Momentum der Harris-Kampagne

„Wissen Sie, was er getan hat?“ – Vance nimmt Walz nun wegen Militärvergangenheit ins Visier

  • VonSimon Schröder
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Trump-Vize Vance lässt keinen Moment verstreichen, um gegen Harris’ Vizekandidaten Tim Walz zu schießen. Dem Trump-Team fehlt es an einheitlicher Strategie.

Detroit – J.D. Vance, Donald Trumps Vizekandidat für die US-Wahlen im November, poltert gegen seinen direkt Kontrahenten Tim Walz. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Detroit schoss er gegen den Vizekandidaten der Demokraten, indem er seinen Einsatz bei der Nationalgarde verunglimpfte.

Tim Walz ist seit Dienstag (6. August) der offizielle Vizepräsidentschaftskandidat von Kamala Harris und wird im November neben ihr auf dem Wahlzettel stehen. Nachdem sich Präsident Joe Biden von den US-Wahlen zurückgezogen hatte, konnte Harris dessen Wahlkampf in wenigen Tagen übernehmen – nur der Vizekandidat hatte noch gefehlt.

Das Trump-Team steht nun vor einer großen Herausforderung: Neue Angriffspunkte müssen her. Und die hat J.D. Vance seiner Meinung nach gefunden. So bezichtigte er den Gouverneur von Minnesota, er habe den Militärdienst frühzeitig verlassen, um nicht in den Auslandseinsatz im Irak zu müssen.

Senator und Vizepräsidentschaftskandidat von Donald Trump: J.D. Vance.

Walz’ Dienstjahre im US-Militär als Argument, ihn als Harris’ Vizekandidat aufzustellen

Außerdem beschuldigte Vance Walz der Lüge, als er behauptete, der 60-jährige Vizekandidat der Demokraten hätte gesagt, er sei in einem Kriegsgebiet während seiner Zeit in der Nationalgarde gewesen. Walz hatte insgesamt 24 Jahre im US-Militär gedient. Diese langjährige Militärkarriere ist ein wichtiges Argument, wieso gerade Walz zum Vizekandidaten von Harris erkoren wurde. Als Veteran soll er für die Harris-Kampagne eine neue Wählerschaft erreichen. Gerade deswegen versucht das Trump-Team seinen Militärhintergrund zu diskreditieren, wie CNN berichtet.

Lauren Hitt, Sprecherin der Harris-Kampagne, äußerte sich in einem Statement über Walz: „Nach 24 Jahren Militärdienst ging Gouverneur Walz 2005 in den Ruhestand und kandidierte für den Kongress, wo er den Vorsitz in der Abteilung für Veteranenangelegenheiten innehatte und ein unermüdlicher Fürsprecher für unsere Männer und Frauen in Uniform war – und als Vizepräsident wird er sich weiterhin unermüdlich für unsere Veteranen und Militärfamilien einsetzen.“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Vance wettert gegen Walz’ Karriere im Militär: Er habe sich vor dem Irak-Einsatz gedrückt

Vance, ebenfalls Veteran, war hingegen sechs Monate im Irak stationiert. Am Mittwoch in Detroit, Michigan polterte der Trump-Vize: „Als das ‚United States Marine Corps‘, als die Vereinigten Staaten von Amerika mich baten, in den Irak zu gehen, um meinem Land zu dienen, tat ich es. Ich habe getan, worum sie mich gebeten haben, und ich habe es ehrenhaft getan, und ich bin sehr stolz auf diesen Dienst“, erzählt Vance. „Als Tim Walz von seinem Land gebeten wurde, in den Irak zu gehen, wissen Sie, was er getan hat? Er verließ die Armee und erlaubte seiner Einheit, ohne ihn zu gehen.“

Anders als es J.D. Vance allerdings darstellt, verließ Walz seine Militäreinheit, bevor bekannt wurde, dass das US-Militär einen Einsatz im Irak haben wird. Am 10. Februar 2005 stellte er einen Antrag bei der Bundeswahlbehörde, um als Kandidat für das US-Repräsentantenhaus antreten zu können. Erst einen Monat danach gab es die Ankündigung, die Nationalgarde würde auch im Irak stationiert. Seine eigene Einheit erhielt die Benachrichtigung, dass sie auch im Irak zum Einsatz kommen erst im Juli 2005 – nachdem sich Walz vom Militär verabschiedet hatte.

Nach Biden-Rücktritt ist das Trump-Team in Bedrängnis: Trump braucht klare Botschaft

Dieser neue Angriffspunkt von Vance zeigt auch ein Problem der Trump-Kampagne auf: Seit Präsident Biden das Zepter an seine Vizepräsidentin abgegeben hat, fehlt es Donald Trump und seinem Team an einer klaren Strategie. Davor stand Bidens Alter im Fokus der Kampagne. Biden sei zu alt für das Amt des Präsidenten, er könne das Land nicht mehr souverän regieren, lautete die Message. Harris macht es der Trump-Kampagne nicht mehr so einfach.

Und das Momentum ist aktuell auf Seiten der Harris-Kampagne. Marc Short, ehemaliger Stabschef von Vizepräsident Mike Pence unter Trump, ist der Auffassung, der ehemalige Präsident müsse sich im Wahlkampf mehr an die Botschaft seines Wahlkampfteams halten: „Ich denke, es bleibt noch viel Zeit. Aber ich bin auch nicht optimistisch, dass er sich diszipliniert an die Botschaften halten wird“, äußerte er sich gegenüber AP News.

„Es ist schwer, darauf zu vertrauen, dass es eine koordinierte Anstrengung geben wird, um das hervorzuheben, denn wir (die Republikanische Partei, Anm. d. Red.) werden weiterhin Dinge tun, wie z. B. darüber zu debattieren, ob Harris Native American oder Afroamerikanerin ist.“ (sischr)

Rubriklistenbild: © Emily Elconin/Getty Images/AFP