Vor Wahlen
Türkei: Erdogan-Rivale Imamoglu muss in Untersuchungshaft
- VonJan-Frederik Wendtschließen
Die CHP-Opposition will Erdogan-Rivale Imamoglu für die Wahlen aufstellen – doch die Justiz könnte ihn stoppen.
Update vom 23. März, 8.29 Uhr: Der Istanbuler Bürgermeister und Erdogan-Konkurrent Ekrem Imamoglu muss in Untersuchungshaft. Das hat ein türkisches Gericht angeordnet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Imamoglu und Proteste in der Türkei: Erdogan-Rivale droht vor Wahlen U-Haft
Erstmeldung: Istanbul – Die Staatsanwaltschaft in Istanbul hat Untersuchungshaft für den festgenommenen Bürgermeister und Erdogan-Konkurrenten Ekrem Imamoglu gefordert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Nun soll Imamoglu einem Richter vorgeführt werden.
Dem CHP-Politiker werden in zwei getrennten Verfahren Terrorismus und Korruption vorgeworfen. Imamoglu wird verdächtigt, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein. Zudem geht es um Erpressung, Bestechung, Betrug und Ausschreibungsmanipulation. Weiter sieht sich der Erdogan-Rivale mit Vorwürfen einer Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK konfrontiert. Der Beschuldigte bestreitet alle Anschuldigungen vehement.
Türkei-News: CHP-Mitglieder stimmen über Imamoglu-Kandidatur bei nächsten Wahlen ab
Kritiker bezeichnen die Vorwürfe als fingiert und sehen die Festnahme als Versuch der Erdogan-Regierung, einen politischen Kontrahenten auszuschalten. Für Imamoglu gingen in den vergangenen Tagen Hunderttausende Menschen in der Türkei auf die Straßen und protestierten gegen die Regierung. Auf die Demonstrationen reagierte Erdogan mit einer Internetzensur.
Recep Tayyip Erdoğan: Der Weg zur Macht des türkischen Präsidenten




Bei der künftigen Präsidentenwahl gilt Imamoglu als aussichtsreicher Konkurrent gegen den regierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Eigentlich sollte Imamoglu am heutigen Sonntag (23. März) von der oppositionellen CHP-Partei zum Präsidentschaftskandidaten nominiert werden.
An der landesweiten Abstimmung über Imamoglus Kandidatur können sich 1,7 Millionen CHP-Parteimitglieder beteiligen. Auch Bürgerinnen und Bürger dürfen an über 4000 Wahlboxen in der Türkei wählen. Imamoglu ist der einzige Kandidat. Das Ergebnis wird am Sonntagabend erwartet.
Erdogan-Konkurrent Imamoglu droht vor Wahlen Aberkennung des Universitätsabschlusses
Der Erdogan-Kontrahent war am Mittwoch (19. Mär) festgenommen worden. Zu diesem Zeitpunkt stand seine Kandidatur bereits fest. Aber: Imamoglu ist erst ein offizieller Kandidat bei der Präsidentschaftswahl, wenn die als regierungsfreundlich geltende türkische Wahlbehörde YSK seine Kandidatur bestätigt. Sollten die Terrorermittlungen bis dahin nicht aufgegeben worden sein, ist die Annahme seiner Kandidatur unwahrscheinlich.
Zudem wurde Imamoglu der Universitätsabschluss aberkannt. Ein Abschluss ist Voraussetzung für eine Präsidentschaftskandidatur in der Türkei. Die Aberkennung ist noch nicht endgültig.
Über die Istanbuler Stadtverwaltung ließ Imamoglu am Samstag (22. März) mitteilen: „Die gegen mich erhobenen unmoralischen und haltlosen Anschuldigungen, die von erfundenen Berichten bis hin zum Zeitpunkt der Ermittlungen reichen, zielen darauf ab, mein Ansehen und meine Glaubwürdigkeit zu untergraben.“ (Jan-Frederik Wendt)
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