US-Präsident mit Rechtfertigung

Nach Debakel bei TV-Duell: Biden macht Geständnis – „bin fast eingeschlafen“

  • Alexandra Heidsiek
    VonAlexandra Heidsiek
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US-Präsident Joe Bidens Rolle bei der US-Wahl 2024 steht nach dem ersten TV-Duell auf einer wackeligen Basis. Nun verteidigt sich der Demokrat und liefert einen Grund.

Washington – Beim TV-Duell mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump schnitt der amtierende US-Präsident Joe Biden schlecht ab. Die Stimme heiser, die Sätze doppelt oder unvollständig – Bedenken, ob er trotz seines Alters noch fit für eine zweite Amtszeit ist, konnte Biden so nicht zerstreuen. Nun nennt er den Grund für seinen schwachen Auftritt: Er sei müde gewesen.

Reaktion auf TV-Duell gegen Trump: Joe Biden äußert sich zu Debakel – „bin fast eingeschlafen“

Und dann bin ich auf der Bühne fast eingeschlafen“, erklärte Biden auf einer Wahlkampfveranstaltung für die US-Wahl 2024 im Bundesstaat Virginia den mitreisenden Journalisten. Das sei zwar keine Entschuldigung, aber eine Erklärung, meinte der 81-Jährige.

Öfters mal müde: US-Präsident Joe Biden

Für Trumps Republikaner ist die Aussage zum TV-Duell eine willkommene Steilvorlage, scheint sie doch den Spitznamen „Sleepy Joe“ zu unterstreichen. Den hatte Trump dem Präsidenten schon bei der Wahl 2019 verpasst, nachdem dieser vor der Kamera immer wieder einzuschlafen geschienen hatte.

Der Grund für Bidens Müdigkeit beim TV-Duell gegen Trump sollen laut eigenen Angaben mehrere Auslandsreisen gewesen sein, die der Präsident im Vorfeld der Debatte habe antreten müssen. Es sei „nicht sehr klug“ gewesen, vor dem Treffen „mehrmals um die Welt zu reisen und dabei etwa 100 Zeitzonen zu durchqueren“.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Ausblick auf US-Wahl 2024 nach TV-Duell: Joe Biden im Kreuzfeuer

Tatsächlich war Biden Anfang Juni in Nordfrankreich bei einer Gedenkveranstaltung für den Doomsday, also dem Landungstag der Alliierten in der Normandie, der das Ende des Zweiten Weltkriegs einläutete. Nach kurzem Zwischenstopp in den USA ging es Mitte Juni weiter nach Italien, wo der Präsident am G7-Gipfel in Bari teilnahm. Über eine Spendengala in Los Angeles – von Washington immerhin drei Zeitzonen entfernt – reiste er anschließend wieder zurück an die Ostküste.

Auf den TV-Termin mit Trump bereitete Joe Biden sich vor, indem er eine Woche lang keine öffentlichen Termine wahrnahm. Das sollte eigentlich genug Zeit zum Ausruhen sein – für jemanden, der noch fit ist. Deshalb werden nun auch aus dem Kreis der Demokrat:innen Stimmen laut, die Bidens Rückzug aus dem Präsidentschaftsrennen fordern. Ob ein solcher noch passiert, ist fraglich. (ah mit dpa)

Rubriklistenbild: © Jack Gruber/IMAGO

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