Rüstung und Verteidigung

Enormes Wachstum: Wie die US-Wirtschaft aus dem Ukraine-Krieg Profit schlägt

Moral oder Einnahmen? Ein amerikanischer Bericht verdeutlicht die Bedeutung des Ukraine-Kriegs für die US-Wirtschaft - speziell für den Bereich Verteidigung.

Washington/München - Krieg statt Frieden: Während die deutsche Wirtschaft unter den Folgen des Ukraine-Kriegs leidet und in Sachen Wachstum mittlerweile das Schlusslicht innerhalb der EU bildet, ist die Lage in den USA anders:

Ein Bericht des Wall Street Journal beleuchtet, wie die Auseinandersetzung zwischen Russland und dem Westen der amerikanischen Industrie zu einem enormen Aufschwung verholfen hat. Besonders die Rüstungsunternehmen profitieren von dem seit mehr als zwei Jahren schwelenden Konflikt. 

US-Wirtschaft: Ukraine-Krieg lässt Verteidigungssektor florieren

Seit der Eskalation im Februar 2022 habe es einen regelrechten Auftragsboom für den Rüstungssektor gegeben, der für die Vereinigten Staaten seit jeher eine übergeordnete Rolle spielt (das Haushaltsbudget 2024 beträgt laut NZZ satte 886 Milliarden US-Dollar).

So ist die Industrieproduktion des Verteidigungssektors (inklusive Raumfahrtprogramme) innerhalb von zwei Jahren um stattliche 17,5 Prozent anwachsen. Das WSJ bezieht sich auf eine Auswertung des heimischen Zentralbanksystems (Federal Reserve).

Das Wachstum der heimischen Rüstungsbranche basiert laut dem Bericht auf zwei Säulen: Da wären europäische Verbündete wie Deutschland, die mit Milliarden-Investitionen bei den US-Konzernen Lockheed-Martin, Raytheon und Co. ihre Bestände modernisieren.

Der Verteidigungssektor USA profitiert vom Ukraine-Krieg und den Waffenlieferungen ins Krisengebiet.

USA investieren in Verteidigung - “wichtig für Beschäftigung und Produktion”

Darüber hinaus lässt das Pentagon in Washington einen Großteil des US-Haushalts der Rüstungsindustrie zukommen. Interessant in diesem Zusammenhang: 60,7 Mrd. US-Dollar des 95 Mrd. schweren Militärpakets - das den Angaben zufolge neben der Ukraine auch Gelder für Israel und Taiwan umfasst - landen in der amerikanischen Verteidigungsindustrie. 

Mit den Investitionen werden die eigenen Bestände aufgrund der Waffenlieferungen in die Ukraine mit neuem Kriegsgerät aufgefüllt. Die in Hamburg geborene Lael Brainard, Direktorin des nationalen Wirtschaftsrates in Washington, wird im Wall Street Journal zitiert: „Das ist eines der Dinge, die missverstanden werden ... wie wichtig diese Mittel für Beschäftigung und Produktion im ganzen Land sind.“

Deutschland leistet sich zum Beispiel neue Chinook-Hubschrauber im Wert von 8,5 Mrd. Dollar. Polen erneuert seine alternde Hubschrauber- und Panzerflotte für rund 30 Mrd. US-Dollar mit amerikanischen Rüstungsgütern.

Energie für Europa: USA nun größter Exporteur von LNG-Gas

Und das Rüstungsgeschäft dürfte auch in den kommenden Jahren florieren: Am Rande der Sicherheitskonferenz in München wurde bekannt, dass die Bundesrepublik womöglich bald mehr als zwei Prozent des Haushaltsbudgets für die Verteidigung ausgibt.

LNG-Terminalschiff: Die Karten auf dem internationalen Gasmarkt sind durch den Ukraine-Krieg neu gemischt worden.

Derweil berichten die NY Post und weitere US-Medien von einem weiteren Punkt, welcher der US-Wirtschaft Aufschwung verleiht: Nachdem die russischen Gaslieferungen nach Deutschland und in weitere Länder eingestellt wurden, stiegen die Vereinigten Staaten 2023 zum weltgrößten Exporteur von LNG-Gas auf.

Ganze zwei Drittel davon landeten per Schiff in Europa - nach einer Prognose des US-Energieministeriums könnten sich die umweltschädlichen Lieferungen bis 2030 nahezu verdoppeln. Der Effekt für den “alten” Kontinent: Die vormals günstige Energie wurde massiv gedrosselt, eine Inflation aufgrund der deutlich gestiegenen Kosten die Folge.

Europäische Unternehmen zieht es vermehrt in den USA

Was aufgrund dessen seitdem wie ein Damoklesschwert über Europa schwebt, ist das Szenario einer Deindustrialisierung: Schließlich investieren zahlreiche hiesige Unternehmen investieren massiv in nordamerikanische Standorte. Auch aus dem deutschen Automobilsektor zieht es viele Firmen nach Übersee.

US-Politiker und Wirtschaftsexperten machen aus der Rolle des von Drogenproblemen gebeutelten Landes als Profiteur keinen Hehl: “Wir wissen, dass aufgrund der direkten und indirekten Auswirkungen des Ukraine-Krieges potenzielle Verträge in zweistelliger Milliardenhöhe für US-Firmen auf dem Tisch liegen, aber es ist weniger klar, wie schnell die Unternehmen diese Mittel erhalten werden“, erklärt William Hartung, Senior Fellow am Quincy Institute for Responsible Statecraft in Washington.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

US-Wirtschaft wächst - aber nur bestimmte Sektoren 

Studien zufolge sind es besonders europäische Unternehmen, die von den günstigen und reichlich vorhandenen Energieressourcen der USA angelockt werden, verbunden mit den Investitionen der amtierenden Regierung (IRA). Allerdings profitiert bei weitem nicht die gesamte Bevölkerung von der florierenden Wirtschaft in Folge des Ukraine-Kriegs.

So schaffen Rüstungsunternehmen dank gestiegener Aufträge zwar neue Arbeitsplätze, den positiven Effekt bekommt aber ein vergleichsweise kleiner Teil der Bevölkerung zu spüren, erklärt Marc Goldwein: „Ich glaube nicht, dass man mit Sicherheit sagen kann, dass die US-Wirtschaft infolge des Krieges größer geworden ist, aber bestimmte Sektoren der Wirtschaft sind auf jeden Fall größer“, so der leitende Direktor des Ausschusses für einen verantwortungsvollen Bundeshaushalt. (PF)

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