Trump vs. Biden

Altes Video zu US-Wahlkampf geht erneut viral: Superstar haut Trump in die Pfanne

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Der US-Star Lady Gaga singt im Januar 2021 die Nationalhymne bei der Amtseinführung des demokratischen US-Präsidenten Joe Biden.
  • VonBettina Menzel
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Angesichts des aufgeheizten politischen Klimas beziehen US-Stars im aktuellen Wahlkampf weniger öffentlich Stellung als noch 2020. Nun ging ein altes Video erneut viral.

Washington – Der frühere US-Präsident Donald Trump und der Amtsinhaber Joe Biden liefern sich im US-Wahlkampf ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der Republikaner liegt in jüngsten Umfragen leicht vorne: 41 Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler würden aktuell für Trump abstimmen, 39 Prozent für den Demokraten Biden, wie eine Umfrage von Reuters/Ipsos Mitte Juni ergab. Die US-Sängerin Lady Gaga rief ihre Anhänger im vergangenen US-Wahlkampf 2020 dazu auf, für Joe Biden zu stimmen. Ihre damalige Rede ging aus aktuellem Anlass erneut viral.

US-Wahlkampf 2020: Lady Gaga warnte in emotionalem Appell vor Trump

Der Kanal „Biden’s Wins“ teilte am Montag (24. Juni) ein Video der früheren Ansprachen von Lady Gaga auf X, weniger als 24 Stunden später hatte das Video über eine Million Aufrufe. Der Kanal vermittelte allerdings den Eindruck, es handele sich um eine Neuigkeit und nicht um eine alte Aufnahme. In der Archivaufnahme warnt Lady Gaga davor, Trump zu wählen. „Und an alle Frauen und an alle Männer mit Töchtern, Schwestern und Müttern […]: Jetzt ist eure Chance, um gegen Donald Trump zu stimmen“, so die Künstlerin. „Ein Mann, der glaubt, sein Ruhm gibt ihm das Recht, eine eurer Töchter, eure Mütter oder Frauen an irgendeinem Teil ihres Körpers anzugreifen.“

Damit spielte die US-Amerikanerin auf eine geheime Aufnahme von dem Republikaner an, in der er sagte, man könne mit Frauen alles machen. In der kurz vor der US-Wahl 2016 veröffentlichten Aufzeichnung sprach Trump auch offen über sexuelle Übergriffe, wörtlich nannte er als Beispiel: „Grab ’em by the pussy“ (zu Deutsch etwa: „Greif ihnen zwischen die Beine“). Lady Gaga appellierte in dem auf X geteilten Video auch an das „Herz“ der Menschen. „Wählen Sie, als würde Ihr Leben davon abhängen. Wählen Sie, als würde das Leben Ihrer Kinder davon abhängen“, riet die 38-Jährige, denn genau das sei der Fall. „Wählen Sie, als würde das Land davon abhängen, denn das tut es“, so die Sängerin in ihrem Appell weiter, die seit 2023 im Kulturbeirat des Präsidenten sitzt.

US-Wahlkampf 2024: Welchen Einfluss haben Stars auf die Politik?

US-Superstars wie die Schauspieler Robert De Niro, George Clooney und Julia Roberts hatten sich 2024 tatsächlich öffentlich für Biden ausgesprochen oder dessen Spendenkampagne unterstützt. Der berühmte Podcaster Joe Rogan schlug sich indes auf die Seite Trumps. Viele Stars in Hollywood seien aber angesichts der gespaltenen politischen Landschaft in den USA vorsichtig, für eine Seite Stellung zu beziehen, berichtete CNN unter Berufung auf Quellen aus Hollywood. Megastar Taylor Swift etwa, die nicht nur große Massen, sondern auch besonders jüngere Wähler erreicht, hatte im Wahlkampf 2020 öffentlich Biden unterstützt, sich aber im aktuellen Wahlkampf bisher keine Wahlempfehlung ausgesprochen. Auch Lady Gaga hatte sich bislang nicht offiziell geäußert.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Einen Unterschied macht das bislang kaum, wie eine Umfrage des Senders USA Today in Zusammenarbeit mit der Suffolk University ergab. Demnach konnten die Empfehlungen berühmter Persönlichkeiten die Meinung der Wahlberechtigten bisher nicht maßgeblich beeinflussen. Lediglich der frühere US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle bildeten hier eine Ausnahme: Fast jeder Fünfte (18 Prozent) gab an, die Meinung des früheren Präsidenten sei „sehr wichtig“, bei seiner Frau waren es 14 Prozent. „All dies deutet darauf hin, dass die Wähler […] sich nicht vorschreiben lassen wollen, wen sie wählen sollen“, kommentierte der Leiter der Umfrage, David Paleologos von der Suffolk University, die Ergebnisse.

Grundsätzlich stellen Umfragen immer Momentaufnahmen dar. Unlängst hatte eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Leger ergeben, dass 33 Prozent der Republikaner sich grundsätzlich einen anderen Kandidaten als Trump gewünscht hätten. In den wahlentscheidenden „Swing States“ hat Biden laut Umfragen hingegen derzeit das Nachsehen. (Bettina Menzel)