Michigan, Pennsylvania, Wisconsin

Hält die „Blaue Wand“? Umfrage sieht Harris vor US-Wahl in zwei Swing States vorne – doch ein Staat wackelt

Die demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris kommt während einer Wahlkampfveranstaltung im PA Farm Show Complex and Expo Center an.
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Kamala Harris macht Wahlkampf in Wisconsin, das zur „Blauen Wand“ der Demokraten gehört. In den Umfragen vor der US-Wahl liefert sie sich dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Donald Trump. Das ist auch in Michigan und Pennsylvania der Fall.
  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Kamala Harris hofft bei der US-Wahl auf Siege in Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Die Umfragen fallen gemischt aus. Grätscht Trump dazwischen?

Washington, D.C. – Ist die „Blaue Wand“ sicher? Oder könnte sie fallen? Das sind die Fragen, die sämtliche Demokraten vor der US-Wahl umtreibt. Gemeint sind drei der Bundesstaaten, in der normalerweise die Demokratische Partei die Oberhand behält: Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Doch selbstverständlich ist das nicht. Deshalb gehören auch sie zu den sogenannten Swing States.

In den Umfragen zur US-Wahl liefern sich Kamala Harris und Donald Trump hier seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für Harris ist das äußerst bedenklich, denn Siege in den drei Staaten sind eigentlich ein Muss für die 60-Jährige. Das hat mit dem besonderen Wahlsystem in den USA zu tun. Hier entscheidet nicht das Volk direkt, sondern das Electoral College, in das die Bundesstaaten insgesamt 538 Wahlleute entsenden. Wer die Mehrheit von 270 Wahlleuten auf sich vereint, hat die Wahl gewonnen.

Erfolge in Michigan, Wisconsin und Pennsylvania könnten Harris bei US-Wahl zum Sieg über Trump verhelfen

Für Harris sieht ein mögliches Rechenspiel für die US-Wahl wie folgt aus: Sollte sie von den sieben Swing States die Staaten Michigan, Pennsylvania und Wisconsin gewinnen und Trump die übrigen vier (Arizona, Georgia, Nevada und North Carolina), so stünde die Demokratin bei 269 Wahlleuten und Trump bei 268. 

Dann käme es auf Nebraska an. Anders als in den meisten anderen Bundesstaaten, in denen die „Alles oder nichts“-Regel gilt, wird in Nebraska ein Teil der Wahlleute in einzelnen Bezirken bestimmt. Deshalb würde dort die Stimme aus dem Bezirk Omaha zum Zünglein an der Waage werden. In den Umfragen liegt Harris hier klar vorne.

Umfrage sieht Harris vor US-Wahl in Michigan und Wisconsin vor Trump – doch was ist mit Pennsylvania?

Wie aber fallen die aktuellen Daten aus Michigan, Pennsylvania und Wisconsin aus? Eine brandneue Erhebung des TV-Senders CNN hat gute und schlechte Nachrichten für Harris. So liegt Harris in zwei der drei Staaten relativ deutlich vor Trump. Doch in einem Staat herrscht Gleichstand. Zu bedenken ist, dass es sich um eine einzelne Umfrage handelt, nicht um einen Gesamtdurchschnitt (siehe Grafik weiter oben).

BundesstaatUmfrage-Ergebnis
MichiganHarris +5
Pennsylvania=
WisconsinHarris +6

In der Umfrage sind dabei auch diejenigen erfasst, die ihre Stimme bereits vorzeitig abgegeben haben. In allen drei Bundesstaaten fällt das Ergebnis des sogenannten Early Voting dabei deutlich zugunsten von Harris aus. Auch hier bestätigt sich der Trend: In Michigan und Wisconsin schneidet Harris besser ab als in Pennsylvania.

BundesstaatUmfrage-Ergebnis
MichiganHarris +26
PennsylvaniaHarris +17
WisconsinHarris +22

Umfrage vor der US-Wahl: Trump setzt Harris in Pennsylvania schwer unter Druck

Sollten die Ergebnisse in Pennsylvania Bestand haben, würden sie eine deutliche Verschiebung zu Trumps Gunsten im Vergleich zu den Briefwahlstimmen bei der Wahl 2020 bedeuten. Damals erhielt Biden insgesamt 76 Prozent dieser Stimmen, Trump dagegen nur 23 Prozent.

Zu beachten ist dabei, dass Trump im Gegensatz zu 2020 seine Fans diesmal explizit dazu aufgefordert hat, das Early Voting zu nutzen. Deshalb haben sich auch die Zahlen bei der vorzeitigen Stimmabgabe leicht verschoben. So machen registrierte Republikaner in Pennsylvania laut TargetSmart bisher etwa 32,5 Prozent vorzeitig abgegebenen Stimmen aus. Vor vier Jahren waren dies 23,6 Prozent zu diesem Zeitpunkt.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Siege in Michigan, Pennsylvania und Wisconsin wären bei US-Wahl beste Chance für Harris gegen Trump

Es kann durchaus sein, dass das Ergebnis in Pennsylvania diesmal anders ausfällt als in Michigan und Wisconsin. Das wäre allerdings überraschend. Seit 1992 haben die drei Bundesstaaten stets eine Einheit gebildet, fast immer zugunsten der Demokraten. Nur Donald Trump grätschte 2016 dazwischen. Aber auch damals war sich die ganze Region einig: Der Republikaner gewann gleich alle drei Staaten.

Die Frage ist also, ob Michigan, Pennsylvania und Wisconsin auch diesmal wieder ein Paket bilden werden. Für Kamala Harris wären Erfolge in diesen drei Staaten der einfachste und klarste Weg, um die US-Wahl gegen Donald Trump zu gewinnen. Sollte die „Blaue Wand“ aber tatsächlich einstürzen, könnte dies für Harris bereits das Aus auf dem Weg ins Weiße Haus bedeuten. (cs)