Trump greift Harris an

Ungeachtet Melanias Ermahnung: Trumps Beschimpfungen setzen sich fort

  • VonSimon Schröder
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Die Republikaner streben an, Trumps Eskapaden zu begrenzen. Der Ex-Präsident konfrontiert Harris in den US-Wahlen ständig aggressiv.

Johnstown – Melania Trump, ehemalige First Lady der USA, hat ihren Ehemann anscheinend dazu angehalten, seine Ausdrucksweise zu zügeln. Doch Donald Trump lässt sich bekanntlich nichts sagen. Am Freitagabend (30. August) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Johnstown, Pennsylvania ging er erneut Kamala Harris an und sagte: „Jeder Ort, den sie berührt hat, hat sich in Scheiße verwandelt!“ Direkt danach erklärt er, seine Frau und der evangelikale Pastor Franklin Graham hätten ihm gesagt, er solle weniger Kraftausdrücken in seinen Reden verwenden.

Graham habe dem Präsidenten wohl gesagt: „Ihre Reden wären noch besser, wenn sie keine Kraftausdrücke verwenden würden.“ Doch laut Trump gäbe es manchmal einfach kein besseres Wort, um seinen Ausführungen Nachdruck zu verleihen. Erst Mitte August hatte der Ex-Präsident gesagt, er habe „das Recht“, Kamala Harris mit persönlichen Angriffen anzugehen.

Donald Trump in Johnstown, Pennsylvania bei einer Wahlkampfrede am 30. August.

Republikaner versuchen Trumps Rhetorik in den Griff zu bekommen

Und Melania Trump und Graham sind nicht die einzigen, die den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gewarnt hatten, seine Kraftausdrücke im Wahlkampf zu limitieren. Viele Republikaner hatten den ehemaligen Präsidenten dazu angehalten, sich sexistische oder rassistische Kommentare über Harris zu sparen. Bereits Ende Juli, kurz nachdem Biden zurückgetreten war, hieß es von republikanischer Seite aus, man wolle sich auf die Politik konzentrieren und nicht auf persönliche Angriffe.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Sprecher des Repräsentantenhauses und Republikaner Mike Johnson sagte: „Diese Wahl wird über Politik sein und nicht über Persönlichkeiten.“ Denn im republikanischen Lager ist man besorgt, wie sich Trumps Kommentare auf die unentschiedenen Wähler auswirken könnten. Wenig später stellte Donald Trump Kamala Harris‘ afroamerikanische Abstammung infrage und schrieb auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social: „Die verrückte Kamala sagt, sie sei indisch, nicht schwarz. Das ist eine große Sache. Eine eiskalte Schwindlerin. Sie benutzt jeden, auch ihre ethnische Identität!“

Trumps Beschimpfungen könnten ihm in den US-Wahlen kritische Stimmen kosten

Außerdem bezeichnete Trump die aktuelle Vizepräsidentin immer wieder als „radikale Linke“ und „Kommunistin“. Kamala Harris „will, dass das Land kommunistisch wird“, zitiert die Los Angeles Times den Ex-Präsidenten. Bisher jedoch, so scheint es, macht sich Trump mit seinen persönlichen Angriffen auf Harris keine Gefallen. Ein republikanischer Stratege äußerte sich gegenüber der LA Times: „Beschimpfungen sind großartig, um die eigene Basis anzusprechen, aber sie funktionieren nicht bei den Wählern in der Mitte.“

Das Problem für Trump: „Die Menschen kennen bereits ihren Werdegang. Sie wollen wissen, wie die Kandidaten die Wirtschaft ankurbeln wollen. … Jedes Mal, wenn er sie beim Namen nennt, spricht er nicht über die Wirtschaft.“ In einer Umfrage des Wall Street Journal von letzter Woche hatten 49 Prozent der Wählerschaft eine positive Meinung über die amtierende Vizepräsidentin. Ein Zuwachs von 14 Prozentpunkten im Vergleich zum Juli. Anscheinend ist Trumps Rhetorik tatsächlich kontraproduktiv. (sischr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ARCHIE CARPENTER