Weitere Ukraine-Hilfen

„Wenn die USA ausfallen, dass wir dann einspringen“ - Hofreiter fordert neues 100-Milliarden-Paket

  • VonHelmi Krappitz
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Grünen-Politiker Anton Hofreiter sieht Deutschland in der Verantwortung, wenn die USA keine Ukraine-Hilfen mehr zahlt. Dafür soll die Schuldenbremse aufgehoben werden.

Berlin – Seit Monaten sind die Ukraine-Hilfen der USA in der Schwebe – finanzielle Unterstützung des wichtigsten Geldgebers für die Verteidigung im Ukraine-Krieg. Die eingefrorenen Zahlungen der USA betreffen nicht nur die Ukraine, der bereits die Munition ausgeht. Als größter Geldgeber der Ukraine in Europa hat die Hängepartie indirekt auch Auswirkungen auf Deutschland.

56 Milliarden Euro: Ukraine-Hilfen der USA könnten am Repräsentantenhaus scheitern

Am Dienstag (13. Februar) hatte der US-Senat ein milliardenschweres Hilfspaket für die Verteidigung der Ukraine gebilligt. Doch sicher ist die Unterstützung noch nicht, denn der Entwurf geht an das Repräsentantenhaus mit einer knappen Republikaner-Mehrheit. Das Hilfspaket über umgerechnet 56 Milliarden Euro kann also noch scheitern. Im Fall einer Ablehnung der Zahlungen sieht der Vorsitzende des Bundestags-Europaausschusses, Anton Hofreiter (Die Grünen), Deutschland in der Verantwortung.

Grünen-Politiker Anton Hofreiter fordert eine Aufhebung der Schuldenbremse – für Ukraine-Hilfen.

Ukraine-Hilfen für Europas Sicherheit: „Wenn die USA ausfallen, dass wir dann einspringen“

Es liege im Interesse Deutschlands, die Ukraine finanziell zu unterstützen, erklärte er im zuvor ARD-„Morgenmagazin“ am Montag (12. Februar). „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass wir diese Militärhilfe für die Ukraine nicht nur geben, damit sich die Ukraine verteidigen kann, sondern – das muss man immer wieder betonen – weil die Ukraine die Sicherheit von ganz Europa schützt, vom ganzen demokratischen Europa“, sagte Hofreiter. Es liege im Eigeninteresse, „wenn die USA ausfallen, dass wir dann einspringen.“

Man müsse die Hilfezahlungen ins Verhältnis setzen. Die Ukraine brauche „im Moment relativ wenig von uns. Sie braucht nur ‚Waffen‘ und Geld. Das Kämpfen machen die ukrainischen Soldaten“, erklärte Hofreiter weiter. „Wenn die Nato direkt angegriffen wird, dann werden Nato-Soldaten involviert. Das heißt, die Ukraine stellt auch unsere Sicherheit her.“

„Wir brauchen ein 100-Milliarden-Paket: Hofreiter fordert mehr Geld für Bundeswehr und Ukraine

Um die Sicherheit Deutschlands und Europas gewährleisten zu können, brauche es mehr Geld für Rüstungszwecke. „Am Ende brauchen wir ein neues 100-Milliarden-Paket“, so der Grünen-Politiker. „Auch für die Bundeswehr brauchen wir direkt mehr Geld. Wir haben bei der Artillerie zum Beispiel nur noch für mehrere Stunden, mehrere Stunden, nicht Tage, Munition. Das heißt, wir haben da auch weiterhin ein Riesenproblem.“

2022 beschloss die Bundesregierung bereits ein 100-Milliarden-Sondervermögen für die Bundeswehr – ein Schuldentopf mit Kreditoptionen für Kampfjets, Panzer und andere militärische Großprojekte. Das Geld floss jedoch nur langsam. Nach der Haushaltssperre hat sich die Ampel auf kurzfristige Finanzierung der Bundeswehr geeinigt: „Mit Hilfe dieses Sondervermögens kommen wir in diesem Jahr auf über 73 Milliarden Euro, insgesamt Ausgaben für Rüstung“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der „Tagesschau“. „Das ist der höchste Betrag, den es jemals gab. Und er wird weiter steigen müssen, das wissen alle.“ Laut Hofreiter ist ein weiteres Sondervermögen nötig.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Nicht der einzige Rufer in der Wüste“: Hofreiter fordert die Aufhebung der Schuldenbremse

Grünen-Politiker Hofreiter räumte ein, dass er sich in der Vergangenheit anders positioniert habe. „Ich war 2014 bei dem ersten Angriff Russlands auf die Ukraine noch der Meinung, dass man mit Putin verhandeln kann. Ich habe mich da sehr grundlegend geirrt“, so Hofreiter. Nun müsse man die Natur von Putins Regime erkannt haben und handeln.

„Ich bin in der Koalition nicht der einzige Rufer in der Wüste“, doch es brauche eine deutliche Mehrheit, das Geld zu mobilisieren. Man spreche hier „von Dutzenden und Aberdutzenden von Milliarden. Und das kriegen Sie nicht mit priorisieren“, sagte er. „Und deshalb bin ich der Meinung, dass man am Ende nicht drumherum kommt, die Schuldenbremse aufzuheben.“ (hk)

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