Endspurt in der US-Wahl

TV-Duell vor US-Wahl: Trumps Verzicht auf zweite Debatte könnte Harris helfen

  • VonSimon Schröder
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Donald Trump hat das TV-Duell mit Kamala Harris verloren. Eine zweite Debatte hatte der Ex-Präsident ausgeschlossen. Das könnte beiden Kandidaten zugutekommen.

Washington D.C. – Nach dem TV-Duell zwischen Donald Trump und Kamala Harris hatte sich der ehemalige Präsident geäußert, er werde nicht erneut gegen die Vizepräsidentin antreten. Anders als bei der Debatte zwischen Trump und Joe Biden musste sich der Republikaner eindeutig gegen Harris geschlagen geben. Für Trump ist es eine schwierige Entscheidung so kurz vor der US-Wahl im November. Denn ein zweites TV-Duell könnte Harris genau so helfen wie keine zweite Debatte.

Einige Fachleute äußerten sich gegenüber dem US-Magazin Newsweek, für Harris könnte das nämlich ein „ideales Szenario“ sein. Dieser Meinung ist zumindest Aaron Kall, der Direktor des Debattierclubs der Universität Michigans. „Das ideale Szenario wäre, dass sie die Debatte einfordert und Trump sie nicht durchführt. Das war schon immer die beste aller Welten. Sie kann zeigen, dass sie eine selbstbewusste Debattiererin ist und kein Problem damit hat, eine weitere Debatte zu führen. Das lässt sie stark und präsidial erscheinen, was seinem Mantra der Stärke zuwiderläuft.“

Donald Trump hat eine Entscheidung zu einem weiteren TV-Duell mit Kamala Harris getroffen. Er will nicht nochmal gegen die Demokratin in einer Debatte antreten.

Denn ob Harris ihre Taktik der ersten Runde bei einer zweiten Debatte wiederholen könnte, sei fraglich, sagte Kall. Bei dem TV-Duell schaffte es Harris immer wieder Donald Trump zu ködern und den Ex-Präsidenten anzugreifen. Trump geriet während des TV-Duells in die Defensive. Ein weiteres Problem für Harris bei einer zweiten Runde wäre der Wahlkampf an sich.

Kein zweites TV-Duell: „Win-win“ Situation für Harris und Trump in der US-Wahl

Auf die erste Debatte mit Trump bereitete sich die Demokratin gründlich vor. Dafür vernachlässigte sie sogar den Wahlkampf in einigen der wichtigen Swing States, um mehr Zeit zu haben, das TV-Duell zu proben. Tatishe Nteta, Professor für Politikwissenschaften an der Universität von Massachusetts sagte gegenüber Newsweek, keine zweite Debatte sei, für beide Kandidaten, eine „win-win“ Situation. Trump müsste sich nicht die Blöße einer zweiten Niederlage gegen Harris geben. Und die Vizepräsidentin hätte mehr Zeit für den Wahlkampf in den Swing States.

Auch Grant Davis Reeher, Professor für Politikwissenschaften an der Syracuse Universität, ist der Meinung, keine zweite Debatte sei für Harris von Vorteil. Gegenüber Newsweek sagte er: „Trumps Auftritt in der ersten Debatte war eine Katastrophe, und ich glaube, das weiß selbst er.“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Bei einer zweiten Debatte könnte es dann schon anders aussehen sagte Reeher: „Wenn es eine zweite Debatte gäbe, in der er disziplinierter wäre, weniger aus dem Gleichgewicht käme und die Aufmerksamkeit mehr auf die großen Unklarheiten im Zusammenhang mit Harris‘ Zukunftsplänen lenken könnte, warum sie ihre Positionen im Vergleich zu 2020 so drastisch geändert hat und warum sie den liberaleren Flügel der Partei nicht ansprechen würde, würde ihm das helfen.“

Entscheidet sich Trump um? Mögliches zweites TV-Duell gegen Harris

Ob sich Trump allerdings an seine Absage hält, ist eine andere Sache. Bryan Lanza, einer von Trumps Wahlkampf Beratern, sagte auf CNN: „Es geht nicht darum, Angst zu haben, sondern darum, wo unsere Prioritäten in der Wahl liegen.“ Weiter fügte er hinzu: „Wir haben bessere Möglichkeiten durch Einzelinterviews – durch unsere Kundgebungen, durch das Auftreten in den Bundesstaaten dort unsere Wirkung zu erzielen – als in eine Debatte zu gehen, in der die Karten gegen Präsident Trump gezinkt sind.“

Doch Trumps Meinung diesbezüglich könnte sich noch ändern. Gerade in den späteren Zügen der US-Wahl sollte es besonders knapp sein, könnte der Ex-Präsident doch noch einem zweiten TV-Duell zustimmen. Für Harris war die Debatte jedenfalls frischer Wind in den Segeln ihrer Kampagne. (sischr)

Rubriklistenbild: © ZUMA Press Wire/Imago