Noch vor Parteitag in Chicago

Virtuelle Abstimmung der Demokraten beginnt heute: Harris soll schon bald zur Kandidatin gekürt werden

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
    schließen

Die Nominierung von Kamala Harris für die US-Wahl soll schon vor dem Parteitag der Demokraten erfolgen. Ab heute stimmen die Delegierten ab.

Update vom 1. August, 9.46 Uhr: Die US-Demokraten beginnen heute mit ihrer Abstimmung zur offiziellen Nominierung von Kamala Harris als Präsidentschaftskandidatin. Fünf Tage sind für das elektronische Votum angesetzt. Harris ist die Kandidatur sicher. Nach Angaben der Parteizentrale unterstützten im bisherigen Nominierungsprozess 99 Prozent der teilnehmenden Delegierten ihre Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur. Bei der jetzt anstehenden, endgültigen Entscheidung hat sie keine Konkurrenz.

Neue Hoffnungen sind bei den Demokraten aufgekommen, den republikanischen Kandidaten und ehemaligen Präsidenten Donald Trump besiegen zu können. Der 81-jährige Amtsinhaber Joe Biden hatte nach langen Debatten und Spekulationen am 21. Juli seinen Verzicht auf die erneute Kandidatur erklärt – und stattdessen für Vizepräsidentin Harris als Kandidatin für die US-Wahl plädiert. Im Schnitt der landesweiten Umfragen liegt Harris knapp hinter Trump, ihr Rückstand ist jedoch geringer als der von Biden.

Demokraten stimmen über Harris‘ Kandidatur ab

Erstmeldung vom 30. Juli: Washington, D.C. – Für Kamala Harris scheint eine wichtige Hürde bereits gemeistert. US-Präsident Joe Biden hatte am 21. Juli, etwa dreieinhalb Monate vor der US-Wahl, nach wochenlanger Debatte seinen Verzicht auf die Kandidatur erklärt – und dies mit einem Plädoyer für Harris als neuer Präsidentschaftskandidatin verknüpft.

Harris konnte sich in der Demokratischen Partei schnell reichlich Unterstützung sichern. Ihre offizielle Nominierung gilt nur noch als Formsache. Doch wann und wie genau soll diese vonstattengehen?

Vizepräsidentin Kamala Harris spricht bei einer US-Wahlkampfveranstaltung in Atlanta.

Harris vor Nominierung: Abstimmung bei Demokraten virtuell vor dem Parteitag – doch wieso?

Die Abstimmung der US-Demokraten zur Nominierung ihres Präsidentschaftskandidaten soll elektronisch erfolgen. Sie beginnt am Donnerstag, 1. August und dauert bis Mittwoch, 7. August. Damit findet die Abstimmung deutlich vor dem Parteitag der Demokraten vom 19. bis 22. August in Chicago statt.

Schon vor Bidens Ausstieg gab es in der Parteizentrale Pläne, die Delegierten womöglich bereits vorher in virtueller Form votieren zu lassen. Begründet worden war dies mit der Sorge, dass im für die Wahl wichtigen Bundesstaat Ohio eine Frist bis zum 7. August und damit vor dem Parteitag für die Benennung der Präsidentschaftskandidaten gelten könnte.

Das virtuelle Votum hilft den Demokraten auch, eine einmonatige Debatte bis zum Parteitag über die Kandidatur zu vermeiden und die Kräfte rasch für den Wahlkampf gegen Trump zu bündeln.

Würde die Abstimmung aber doch erst beim Parteitag stattfinden und Harris dabei von starken Konkurrenten herausgefordert, könnte die Versammlung chaotisch und konfliktreich verlaufen. Denn für die Nominierung wird die absolute Mehrheit der Delegierten gebraucht. Eine Kampfabstimmung hätte sich in diesem Fall also über mehrere Runden hinziehen können.

Harris vor Nominierung für US-Wahl: Wer darf bei den Demokraten abstimmen?

4000 Delegierte, die im Zuge der US-Vorwahlen bestimmt wurden, werden über die Nominierung der US-Präsidentschaftskandidatin abstimmen.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Biden hatte sich zurückgezogen und Harris als Präsidentschaftskandidatin vorgeschlagen. Seine Delegierten-Stimmen wurden nicht automatisch an sie übertragen. Doch in den 48 Stunden nach Bekanntgaben ihrer Kandidatur, hatte ein Großteil der Delegierten schon ihre Unterstützung für Harris publik gemacht.

Hat Kamala Harris Konkurrenz bei den Demokraten?

Es sieht nicht danach aus, dass jemand aus der Demokratischen Partei Harris noch gefährlich werden könnte. Wer sich noch als Präsidentschaftskandidat oder -kandidatin aufstellen lassen will, muss Unterschriften von mindestens 300 Delegierten gesammelt haben (maximal 50 pro Bundesstaat). Die Frist läuft Dienstagabend (Ortszeit, 30. August) ab. Bis dahin muss auch der notwendige Papierkram erledigt und eingereicht sein.

Kamala Harris braucht die Stimmen von 1976 Delegierten, um als Präsidentschaftskandidatin für die US-Wahl nominiert zu werden. Seit Bidens Rückzug hat sich Harris schnell die Unterstützung von 3000 der 4000 Delegierten sichern können, die für sie stimmen wollen.

Taucht in den letzten Stunden nicht überraschend ein neuer Anwärter auf das Präsidentenamt mit den nötigen Unterschriften auf, halten die Demokraten ihre Abstimmung schon ab dem 1. August ab – und zwar virtuell. Eigentlich war die offizielle Nominierung für den Parteitag in Chicago Mitte August vorgesehen.

Kamala Harris vor Nominierung: Wie läuft die virtuelle Abstimmung bei den Demokraten ab?

Die Abstimmung läuft namentlich und über eine Online-Plattform ab, die das Democratic National Committee (DNC) eingerichtet hat. Jeder Delegierte wird 24 Stunden im Voraus benachrichtigt. Sobald die Abstimmung beginnt, erhalten sie ein personalisiertes Formular mit Wasserzeichen, mit dem die Stimme abgegeben werden soll. „Jedes Formular für die namentliche Abstimmung verfügt über eine Reihe von Sicherheitsmerkmalen, um die Authentizität und Genauigkeit jeder einzelnen Stimme zu gewährleisten“, erklärte das DNC gegenüber CBS News.

Sobald alle Delegierten ihre Stimme abgegeben haben, teilt das DNC das Endergebnis mit. Ob die Abstimmung live übertragen wird oder öffentlich zugänglich ist, soll CBS News zufolge nicht bekannt sein.

Wann wird Kamala Harris den Namen ihres „Running Mates“ verkünden?

Bis zum 7. August muss Kamala Harris verkündet haben, wer unter ihr Vizepräsident oder -präsidentin werden soll. Dann wird nämlich der Wahlzettel im Bundesstaat Ohio feststehen. Die virtuelle Abstimmung erfolgt nur zur Präsidentschaftskandidatin, nicht aber zum als „Running Mate“ bezeichneten Vize. Heißt: Für wen auch immer sich Kamala Harris entscheidet, steht als ihr Vize für den US-Wahlkampf fest. Zwar soll auf dem Parteitag in Chicago eine weitere symbolische Abstimmung erfolgen, die Kandidaten der Demokraten werden allerdings bereits im Voraus feststehen. (lrg/afp)

Rubriklistenbild: © John Bazemore/dpa