US-Wahlen

US-Präsident Biden kündigt erneute Kandidatur an

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
    schließen

Nach Donald Trump hat nun auch Joe Biden seine Kandidatur bei den kommenden Präsidentschaftswahlen bekannt geben. Der Amtsinhaber will 2024 erneut antreten.

Update vom 25. April, 12.11 Uhr: US-Präsident Joe Biden will bei der Wahl im kommenden Jahr für eine weitere Amtszeit antreten. Das kündigte der Demokrat am Dienstag auf Twitter an. Jede Generation habe einen Moment, in dem sie für die Demokratie und die Freiheit einstehen müsse. „Ich glaube, dies ist unserer“, schrieb Biden. „Deshalb kandidiere ich für die Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten.“ Dazu veröffentlichte der 80-Jährige einen dreiminütigen Videoclip und mahnte: „Lasst uns die Arbeit zu Ende bringen.“

In dem dreiminütigen Video sprach Biden unter anderem auch von „MAGA-Extremisten“, die an der Abschaffung von fundamentalen Freiheiten arbeiten würden. Unterlegt sind die Worte des Präsidenten dabei mit Bildern von Donald Trump, Floridas Gouverneur Ron DeSantis oder der republikanischen Hardlinerin Marjorie Taylor Greene.

Auch Bidens Stellvertreterin Kamala Harris kündigte in einem Twitter-Beitrag an, im kommenden Jahr erneut als Vizepräsidentin kandidieren zu wollen. Biden hatte die Präsidentschaftswahl 2020 gegen den damaligen republikanischen Amtsinhaber Donald Trump gewonnen. Seit Januar 2021 ist der Demokrat im Amt und zog damals als ältester Präsident aller Zeiten ins Weiße Haus ein. Biden wird bei der Wahl in etwa anderthalb Jahren 81 Jahre alt sein. Am Ende einer möglichen zweiten Amtszeit wäre er 86.

Biden will per Video Kandidatur für zweite Amtszeit verkünden

Erstmeldung vom 25. April: Washington D.C. – Es wird erwartet, dass US-Präsident Joe Biden am heutigen Dienstag (25. April) seine Pläne zur Wiederwahl verkündet – aber die Begeisterung unter den Wählern ist verhalten. Der 80-jährige Demokrat will laut US-Medienberichten in einem offiziellen Video bekannt geben, dass er erneut für das Weiße Haus kandidieren wird. Allerdings scheinen viele Bürgerinnen und Bürger in den USA nicht wirklich begeistert von dieser Entscheidung zu sein.

Biden muss sich der Herausforderung stellen, das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung zurückzugewinnen, das in den letzten Monaten immer wieder von politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen erschüttert wurde. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob Biden in der Lage ist, seine Unterstützer zu mobilisieren und eine erfolgreiche Kampagne zu führen – oder ob er gegen einen energischen Herausforderer antreten muss, der die Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler ausnutzt.

Joe Biden plant eine erneute Kandidatur.

Joe Biden: Formelle Kandidatur steht noch aus

Bestätigt wurde die Kandidatur von offizieller Seite bislang nicht. Joe Biden sagte aber am Montag (24. April) auf eine Journalistenfrage nach einer erneuten Kandidatur: „Ich habe Ihnen schon gesagt, dass ich plane, anzutreten. Ich werde es Sie sehr bald wissen lassen.“ Biden hatte bereits Ende Februar seine Absicht bekundet, erneut für die Präsidentschaft anzutreten. In formeller und damit definitiver Form verkündete er dies aber bisher nicht.

Biden ist bereits jetzt der älteste Präsident der US-Geschichte - und wäre zum Ende einer möglichen zweiten Amtszeit 86 Jahre alt. Viele US-Wählerinnen und Wähler sehen eine erneute Kandidatur des Präsidenten auch deswegen kritisch.

Joe Biden: 70 Prozent der Befragten sprechen sich gegen eine Kandidatur aus

Laut einer jüngst vom US-Sender NBC veröffentlichten Umfrage sind 70 Prozent der Befragten der Auffassung, dass Biden nicht erneut antreten sollte. Bei den Anhängern seiner Demokraten sind es 51 Prozent. Von den Wählern, die sich gegen eine erneute Kandidatur aussprechen, gibt fast jeder zweite Bidens hohes Alter als wichtigen Grund für seine Meinung an. Der Präsident hat seit langer Zeit Zustimmungswerte von nur etwas über 40 Prozent.

Biden hatte schon nach den für die Demokraten erfolgreichen Kongress-Zwischenwahlen vom November signalisiert, dass er eine zweite Amtszeit anstreben will. US-Medien berichteten dann vergangene Woche, dass er am Dienstag ein Video veröffentlichen wolle. Dies wäre auf den Tag genau vier Jahre, nachdem Biden 2019 in das Präsidentschaftsrennen gegen den damaligen Präsidenten Donald Trump eingestiegen war.

Joe Biden: Ohne ernsthafte Konkurrenz in der eigenen Partei

In den USA hat es Tradition, dass Präsidenten sich um eine zweite Amtszeit bewerben. Ernsthafte innerparteiliche Herausforderer für die Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur dürfte es bei Biden nicht geben. Bislang haben nur zwei klare Außenseiter - der Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. und die Selbsthilfebuchautorin Marianne Williamson - erklärt, sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerben zu wollen.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Auch die Republikaner haben bereits Kandidaten in das Rennen ums Weiße Haus geschickt. Der ehemalige Präsident Donald Trump, gegen den ebenfalls seit heute (25. April) ein Prozess wegen mutmaßlicher Vergewaltigung läuft, hat seine Ambitionen bereits offiziell angekündigt. Ihm folgt die ehemalige US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, auf dem Fuß. Aber das ist noch nicht alles – vom erzkonservative Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, wird ebenfalls erwartet, dass er sich dem Rennen anschließen wird.

Die Vorwahlen werden Anfang nächsten Jahres beginnen, die Präsidentschaftswahl wird im November 2024 stattfinden. Die letzten Umfragen lassen darauf schließen, dass sowohl eine Wiederholung des Duells zwischen Biden und Trump als auch ein Wettkampf zwischen Biden und DeSantis sehr knapp werden könnten. Es bleibt abzuwarten, wer am Ende die Nase vorn haben wird. Sicher ist aber, dass die Amerikaner sich auf eine spannende und kontroverse Wahl vorbereiten dürfen. (skr mit afp)

Rubriklistenbild: © Patrick Semansky/AP/dpa/Archiv