N-tv berichtet. (lw)

Rubriklistenbild: © Efrem Lukatsky/dpa