TV-Duell zur US-Wahl 2024

„Autounfall in Zeitlupe“: Peinliche Patzer von Biden im TV-Duell – diese Szenen lösen pure Panik aus

  • VonBettina Menzel
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Das Rennen um die US-Präsidentschaft ist denkbar knapp. Beim entscheidenden TV-Duell zur US-Wahl 2024 zeigte Biden eine desaströse Leistung – unter den Demokraten macht sich Panik breit.

Atlanta – Der US-Präsident Joe Biden sagte nach dem ersten TV-Duell zur US-Wahl 2024 gegen den republikanischen Kandidaten Donald Trump am Donnerstagabend (27. Juni): „Ich denke, wir haben uns gut geschlagen.“ Das Publikum war offenbar anderer Meinung: Einer CNN-Umfrage zufolge sahen 67 Prozent der Zuschauer Trump als Gewinner der Fernsehdebatte.

Reaktionen auf TV-Duell Trump vs. Biden: „Panik“, „komplettes Desaster“, „Autounfall in Zeitlupe“

Selbst Bidens frühere Kommunikationsdirektorin Kate Bedingfield sprach von einer „wirklich enttäuschenden“ Leistung des Präsidenten. Die Medien der USA verglichen die Performance des 81-Jährigen unter anderem mit einem „Autounfall in Zeitlupe“.

Die Fernsehkameras im CNN-Studio in Atlanta im Bundesstaat Georgia sind gnadenlos. Im TV-Duell am Donnerstag beginnt das Desaster für Joe Biden schon früh. Die Fernsehdebatte zeigt einen US-Präsidenten, der mit heiserer Stimme spricht, sich verhaspelt und den Faden verliert – während die Welt zusieht. Ein gefundenes Fressen für seinen Konkurrenten Trump, der im US-Wahlkampf ohnehin nicht müde wird, das hohe Alter Bidens zu betonen.

TV-Duell zur US-Wahl 2024: Biden blamiert sich bei Debatte mit Trump

Der 81-Jährige ist der älteste Präsident in der Geschichte der USA. In einem Video wirft Biden scheinbar zusammenhangslos Schlagworte wie „Covid“ in den Raum, gefolgt von Stottern. Dann sagt er den inhaltlich sinnlosen Satz „wir haben Medicare geschlagen“ und schon ist seine Redezeit um. Der Seitenblick von Trump spricht Bände.

Bidens Stocken und seine augenscheinliche Verwirrtheit ziehen sich durch die ganze Debatte. Kommentatoren in den US-Medien bezeichneten den Auftritt des 81-Jährigen unter anderem als ein „komplettes Desaster“, einen „Nervenzusammenbruch“ und einen „Autounfall in Zeitlupe“.

Erste TV-Duell zur US-Wahl: Biden antwortet konfus – und spielt Trump in die Hände

Auf die Frage, warum Wähler darauf vertrauen sollten, dass Biden die Immigrationskrise lösen könne, antwortete der US-Präsident in dem TV-Duell gegen Trump zur US-Wahl recht konfus, wie ein weiterer Ausschnitt zeigt. Trump leitet daraufhin seine Entgegnung ein mit: „Ich weiß wirklich nicht, was er am Ende dieses Satzes gesagt hat. Ich glaube, das weiß er selbst nicht.“ Obwohl selbst 78 Jahre alt, wirkte der Republikaner im TV-Duell deutlich agiler.

Es mache sich nun „Panik in der Demokratischen Partei“ breit, kommentierte der CNN-Experte John King. „Während Biden sich eine Woche lang in Camp David [auf das TV-Duell] vorbereitete, hat irgendjemand erwähnt, dass er auch vor der Kamera stehen würde?“, frage der Host der satirischen Nachrichtensendung Daily Show nach dem TV-Duell. „Nachdem ich die heutige Debatte gesehen habe, möchte ich nur sagen, dass beide Männer leistungssteigernde Mittel nehmen sollten“, scherzte Stewart weiter. „Das war Biden in seinem schlimmsten Moment“, kommentierte indes der US-Korrespondent von Sky News, James Matthews. Man habe dem US-Präsidenten jeden Tag seiner 81 Jahre angesehen.

US-Wahl 2024: Demokraten diskutieren nach TV-Duell-Desaster über Rücktritt und Nachfolger

Biden und Trump attackierten sich in der Fernsehdebatte teils heftig. Das TV-Duell verlief aber insbesondere für Biden desaströs. Im Anschluss begannen die Demokraten sogar einen Kandidatenwechsel zu diskutieren. Es sei „an er Zeit, über einen offenen Parteitag und einen neuen Kandidaten der Demokraten zu sprechen“, sagte ein demokratischer Politiker zu NBC News.

US-Präsident Joe Biden leistete sich im TV-Duell gegen Donald Trump einige peinliche Patzer.

Ein weiterer, ebenfalls nicht namentlich genannter Demokrat forderte, Biden solle aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft 2024 aussteigen. „Das war wie bei einem Box-Champion, der in den Ring steigt, wenn er seine besten Jahre hinter sich hat.“

US-Wahl 2024: Nach Bidens Auftritt beim TV-Duell bricht kollektive Panik bei Demokraten aus

Ein früherer Berater des Ex-Präsidenten Barack Obama, David Axelrod, kommentierte gegenüber CNN: „Es gibt ein Gefühl des Schocks darüber, wie [Biden] zu Beginn der Debatte aufgetreten ist. Er schien ein wenig desorientiert zu sein.“ Es werde nun Diskussionen geben, ob er weitermachen sollte. Nur Biden selbst könne das entscheiden, so Axelrod weiter.

Selbst Vizepräsidentin Kamala Harris räumte im Gespräch mit CNN ein, der US-Präsident habe einen „langsamen Start“ in das Duell gehabt, er habe dann aber einen „starken Schluss“ hingelegt.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Blamabler TV-Duell-Auftritt: Demokraten müssen über Kandidatur von Biden gegen Trump entscheiden

„Ob die Demokraten wirklich mit Joe Biden in die Wahl im November gehen werden, müssen die Demokraten auf ihrem Parteitag Mitte August entscheiden“, sagte der Transatlantik-Beauftragte der Bundesregierung, Michael Link, dem Tagesspiegel.

Die Demokraten müssten sich überlegen, „mit wem es am besten zu verhindern ist, dass Trump mit seiner gewohnten Methode - Behauptungen, Beleidigungen, Verdrehungen, glatte Lügen - erneut ins Amt kommt“, so der Politiker weiter. Der frühere US-Präsident hatte allein während seiner Amtszeit laut Washington Post mehr als 30.000 Lügen erzählt. Auch beim TV-Duell habe Trump Unwahrheiten erzählt, kommentierte der Sky News-Korrespondent Matthews, dies tat der Republikaner aber „selbstbewusst“.

Rubriklistenbild: © Gerald Herbert/dpa