Russische Angriffe

Um „Putin-Falle“ zu entgehen: Ukraine führt offenbar Rückzug um Pokrowsk durch

  • Bedrettin Bölükbasi
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Die russischen Übergriffe im Osten der Ukraine sind noch nicht vorbei. Putins Soldaten hatten vor, die ukrainische Armee zu umstellen - Rückzüge haben dies aber vermutlich verhindert.

Moskau – Der Fokus im Ukraine-Krieg liegt derzeit klar auf die Situation in der russischen Grenzregion Kursk. Dort befindet sich die ukrainische Armee auf dem Vormarsch – doch die russische Gegenoffensive könnte bald erfolgen. An einer anderen Stelle dauern heftige Zusammenstöße allerdings auch an. Rund um Pokrowsk im Osten der Ukraine hat die Armee von Kreml-Chef Wladimir Putin die Oberhand. Das Ziel, die ukrainischen Soldaten zu umzingeln, ist allerdings nicht gelungen.

Russlands Plan im Ukraine-Krieg geht wohl nicht auf: Ukrainische Armee zieht sich zurück

Dies geht aus einer Analyse des amerikanischen Think-Tanks Institute for the Study of War (ISW) hervor. Demnach haben sich die ukrainischen Soldaten inmitten russischer Vorstöße aus ihren Positionen im Südosten der Stadt zurückgezogen. Somit fehlgeschlagen: das taktische Ziel, die ukrainischen Einheiten zu umzingeln.

Ukrainische Soldaten feuern auf russische Stellungen bei Tschassiw Jar in Donezk (20. August)

Unter Berufung auf geo-lokalisierte Satellitenbilder vom 22. August hieß es, die russische Armee habe die Siedlung Ptyche im Südosten von Pokrowsk eingenommen und sei weiter nach Süden vorgedrungen. Dem ISW-Bericht zufolge bestätigt, dass das russische Militär das östliche Ufer des Karliwske-Staudamms unter Kontrolle hat.

Russland plante Umzingelung nahe Pokrowsk: Doch ukrainisches Militär vereitelt Plan mit Rückzug

Die aktuellen Geschehnisse im Feld zeigen allerdings, dass die russische Armee sicherlich nicht dort halten, sondern eher weiter nach Westen rücken will. Offenbar soll es über die Siedlungen Yasnobrodiwka and Karliwka weiter westlich gehen: Mit dem Ziel, ukrainische Einheiten entlang der Hrodiwka-Nowohrodiwka-Seljdowe-Linie zu umzingeln. Dies sei ihnen aber nicht gelungen, meldete das ISW und berichtete, russische Truppen hätten dort keine entsprechenden Fortschritte erzielen können.

Dennoch: Die Bedrohung einer möglichen taktischen Umzingelung durch russische Truppen hat die ukrainische Armee wohl dazu bewegt, sich aus einigen Positionen zurückzuziehen. Ein Sprecher für eine ukrainische Brigade in der Pokrowsk-Region bestätigte dies. So habe man die Frontlinie vereinheitlicht und vor allem das Leben von ukrainischen Soldaten verschont. Auch mehrere Kommandeure ukrainischer Einheiten in der Region bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press die Entwicklungen.

In dem ISW-Bericht wurde außerdem auch hervorgehoben, dass es keine Anzeichen chaotischer Rückzuge auf der ukrainischen Seite gibt. Zudem seien die russischen Vorstöße der vergangenen Tage nur begrenzt.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russland in der Ostukraine auf Vormarsch: Moskau behauptet Einnahme kleiner Ortschaft

Russland setzt in letzter Zeit seinen Vormarsch im Gebiet Donezk fort. Neben Pokrowsk ist die russische Armee besonders auch nahe der Stadt Torezk sehr aktiv. Bei Pokrowsk hat das Militär allerdings seine Hauptstoßrichtung geändert, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Statt direkt auf die Stadt zuzumarschieren, ist ein Teil der Kräfte wohl nach Süden eingeschwenkt. Ziel ist es offenbar, die gesamte ukrainische Verteidigungslinie im Süden des Donbass zum Kollabieren zu bringen.

Zuletzt behauptete die russische Armee, die kleine Ortschaft Nju-Jork im Osten des Landes eingenommen zu haben. Von ukrainischer Seite gab es dazu nur indirekte Eingeständnisse: Der Generalstab in Kiew beschrieb die Lage in seinem Bericht für Nju-Jork bei Torezk nicht mehr als umkämpft. Auch einige ukrainische Militärblogger schlugen den Ort der russischen Seite zu. Die Stadt Torezk, seit langem Ziel heftiger russischer Angriffe, gerät damit in noch größere Gefahr.

Auf dem eigenen Territorium, in der Grenzregion Kursk, läuft es für Putins Armee allerdings nicht gut. Dort sucht der russische Machthaber bereits nach den Verantwortlichen für die Misere seines Militärs. (bb/dpa)

Rubriklistenbild: © Oleg Petrasiuk/Ukrainian 24th Mechanised Brigade/AP/dpa