Entwicklungen im Ukraine-Krieg
USA mit Reaktion auf Putins Atomdoktrin – Überarbeitung der eigenen Strategie
VonFelix Busjaegerschließen
Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg hat Putin kürzlich eine überarbeitete Atomdoktrin verabschiedet. Die USA planen auch eine Anpassung.
Moskau/Washington – Der Ukraine-Krieg eskaliert weiter: Erst vor wenigen Tagen hatte Kiew vom Westen die Erlaubnis erhalten, mit ATACMS Ziele in Russland angreifen zu dürfen. Bereits wenig später wurde ein erster Angriff gemeldet, auch mit Storm-Shodow-Raketen griff die Ukraine Standorte von Putins Armee an. Kurz darauf meldete Russland den Einsatz einer neuen Interkontinentalrakete.
Wohl unmittelbar als Reaktion auf die ATACMS-Freigabe steuerte Russland zudem bei den Nukleardoktrin des Landes nach. Die USA werden durch die neue Eskalation im Ukraine-Krieg nun in Zugzwang gesetzt – und überdenken ihre Atomwaffenstrategie.
Nach Putins Atomdoktrin: Neue Eskalation im Ukraine-Krieg? USA bessern eigene Strategie nach
Die globale Bedrohungslage hat sich durch die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg deutlich verschoben: Nach dem Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete – die nach Berichten auch Atomsprengköpfe tragen kann – drohte Russland mit weiteren Schlägen gegen die Ukraine und ihre westlichen Unterstützer. „Wir sehen uns im Recht, unsere Waffen gegen militärische Objekte der Länder einzusetzen, die es zulassen, dass ihre Waffen gegen Objekte bei uns eingesetzt werden“, sagte Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. „Im Fall einer Eskalation aggressiver Handlungen werden wir entschieden spiegelbildlich handeln.“
Auslöser für die jüngste Eskalation im Ukraine-Krieg: mutmaßlich die Tatsache, dass die USA und andere Länder der Ukraine den Einsatz weitreichender Waffen gegen russisches Territorium erlaubt haben. „Wir haben mehrfach unterstrichen, dass der vom Westen provozierte Regionalkonflikt in der Ukraine Elemente globalen Charakters angenommen hat“, sagte Putin. Für die USA ist das aktuelle Säbelrasseln des Kremls Anlass, um über Änderungen nachzudenken. In der neuen Fassung in Russland heißt es, dass Moskau die Aggression eines Staates, der selbst keine Atomwaffen hat, aber von Atommächten unterstützt wird, als deren gemeinsamen Angriff auf Russland wertet.
Als Reaktion auf Putins Atomdrohungen: USA wollen eigene Atom-Strategie überarbeiten
Nur wenige Tage nach der Änderung der russischen Atomstrategie stellt das US-Ministerium Veränderungen in Aussicht, der zuständige Vize-Minister Richard Johnson verwies unter anderem auf verbesserte nukleare Fähigkeiten Chinas und Russlands. Um eine wirksame nukleare Abschreckung sicherzustellen, könne jetzt allerdings eine weitere Anpassung notwendig sein, heißt es weiter. Zuletzt hatten die Vereinigten Staaten 2022 die eigene Nuklearstrategie überarbeitet. Doch nicht nur Russland und China seien Auslöser für die neuen Anpassungen: Mehrere Länder vergrößerten und modernisierten ihre Atomwaffen-Arsenale, sagte Johnson. Zugleich komme Nuklearwaffen eine größere Rolle in der Sicherheitsstrategie dieser Staaten zu.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Dennoch ist gegenwärtig die Bedrohung durch Russland – nicht zuletzt wegen der aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg – am größten. Konkret droht der Kreml mit nuklearer Vergeltung – nicht nur für den Fall eines Atomangriffs. Putins überarbeitete Atomdoktrin berücksichtigt jetzt auch einen konventionellen Angriff auf Russland oder den Verbündeten Belarus, wenn er „eine kritische Bedrohung für deren Souveränität und/oder deren territoriale Unversehrtheit darstellt“. Derweil ist wohl ein kontroverser Vorschlag für ein Ende des Ukraine-Kriegs durchgedrungen – demnach soll die Ukraine aufgeteilt werden. Experten spekulieren derweil, ob sich der Ukraine-Krieg zum Dritten Weltkrieg entwickeln könnte.
Auswirkung von Putins Atomdoktrin: Experten ordnen Bedrohung im Ukraine-Krieg ein
Inwieweit die russischen Atomdoktrin nun eine Verschärfung der Lage im Ukraine-Krieg bedeuten, kann aktuell noch nicht abgesehen werden. Wie Analysten laut ISW glauben, ist Putins Erklärung vom 21. November ein Beweis dafür, dass Moskaus Eskalationsrhetorik größtenteils auf leeren Drohungen beruht.
Derweil kämpft Russlands Armee mit Problemen: Die Soldaten desertieren. „Putin hatte zuvor mit harten Vergeltungsmaßnahmen gedroht, falls westliche Staaten die Ukraine mit Raketenartillerie, Panzern, Kampfflugzeugen und der Fähigkeit ausstatteten, in Russland einzumarschieren“, heißt es in einem Bericht des Instituts. „Und jedes Mal, wenn der Westen Putins Bluff durchschaut hat, hat Putin die Spielregeln ständig geändert.“ (fbu/dpa)
Rubriklistenbild: © Uncredited/Russian Defense Ministry Press via AP/dpa

